Thema: Richtungsangabe "wista"

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Richtungsangabe "wista"
16.09.2008 von albertusmagnus

Richtungsangabe "wista"
16.09.2008 von albertusmagnus

Zumindestens im Mürztal gibt es zur Pferdefuhrwerklenkung die Zurufe "wista (?)" und "(?)" für links und rechts. Habe das einmal gehört, soll angeblich illyrische! Wurzeln haben. Wie lautet die zweite Richtungsbezeichnung, was ist die Herkunft und welcher Ausdruck steht für welche Richtung?

Im Murztal (at) heisst die fehlende Interjektion ev. 'hott'
16.09.2008 von System1

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Zumindestens im Mürztal gibt es zur Pferdefuhrwerklenkung die Zurufe "wista (?)" und "(?)" für links und rechts ...

Im Murztal (at) heisst die fehlende Interjektion wahrscheinlich 'hott'.


DIALEKTE

Wien (at):
hott! = nach rechts!
hü! = nach links!

Allgäu und Donau (de):
wist! = nach links!

Schwaben (de):
wischt! wist! wüscht! wüst! = nach links!

Bayern (de):
hü!= marsch!
hüa! = marsch!
hüst! = nach links!
hist! = nach links!
hott! = nach rechts!
brrrr! = halt!

Südbadisch (de):
hott! = nach rechts!
hüst! = nach links!
öha! = halt!

Bern (ch):
hüscht! nach links!
hott! nach rechts!
hottè = auf der rechten Strassenseite gehen

STANDARDDEUTSCH (ch):
hüst und hott = mal so, mal so
ein Hüst und Hott = ein Hinundher
eine Hüst-und-hott-Politik

(Mehr bei Grimm)

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Re: Richtungsangabe "wista"
16.09.2008 von albertusmagnus

Auch in der Steiermark sind "Hü" und "Hott" gebräuchlich, allerdings in der Funktion "Marsch" und "Stopp", keinesfalls als Richtungsangaben, "Brrr" dient eher der Beruhigung des Pferdes denn als Stoppsignal...

Immerhin danke ich für den Hinweis, daß es im Allgäu und an der Donau "wist" für links gibt, wie heißt aber die Gegenrichtung? Und woher stammt der Ausdruck? Brrr, Hü und Hott dürften lautmalerischen Ursprungs sein, was ich bei "wist, wista" nicht vermute.

Re: Richtungsangabe "wista"
27.11.2009 von Koschutnig

"Wista!" = links, "tiwa!" = rechts.
http://www.vulkanland.at/de/steirisches-vulkanland...

(Wenn's Googeln nix bringt, versuch's mit Yahooen usw.)
Aber keine Antwort gibt's aufs Woher?

LG
K.

P.S.:
Verzeih, o Steirer, dass ich, angeregt durch dein "Wista", als Kärntner im steirischen Pferdevokabular gewildert hab und dann mit reicher (Aus-)Beute ins OSTARRICHI bin. Da gäb's übrigens noch Etliches zu holen.
K

Re: Richtungsangabe "wista"
27.11.2009 von albertusmagnus

Werter Koschutnig,

ich danke, daß ich endlich das Pendent weiß. Beim googeln habe ich lediglich eine Reiterpension Wista gefunden, die vermutlich den Namen daher hat.

Daß der Ausdruck aus dem Illyrischen kommt, dessen bin ich mir relativ sicher, das ist mir mitsammen dem Wort in Erinnerung geblieben. Kennengelernt habe ich das Wort vor ca. 40 Jahren in Kindberg von meinem Zeichenprofessor, der sich intensiv mit der Vergangenheit des Mürztals beschäftigt hat. Er machte mich auch auf den "Schoit(e)l" aufmerksam und lieferte mir den literarischen Hinweis auf Peter Rosegger.

Auf weitere spannende Einträge und Erklärungen zu mir unbekannten Wörtern freue ich mich schon

albertus

Re: Richtungsangabe "wista"
28.11.2009 von Koschutnig

Ich hab weiter gestöbert:
In meinem "Althochdeutschen Lesebuch" von Wilhelm Braune (Tübingen 1958) finde ich
"winistar (Adjektiv) - links; latein. sinister"

Auffällig ist die Ähnlichkeit von winistar mit latein. sinister ("links"), aber völlig unerfindlich wieso, da ja zwischen w und s keinerlei lautliche Verbindung besteht.

Die Sprachforscher des 19. Jh. (Schmeller, Lexer Schöpf...) haben angenommen, dass "wista" von diesem "winistar" herkommt.

Wenn du auf http://tinyurl.com/yav686u gehst, kommst du zu zahlreichen Belegen (vor allem aus dem 19. Jh.) für "wista" - aus dem Rheinland, dem Vogtland, aus Franken, ehem. Deutsch-Westböhmen, Bayr. Wald, Tirol, Kärnten.

Aber verwendet wird/wurde "wista" auch in Nord-Russland, Galizien, Ost- und Südpolen , und die Deutschen haben viel von den Slawen gelernt, was den Umgang mit dem Pferd als Arbeitstier anlangte. Aber Illyrer sind das alle nicht.

"Illyrisch" war allerdings so um 1800 der Phantasiename für eine südslawische Einheitssprache - Napoleon nannte Krain und Dalmatien seine " Illyrischen Provinzen" (Hauptstadt "Laybach"); das "Königreich Illyrien" gab's auch noch in Österreich bis 1848 - und das noch überwiegend "windische" Kärnten gehörte dazu.
Könnt' dein Zeichenprofessor evtl. in alten Quellen bei "wista" als Herkunft "Illyrisch" gefunden haben, wenn es sich um (Alpen)Slawisch gehandelt hat?
Heutzutage wissen wir natürlich, dass es zwei völlig verschiedene indogermanische Sprachgruppen waren, aber nicht allgemein bekannt ist, dass man vor 200 Jahren anderes glaubte. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Illyrismus

Leider gar nicht aufzutreiben ist allerdings für "tiwa". Schad!
LG
K.


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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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