0 stars - 9 reviews5


Angabe

die, -, -n

Anzahlung


Wortart: Substantiv
Gebrauch: Österr. Standarddeutsch
Tags: veraltend
Erstellt von: Koschutnig
Erstellt am: 26.05.2018
Region: Klagenfurt(Stadt) (Kärnten)
Bekanntheit: 70%  
Bewertungen: 4 5

Dieser Eintrag ist noch nicht Teil des Wörterbuches.

Kommentare (9)


Wie kann man sein Geld am sichersten anlegen und dabei zugleich ein reicher Mann werden? - Man kauft sich ein k.k. Prämien-Los vom Jahre 1864 [...] auf diese Weise, dass man sogleich als Angabe blos 10 fl. zahlt, und den Rest von 90 fl. in monatlichen Raten zu 5 Gulden abzahlt.
source: Innsbrucker Nachrichten (28.10.1865)
Trotzdem begehrt er gemäß § 932 bGb. Aufhebung des Vertrags, Rückgabe der geleisteten Angabe von 110 fl. und Schadenersatz, das ist Ersatz der tierärztlichen Kosten per 8 fl. 65 kr.
source: Zentralblatt für die juristische Praxis Bd. 15 (1898)
Wo die Angabe geleistet und hiemit die Ausführung des Uebereinkommens ins Leben getreten, folgt nicht die Ausführung, sondern die Durchführung der weiteren Bedingungen des Uebereinkommens, gewöhnlich die Auszahlung des Restbetrages des Kaufschillings.
source: Allgemeine österreichische Gerichtszeitung 22 Jg, Nr. 54 (7.7.1871), S. 214
es war durchaus kein außergewöhnliches Vorkommnis, dass der Kommissionär jenen Schluss, auf welchen er als Käufer eine Angabe empfangen hatte, im Termine erfüllen musste, während der eigentliche Kompensationsschluss, auf welcher er als Käufer eine Angabe geleistet hatte und welcher dazu bestimmt war, zur Erfüllung des ersten Verkaufsabschlusses verwendet zu werden, von dem, dem Kommissionär ganz und gar unbekannten Besitzer des Schlusses nicht erfüllt werden konnte
source: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik Hg. 78(1902)
Nachdem der Gefertigte die sämmtlichen noch in erster Hand befindlichen Genf St. Genois'schen Lose von den Bankhäusern S.M. v. Rothschild und Hermann Odesco’s Söhne käuflich übernommen hat, [...] hat der Gefertigte eine gewisse Anzahl dieser Lose bestimmt, welche er auf 10monatliche Raten, mit einer Angabe von 4 fl. und den Rest in gleichen Terminen, mit 6perz. Zinsenvergütung verkauft.
source: Fremden-Blatt, 17.3.1862, Beilage

Koschutnig 26.05.2018


Es fällt auf, dass alle Verwendungsbeispiele für "Angabe" in der Bedeutung Anzahlung aus sehr alten Texten stammen, obwohl das Wort im österr. Sprachgebrauch so doch durchaus noch lebendig ist, wie ja auch Duden bestätigt:
BEDEUTUNGSÜBERSICHT ... 4. österreichisch Anzahlung [...]
BEDEUTUNGEN, BEISPIELE UND WENDUNGEN
4. Anzahlung
Gebrauch österreichisch
Beispiel
eine Angabe leisten
source: Duden

Dekubitus 26.05.2018


Zu den "aktuellen" Beispielen der Jahre 18xx


Hier deutlich aktueller - 2013 - Allerdings aus Deutschland, was auch dort wie es scheint in Anwendung ist.
https://tinyurl.com/y79qbowm

Die Vergütung von Windstrom zum Beispiel kann abgesenkt werden – allerdings differenziert nach der Standort-Qualität. Wo besonders viel Wind weht, kann sie stärker sinken. Auch sollten Unternehmen, die für in eigenen Kraftwerken produzierten Strom bisher keine Stromnetz-Kosten zahlen müssen, künftig eine Angabe leisten müssen. Das entlastet die anderen Verbraucher. Die Abgabe müsste aber gestaffelt – je nach Klimawirksamkeit des Energieträgers - erhoben werden. Für Solarstrom wäre sie niedriger als für Kohlestrom.
Kai Wintherbauer 27.05.2018


Ergänzend:
Auszug aus einem Interview der Frankfurter Rundschau mit dem CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel vom 19. März 2013...
Kai Wintherbauer 27.05.2018


Zur "Ergänzung" -
Diese "Angabe" auch in Deutschland???
Erste Vermutung: ein DRUCKFEHLER?

Gar nicht lang hab ich gebraucht, um das Original des zitierten Interviews zu finden und – ja, die gegenständlicheAngabe“ des Bundestagsabgeordneten Göppel auf dessen eigener (!) Homepage ist tatsächlich bloß ein Druckfehler. 2x steht in der Zeitung nämlich "Abgabe":

Hier das Original:

Auch sollten Unternehmen, die für den in eigenen Kraftwerken produzierten Strom bisher keine Stromnetz-Kosten zahlen müssen, künftig eine Abgabe leisten müssen. Das entlastet die anderen Verbraucher. Die Abgabe müsste aber gestaffelt – je nach Klimawirksamkeit des Energieträgers – erhoben werden.
source: Frankfurter Rundschau, 19. März 2013

Koschutnig 27.05.2018


zumindest für mich zählt in erster Linie die Schreibweise auf der eigenen Homepage der Quelle.. und ist damit wie beschrieben in Anwendung zu finden.. die Zeitung hat ihre Schreibweise, gönnen wir es ihr ;-)
Kai Wintherbauer 27.05.2018


Was war früher, die Henne oder das Ei? Hier ist's klar, was das Ursprüngliche ist. Auf der Homepage steht's ja drüber:
"Interview der Frankfurter Rundschau mit dem CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel vom 19. März 2013"
source: Goeppel.de Presseberichte
Beim Abschreiben passieren halt Fehler. (Und selbst wenn's keiner wär, wär's nicht arg, denn schließlich ist Herr Goeppel ein CSU-Politiker, also ein Bayer, und wie der Eintrag alle damlaung also der in Bayern ganz selbstverständlichen Wendung "alle Daumenlang" durch den "Ergänzung"-Verfasser zeigt, ist ihm typisch Bayrisches mindestens so österreichisch wie tatsächlich Österreichisches.)

Als vermutlicher Schreibfehler aufgefallen war mir das Wort im Text der "Ergänzung", da ich beim Lesen gewöhnlich auch mein Gehirn einschalte: Die Rede ist ja ganz klar nicht von einer Anzahlung (österreichisch auch "Angabe"), sondern eben von einer Abgabe - siehe 9 Wörter weiter.
Koschutnig 27.05.2018


Das "K-Problem" Was war früher, die Henne oder das Ei?




Henne-Ei-Problem

Das Henne-Ei-Problem – ausgedrückt durch die Redewendung „Was war zuerst da: die Henne oder das Ei?“ – bezeichnet als Redensart eine nicht zu beantwortende Frage nach dem ursprünglichen Auslöser einer Kausalkette, deren Ereignisse wechselseitig Ursache und Wirkung darstellen. Mathematisch liegt ein Henne-Ei-Problem vor, wenn sich Beziehungen nicht topologisch sortieren lassen, also keine Halbordnung bilden.


weiter Wiki:
https://de.wikipedia.org/wiki/Henne-Ei-Problem
вихрь :-) 27.05.2018


Da erst 4 vom Negativbewertungsbataillon über diesen Austriazismus hergefallen sind - hier spricht nun der Oberste Gerichtshof:
Die Klägerin hat am 1. November 1953 vom Beklagten alle am Jauerling anfallenden Weihnachtsbäume (Fichten) bis zu einer Gesamtmenge von 5000 Stück gekauft und gleichzeitig eine Anzahlung auf den Kaufpreis in Höhe von 5000 S geleistet. [...]
Im vorliegenden Fall sei die Klägerin nicht im Leistungsverzug gewesen, weil sie eine Angabe geleistet hatte, die höher als der Preis der bereitliegenden Bäume war.
source: Entscheidungen des OGH Bd. 28 (1955), Entscheidung zu GZ. 3Ob812/54 v. 12.1.1955
Mit Rücksicht auf die Behauptung des Beklagten, daß die Klägerin auch ihrerseits ihm mitgeteilt habe, sie nehme die Bäume nicht, er möge ihr die Angabe zurücksenden, hielt das Berufungsgericht eine Ergänzung des erstrichterlichen Verfahrens .... für notwendig
source: OGH, 12.01.1955

Und hier aus der Weltliteratur:
Vor einigen Wochen allerdings hatte ein junger Mann dieses Zimmer bezogen, eine kleine Angabe geleistet, doch schon am nächsten Tag war er wieder verschwunden, ohne sich polizeilich gemeldet zu haben.
source: Arthur Schnitzler, „Therese. Chronik eines Frauenlebens“ (1928/2018)

.
p.s. Der Admin. hat den Eintrag positiv gefunden - als 1. Beurteiler!
.
Koschutnig 24.08.2018





Facebook   Xing   Twitter

Impressum | Nutzung | Datenschutz

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
Und hier noch ein paar hilfreiche Links: Technikwerker Technikwerker Atlas