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Brentlerin, Prentlerin

die, - , -nen

Sennerin, Almhalterin


Wortart: Substantiv
Tags: steirisch,u.a.veraltet
Erstellt von: Koschutnig
Erstellt am: 23.09.2016
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Kommentare (3)


Die Bezeichnung hat sie von der Prent(e), Brent(e) für die Milch - und nein, von nächtlichen Besucherinnen, die fensterln (brenteln, prenteln) gehen, ist weder bei Burschen noch in der Menscherkammer bislang etwas bekannt geworden und doch schreibt Peter Rosegger "Sittenbilder" aus dem steirischen Volksleben:

Was nun die Liebe zu Menschen betrifft, so kann von der hübschen Brentlerin wohl Jeder ein "Busserl" bekommen, wer aber mehr verlangt, wird derb zurückgewiesen, und wer wirklich keck werden wollte, der - die Brentlerinnen haben tüchtige Fäuste
source: Peter Rosegger, Sittenbilder aus dem steierischen Oberlande (1870)
Wou da Gamsbouck lusti üban Felsn springt,
Wou die Brentlerin ollweil schöane Liadla singt,
Küah und Kolmanh gumppn (hüpfen) lusti ah dabei,
Js fürn Jaga wul die größte Freud!

Kas und Buda bringt mar oft mei Brentlerin gmua.
Brot und Henik , Schmalzkouch gibt s mar ah dazua…
source: Rosegger, Das Volksleben in Steiermark (1875)

Rosegger ist beileibe nicht der einzige, der von der Brentlerin schreibt:
Die Löhne der weiblichen Dienstboten bleiben durchaus um ein Drittel und mehr niedriger als die der männlichen. Der Jahrlohn der Dirn und Brentlerin betrug im Jahre 1690 1-2 fl.
source: Hubert Wimbersky, Eine obersteirische Bauerngemeinde … (1908)
Auf der Kühalpe ist für die Kühe einer jeden Haushaltung eine Sennerin, im Judenburgerkreise Brentlerin genannt, bestellt, die alle bei der Milchwirtschaft vorkommenden Arbeiten verrichtet
source: Austria oder Oesterreichischer Universal-Kalender (1848)
Sind es im obersteirischen Ennstale die Käswürmer, die der Sennin Unheil bringen, so ist es im Almbereiche des Mitterennstales der Madenzopf, den hier die „Brentlerin" fürchtet
source: Karl Haiding, Volkssagen aus der Steiermark (1982)

Koschutnig 23.09.2016


Und solcherlei liest man von der Prentlerin:
Bezaubernde Sennerin:
Der Viehhalter Marx Schöpfer gibt 1614 vor dem Landgericht des Stifts St. Lambrecht an, die „Prentlerin" habe zwei Frösche an eine Stange gehängt, diese gemolken und dadurch anderen Kühen die Milch entzogen
source: Margarethe Ruff, Zauberpraktiken als Lebenshilfe. Magie im Alltag vom Mittelalter bis heute ( 2003)
"Ein ökonomischer Wandel wird im Zusammenhang mit der Position der Schwaigerin oder 'Prentlerin', wie sie schon im Mittelalter hieß, sichtbar. Sie, die 1578 mit 3 fl geringer als der Prügelknecht bewertet wurde, stieg allmählich bis 1627 auf 7 fl, erreichte im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts 10 fl, […] Wenn vergleichsweise die Entlohnung für andere Mägde durch die Jahrhunderte etwa gleich blieb, vermittelt das sehr wohl die ökonomische Bedeutung bestimmter Positionen.
source: Hans Krawarik, „Offizier und Familia Collegio. Zur Entwicklung von Stiftsverwaltungen in der frühen Neuzeit". In "Jb.des OÖ. Musealvereines, Ges. f. Landeskunde 14, 1(1996)
Reichliches Meiergesinde diente insbesondere auf jüngeren Herrschaften, denen oft Wirtschaftshöfe zugrunde lagen … Stets beim Meiergesinde angeführt ist auch die Prentlerin, das ist die Sennerin. Naturgemäß finden wir sie nur im Oberland und in der Weststeiermark.
source: ZS d. histor. Vereins für Steiermark 63-65 (1972)

Koschutnig 23.09.2016


Ja, auch in deutschen Quellen finden man sie, allerdings muss man die Texte lesen:
Das Leben der Brentlerinnen oder Schweigerinnen ist gar mühevoll, und doch freuen sie sich schon den ganzen Winter darauf und reden noch in späten Jahren, wenn sie längst nicht mehr zur Alm fahren, mit Entzücken davon.
source: Westermanns Monatshefte, Jahrbuch Bd. 2 (1857)


Anm.: In Steiermark kommen beide Namen, Schweigerin und Brentlerin vor; in den angrenzenden österreichischen Alpen nur Schweigerin. Die Brentlerin ist von der Beschäftigung mit den Milchgefäßen (Brenten) wahrscheinlich benannt, indessen ist Brente für die Gefäße nicht mehr landsüblich. ... Sennin ist in Steiermark und dem angrenzenden Oesterreich unbekannt.
source: Karl Weinhold, "Auf einer steirischen Alm", Westermanns Monatshefte, Jahrbuch Bd. 2 (1857)

Koschutnig 29.09.2017





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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

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Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

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Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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