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Wundersam sind die Wege der Wörter:
Ob das 'valisia' im Latein des Mittelalter wirklich vom persischen 'walīchah' (= ein großer Sack) herrührt oder aber eher vom arabischen 'walīhat'(Strohsack) oder von einem mögl. lat. 'uidulus'(ein Ledersack?) Vom mittelalterlichen 'valisia' stammt dann vllt. das italien. 'valigia', fem. ('Koffer') her, sicherlich aber das französische 'valise', fem. ('kl. Koffer, Handgepäck'; 'valise diplomatique' = Diplomatenköfferchen, Kuriergepäck ) das dann auch ins Englische gefunden hat (als Ding ein Neutrum) - doch im Kärntner Mölltal, da wandelte sich die Sie zum Er und das Köfferchen zum "gewaltigen Brautkasten".* «Es ist Sitte im Möllthale, dass die Braut von ihren Angehörigen einen gewaltigen mit Arabesken und Fantasieblumen bunt bemalten Kasten (Valis), worin sich Wäsche und Kleidungsstücke befinden, zur Aussteuer erhält. (Dieter Dünninger: „Wegsperre und Lösung. Formen und Motive eines dörflichen Hochzeitsbrauches. Ein Beitrag zur rechtlich-volkskundlichen Brauchtumsforschung“, Schriften zur Volksforschung Bd. 2, Berlin 1967, S. 152) * «Hier wird gegessen, getrunken, getanzt, und dann der
Valis weggeführt. Dieser
Valis ist nichts anderes, als der meistens neue, und bunt bemalte, mit Wäsche und Kleidung sei gut als möglich ausgestattete Brautkasten oder Truhe. » (Kärtnerische Zeitschrift, hg. v. Johann Gottfried Kumpf, Jg. 8/1835, S. 60 Eine missverstandene Interpretation des Valis als gesamter "Brautschatz" liegt wohl hier vor: *
«…möglichst viel Bettzeug, Tischwäsche, einige Frauenanüge, eine Wiege und ein schön verziertes Spinnrad mit dem Rocken als
Brautschatz oder Valis vorgesehen.
Bei reichen Bräuten umfasst der
Valis auch mehrere Bettstellen,Kästen, die gesammte Küoheneinrichtung, eine oder mehrere Kühe, Getreide, Speck und Selchfleisch etc. […] Zur Uebernahme des
Valis erscheinen junge Bursche aus dem Dorfe, und werden mit Selchfleisch, Speck, Wein oder Branntwein bewirthet. Die Braut darf die Truhe nicht berühren, wenn dieselbe fortgetragen wird, auch soll ein Kind im Hause (etwa eine jüngere Schwester der Braut) weinend und schreiend die
Valis-Führer am Wegtragen hindern, bis es durch ein Geschenk beruhigt wird. » (Alexander Ecker et.al., Archiv für Anthropologie 19, Völkerforschung und kolonialen Kulturwandel Braunschweig 1891, S. 161)
* "Auf dem Kasten steht das Spinnrad, das nicht fehlen darf" schreibt Matthias v. Lexer, Kärnt. Wörterbuch (1862, Spalte 88/89),der das Wort "Vâles" und auch " der Vállas" - Brautkasten - schreibt, aus mittellat. 'valeggia' und italien. 'valigia' (frz.’valise’, identisch mit dt. "Felleisen" - offenbar eine Entstellung eines lat. *
vidulus) Seite 59,
http://tinyurl.com/d8xn7gc*.Die „Valesführer" bilden einen eigenen Tisch; sie haben die Aufgabe, den
„Vales" (den bunt bemalten Brautkasten) in der Nacht, bei grellem Buchtelschein in das Haus des Bräutigams zu überführen. Ein tüchtiger, mit Proviant und Enzianflaschen beschwerter Korb, die Valesführerjause, wird ihnen mit auf den Weg gegeben.
An der Grenze der Ortschaft wird eine [...] Mauthschranke errichtet, wo der
Vales angehaltenund ein dramatischer Schwank abgespielt wird. Nach diesem […]Schauspiele[…] öffnen sich die Schranken und die "Valesführer ziehen [...] mit dem Brautputze weiter. Franz Franzisci: "Eine Hochzeit im Möll-Thale. Aus dem kärntischen Volksleben." In: Carinthia Jg. 59/ 1869, S. 9 – 17
http://tinyurl.com/d5wqy2x Koschutnig 27.04.2013