Thema: Vorstodtpinkerl

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Vorstodtpinkerl
16.12.2010 von JoDo

Vorstodtpinkerl
16.12.2010 von JoDo

Jemand im Gästebuch (Büchl) - einem ungünstigen Ort zum nachfragen - erkundigt sich:
"vorstodtpinkerl [ Eingetragen am 2010-11-28 ]
Habe es Heute in der ORF2 gehört. Was heist es?"

Ähem. Nix Genaues weiß ich nicht, aber ich vermute folgendes:

Ein eher verwöhntes Geschöpf (B/Pinkerl) aus einem die Innenstadt umgebenden Bezirke (Vorstadt) Mariahilf, Neubau, Josefstadt, Alsergrund, vielleicht auch noch weiter draußen - Hietzing, Währing, Döbling (das ist aber nimmer Vorstadt).

Re: Vorstodtpinkerl
16.12.2010 von Koschutnig

Ob der deutsche "feine Pinkel" austrifiziert - der g'schupfte Ferdl evtl? - und verniedlicht worden ist?

Ein speziell vorstädtisches Sorgenpaket (vgl. "Jeder tragt sein Pinkerl" aus dem "Fidelen Bauern") wird's wohl nicht sein.
Doch ein "Sorgenpinkerl" gibt's ja auch, und das ist andererseits etwas Lebendes, s. Stanzi und Janosch, die beiden Sorgenpinkerl.

Zum Sorgenpinkerl gibt's dann in D wieder einen entniedlichten "Sorgenpinkel" ( s. "Petrus, der Sorgenpinkel").
Sogar eine Reimerin aus Kärnten tut selbiges und reimt auf Herrgottswinkel den Sorgenpinkel http://www.literascript.de/texte/autoren/mw/mw_ma1...

Re: Vorstodtpinkerl
17.12.2010 von JoDo

Rein aus dem Gefühl heraus

ist das Wienerische "Binkerl" vom Begriff her schon ein "Bündel"
http://[wort:5798:reise]
Im Sinne eines Wickelkindes (in DER Bedeutung haben wir es gar noch nicht drinnen).

WAS jetzt der Wiener GENAU mit SO einem Diminutiv meint, steht in den Sternen,
es ist eine Verniedlichung, bei der schon sehr viel Spott mitschwingt, Bedauern, Herablassung.

In meinen Ohren klingt das fast so wie "Tschapperl", "verwöhnter Bankert".

Re: Vorstodtpinkerl
17.12.2010 von Koschutnig

Rein aus dem Gefühl heraus ist das Wienerische "Binkerl" vom Begriff her schon ein "Bündel"
Interessant, wie einem dreidimensionalen österr. Bündel im DUDEN ein nur zweidimensionales "Blatt" gegenübersteht:
Herz|bin|kerl, das; -s, -n [2. Bestandteil Vkl. von →Binkel] (bayr., österr. ugs.):→ Herzblatt.
Zum "Zornbinkel" sagt DUDEN nur: (österr. ugs.): jähzorniger Mensch.

Bei "Binkel" sagt Duden dann:
* Bin|kel, Binkl, der; -s, -[n] wohl zu einem Verb mit der Bed. "(zusammen)stoßen.

Richtig kurios wird's dann aber unter "Pinkel":
* Pin|kel, die; -, -n [ostfries. pinkel, eigtl. = Mastdarm; →vgl. Pinkel] (nordd.): aus Speck u. Grütze hergestellte Speise
* Pin|kel, der; -s, -, auch: -s [H. u., viell. zu ostfries. pinkel = Penis, eigtl. wohl = Spitze
Wenn Letzteres zum Vorstadtpinkerl geworden wär - na sowas!

p.s. Zum "feinen Pinkel" (leider nicht zum "Vorstadtpinkerl") gibt's seit gestern Erheiterndes -
Inhaltsverzeichnis
1 Historische Entwicklung
2 Verhaltensmuster eines feinen Pinkels
3 Äußere Merkmale eines feinen Pinkels
4 Begriffliche Abgrenzungen
5 Verweise -
auf http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Snob.html

Re: Vorstodtpinkerl
18.12.2010 von JoDo

Was für ein link!!!

Zitat:
• Er meidet Umgangssprache und redet geschwollen. Wenn er sich über einen anderen Menschen empört beschimpft er diesen nicht mit derben Kraftausdrücken sondern bezeichnet ihn mit dem französischen Wort "Kretin" (Aussprache: Kret äng ).

Gib Kretänx keine Schanx!

Re: Vorstodtpinkerl
18.12.2010 von Koschutnig

Nicht nur das!
Ein weiters wesentliches Kriterium:
"Er trifft sich gerne mit seinesgleichen auf Veranstaltungen wie dem Wiener Opernball ."

Und zum Kretin : = "Christ"!
Soll aber keine atheistische oder gar islamistische Beleidigung sein.
Die Schwachsinnigen im Wallis waren frz. crétin,entspricht ital. cretino < latein. christianus .
War schonend gemeint - besonders geschützte Wesen - angeblich!
Bei Immanuel Kant findet sich's dann zuerst deutsch.

Kretinismus als eine der Säulen des Abendlandes?

Re: Vorstodtpinkerl
01.01.2011 von Weibi

Also, was ich gar nicht nachvollziehen kann ist Kretinismus versus Kreativismus!

In Spanien wäre die übersetzung "Pijo". Ein/e Pijo/a wäre ein Mitglied der Bourgesie (also Leute wie aus Baden bei Wien, z.B. - hab ich gehört) die nasal reden und elegant gestikulieren und sich "gehobener" geben (als sie in Wirklichkeit sind) oder weil sie meinen, was Besseres zu sein. Weiss nicht, ob ich mich genau ausdrücke.

Jedenfalls, nach dem, was ihr (JoDo und Koschutnig) schon vorher erwähnt habt, wäre ein Vorstadtbinkerl jemand (im der Vorstadt wohnt wohl eher jemand aus der Arbeiterklasse - kenn mich in Wien nicht so genau aus, kann nur von Bcn reden), der sich für mehr ausgibt als er ist?

Feliz Año Nuevo!!!

Re: Vorstodtpinkerl
01.11.2012 von System1

Jemand im Gästebuch (Büchl) - einem ungünstigen Ort zum nachfragen - erkundigt sich:
"vorstodtpinkerl [ Eingetragen am 2010-11-28 ]
Habe es Heute in der ORF2 gehört. Was heist es?"

Ähem. Nix Genaues weiß ich nicht, aber ich vermute folgendes:

Ein eher verwöhntes Geschöpf (B/Pinkerl) aus einem die Innenstadt umgebenden Bezirke (Vorstadt) Mariahilf, Neubau, Josefstadt, Alsergrund, vielleicht auch noch weiter draußen - Hietzing, Währing, Döbling (das ist aber nimmer Vorstadt).



Vorstodtpinkel ist abwertend herabsehend getätigt.
Der Täter ist ein feiner Pinkel (= Snob)
Dh: der feine Pinkel meint zu einem Menschen, von dem er denkt, er wäre niedriger Qualität als er: er wäre a (= ein) Vorstodtpinkel.

Vorstadtbezirke: z.B. Floridsdorf, Donaustadt, Simmering.

Unter Vorstadt sind Außenrandbezirke, bzw jene in denen es keine bekannten Sehenswürdigkeiten bzw touristische Attraktionen gibt, gemeint.
Döbling, Währing und Hietzing sind zwar etwas von der Innenstadt entfernt, aber Nobelbezirke. Hietzing: Schloß Schönbrunn, Währing: Großgartenanlagen, alte Villen, Döbling: Kahlenberg, Heurigen,... .
Mariahilf, Josefstadt, Alsergrund grenzen an die Innenstadt. Leopoldstadt grenzt zwar auch an die innere Stadt, dort befindet sich aber der Wurstelprater (= Kirmes) wo angenommen wird, dass sich dort zweilichtige Gestalten aufhalten. Mit Wurstelprater ist der wiener Prater gemeint, im wienerischen aber heißt er Wurstelprater, damit man ihm vom Prater als Natur und Hauptallee (Rotlichtviertel) unterscheiden kann.

Wurstel bedeutet Kasperl.

Binkerl: Paket

Aber Pinkel und Binkerl haben nichts gemeinsames.


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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

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Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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