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armer Schlucker



armer Kerl


Wortart: Wendung
Referenz: 0
Besser: 0
Kategorie: Veraltet, Historisch
Erstellt von: JoDo
Erstellt am: 06.04.2007
Bekanntheit: 44%  
Bewertungen: 5 6

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Kommentare (7)


Dieses Wortspiel ist auf den Allander Waldamts Baumeister Philipp Schlucker (1748-1820) zurückzuführen
Dieser baute – nach einer öffentlichen Ausschreibung – in der Regierungszeit von Kaiserin Maria Theresia und Joseph II. (um das Jahr 1781) die 22 Kilometer lange Mauer um den Lainzer Tiergarten zu einem so niedrigen Preis, dass er dabei Bankrott ging und er den heute noch volkstümlichen Spitznamen Armer Schlucker erhielt. Nach der Überlieferung war die Kaiserin sehr zufrieden mit seiner Arbeit und bedachte ihn deshalb – und wohl auch aus Mitleid – mit dem Privileg, eine Gastwirtschaft zu betreiben. http://de.wikipedia.org/wiki/Armer_Schlucker
JoDo 06.04.2007


Wahrheit oder Legende?
Der Schlucker soll zum Schluß selbst die Mauer fertiggebaut haben und die Leute, die ihn dabei im vorübergehen gesehen haben, einen "armen Schlucker" genannt haben.
ChrisB 16.08.2008


Kategorie...
Historisch: ja; veraltet: NEIN!!
ChrisB 16.08.2008


Ich erbaue mich
immer der schönen (und gut recherchierten) Geschicht'ln, die du deinen Eintragungen hinzuzufügen pflegst. Man lernt immer wieder mal was über österr. Geschichte, Anekdoten ... und wie und warum man was sagt. Bitte weiter so, JoDo.
Eine arme Schluckerin.
PS: Wurde das Gasthaus dann "Zum armen Schlucker" genannt? :)
Weibi 16.08.2008


@Weibi
Danke für die Blumen. Tja, die Sprache lebt und so wie ständig neue Worte geboren werden, sterben sie auch aus. Vor Allem die österreichischen! (Herzlich Dank an alle deutschen Kabel- und Sat-Sender!)
Vielleicht kann man hier ein bisserl dazu beitragen, daß nicht alles verlorengeht von dem, was wir in unserer Kindheit und unsere Eltern und Großeltern so den lieben langen Tag gesagt haben.

Ich habe gehört, auf einer INet-Seite soll man österreichische Wörter adoptieren können. Voraussetzung: man muß sich verpflichten, diese so oft wie möglich zu verwenden. Erinnert mich schon ein wenig an Bradburys "Fahrenheit 451" (Bücher waren verboten und wurden verbrannt. Im Exil lebten die Ausgestoßenen, Verfolgen, die Bücher auswendig gelernt hatten, um diese mündlich an die nächste Generation weiterzugeben.)

zu Schlucker: von dem Gasthaus hab ich erst selbst hier erfahren.
ChrisB 16.08.2008


... also, die Geschichte
mit dem Gasthaus "Zum armen Schlucker", so reizend die klingt, die kann ich leider nicht bestätigen, in einer Quelle habe ich folgendes gefunden, das klingt dann wieder ein bisserl anders:
Nach Vollendung des Baues wurde Schlucker die Stelle eines „Waldamtsbaumeisters“ verliehen und Josef II schenkte ihm den Grundbesitz, der zum seinerzeitigen „Bergwirtshaus in Alland“ gehörte. Schlucker lebte von 1748 bis 1820. Über Auftrag des Kaisers wurden von ihm und seiner Gattin Ölgemälde angefertigt, die sich im Besitz der Forstverwaltung befinden.

Eine Erfolgsgeschichte also. Das Sprichwort vom „Armen Schlucker“ reflektiert damit nicht die tatsächlichen Gegebenheiten, sondern vielmehr die Erwartungen der enttäuschten Konkurrenten Schluckers.

http://www.a1133.at/index.php?menu=geschichte&inc=fakten/tiergartenmauer/tiergartenmauer

Noch etwas für Wanderfreunde:
Wanderwege "Rund-um-Wien"
... der lange, aber wunderschöne Marsch, der zum größten Teil am Lainzer Tiergarten verläuft. ...
http://www.wien.gv.at/wald/wandern/s10-a3.htm
JoDo 16.08.2008


typisch deutsch?
Die Bezugnahme auf ´Hans Sachs´ ist durchaus korrekt.
"Die Redensart vom armen Schlucker beschreibt einen bemitleidenswerten Menschen, der so arm ist, dass er sich nicht jeden Tag ein warmes Essen leisten kann oder der aus Not gezwungen ist, alles zu essen und zu trinken, was man ihm vorsetzt und dabei auch noch schlechte Behandlung erdulden muss Im Laufe der Jahrhundert hat sich die Bedeutung gewandelt. Im 15. Jahrhundert bezeichnete man als Schlucker einen Schlemmer, der sein Gut verprasste. Der arme Schlucker taucht erstmals bei Hans Sachs (1553) in einem Narrenspiel auf. Damals war damit aber nicht der arme Mensch, sondern verächtlich scheltend ein Schmarotzer gemeint. Später änderte sich der Sinn der Redensart erneut in den heute noch geläufigen Sinne des armen, bedürftigen (auch geistig) Menschen.
Quelle: Lutz Röhrich/ Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Herder-Verlag, Freiburg."
Na - dann sag´ ich halt, dass wir in Ö einen EIGENEN ´Armen Schlucker´ haben.
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/9/9b/Schluckerdenkmal.JPG
JoDo 04.10.2011





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