Thema: Die Pickerl-Prüfstelle

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Die Pickerl-Prüfstelle
25.09.2007 von JoDo

Die Pickerl-Prüfstelle
25.09.2007 von JoDo

Wo der deutsche Kraftfahrer topologisch feinsinnig zwischen Autobahnkreuz und Autobahndreieck unterscheidet, da steht im fröhlichen Österreich nur etwa: Knoten Salzburg. Das beschreibt stets treffend Straßenführung und -verkehr zugleich, denn ein Knoten ist meistens zu. Eine Pickerl-Prüfstelle ist, hochdeutsch interpretiert, eine Werkstatt, wo’s die Plaketten des technischen Überwachungsvereins gibt. Denn was österreichisch pickt, das haftet. Haften bleibt denn auch nach einer kleinen Reise in das heimatliche Land diese pointiert-präzise Sprache, die kurz und bündig und gar nicht amtlich-allumfassend oder langweilig wortzusammensetzend die Dinge bei ganz eigenen Namen nennt. Wie sprachlich schlicht und mutig ist’s doch, einfach Maut zu zahlen statt einer ungetümen Straßenbenutzungsgebühr.
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Diese Glosse erschien am 25. Februar 1992 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ich hatte sie auf der Rückfahrt von einem Skiwochenende (österr. eher: Schiwochenende) im Stubaital geschrieben. Gleich danach habe ich – nach über zehn Jahren – Tandem Computers verlassen. ›Moralisch‹ hat mir gerade dieses Skilaufen dabei riesig geholfen – das aber ist eine andere Geschichte ... Auch natürlich, daß heute ›Pickerl‹ die österreichischen Autobahngebührenaufkleber sind.
Dazu schreibt mir Mag. Andreas Zirnig: »Die Aussage ›Auch natürlich, daß heute ›Pickerl‹ die österreichischen Autobahngebührenaufkleber sind.‹ muss ich allerdings etwas korrigieren. ›Pickerl‹ wird in Ostösterreich nach wie vor für beliebige ›Aufkleber‹ verwendet. Ist von Autos die Rede (z.B. ›das Pickerl ist abgelaufen‹), wird es als ›Prüfplakette‹ verstanden. Will man sich aber auf die Autobahngebühr beziehen, sagt man nicht einfach ›Pickerl‹, sondern ›Autobahnpickerl‹, häufig aber auch ›Vignette‹, das auch die amtliche Bezeichnung ist.« Dankeschön!
http://www.joern.de/tipsn108.htm

Österreichischer Standard nur 'Knoten'?
16.08.2008 von System1

Wo der deutsche Kraftfahrer topologisch feinsinnig zwischen Autobahnkreuz und Autobahndreieck unterscheidet, da steht im fröhlichen Österreich nur etwa: Knoten Salzburg. Das beschreibt stets treffend Straßenführung und -verkehr zugleich, denn ein Knoten ist meistens zu.

"Ein Knotenpunkt im Verkehr ist ein Ort, bei dem sich mehrere Verkehrswege gleicher Art kreuzen, z.B. ein Eisenbahnknoten oder Autobahnkreuz, oder ein Verkehrsweg in einen anderen einmündet. Befinden sich mehrere Verkehrsknoten von Verkehrswegen unterschiedlicher Art in unmittelbarer Nähe und kommt es zum Verkehrsmittelwechsel, nennt man diesen Ort Verkehrsknotenpunkt ..."

(...)

"... Im Straßenbau werden verschiedene Formen der Knotenpunkte definiert. Hierbei wird als erstes zwischen plangleichen und planfreien Knoten unterschieden ..."
http://de.wikipedia.org/wiki/Knotenpunkt_(Verkehr)#Formen_von_Stra.C3.9Fenknotenpunkten

das Autobahndreieck (de) = die Autobahnverzweigung (ch), die Verzweigung (ch) = der Autobahnknoten (at), der Knoten (at)
das Autobahnkreuz (ch, de), das Kreuz (ch, de) = der Autobahnknoten (at), der Knoten (at)
die Kreuzung (ch, de), die Strassenkreuzung (ch, de) = der Knoten (at)

die Marke (ch) = der Aufkleber (de)
das Pickerl (at) = der Aufkleber (de)
die Plakette (at, de) = der Aufkleber (de)
die Vignette (at, ch) = der Aufkleber (de)

(Ulrich Ammon ... : Variantenwörterbuch des Deutschen)

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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
Und hier noch ein paar hilfreiche Links: UrImmun Der Scrum Master Atlas