g'raten, jetzt hat's mir : jetzt habe ich Glück gehabt


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g'raten, jetzt hat's mir

[ grodn ]
jetzt habe ich Glück gehabt


Art des Wortes: Phrase

Kategorien: Veraltet, Historisch

Erstellt von: klaser am Oct.2015

Links: Österreichisches Wörterbuch : g'raten, jetzt hat's mir V W

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Bekanntheit

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Heute gehört in "Gottes Engel sind überall", Film Ö 1948. Auch gefunden in:
Arete. Wie abgeschmackt der Schnitt der Kleider.
Simplizius (aufbrausend). Das ist nicht wahr, ich bin – (faßt sich und sagt gelassen) nur weiter.
Arete. Nun hättest du dich bald verraten.
Simplizius. Ja, meiner Seel', jetzt hat's mir g'raten.
Quelle: Die unheilbringende Zauberkrone, Kapitel 3, Ferdinand Raimund

von klaser am Oct.2015

 
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Ich bezweifle, dass mit diesem „geraten“ wirklich „Glück haben" gemeint ist, wie's zunächst ausschaun mag; eher ist’s wohl „reichen", „genug haben", siehe die Verwendung bei Hofmannsthal (und vielleicht entfernter auch bei Nestroy):

Jeronim: Mit solchen Reden ihrer vermaledeiten, satanischen Zungen [....] die Raben müssen ihnen die Zungen aus dem Maul hacken.
Anton: Jetzt hats g'raten! Jetzt zeig, dass du weißt, wo der Bartel den Most holt!
Quelle: Hugo von Hofmannsthal, Der Turm (1928)
Ledig:Er ist fuchtig und grimmig aufbracht, Hätt' ich g'schaut, wo der Zimmermann hat 's Loch g'macht. ...
Falk: Ängsten hat er wie ein Schneider usw.
Ledig: Mir kann's g'raten, all's ausz'baden
’s Schicksal sagt zu mir mit Hohn
Ja … hat ihn, hat ihn schon
Quelle: Nestroy, Unverhofft (1845)
Aber auch im Raimund-Beispiel, wo der Schneider Simplicius Zitternadel gekränkt wird, bezieht er sich wohl auf seine Empörung darüber, dass nicht nur sein Mut und seine Gestalt, sondern nun sogar seine berufliche Kunstfertigkeit beleidigt wird:
Arete. Damit du mich aber auch verstehst, so will ich dir sagen, wofür ich dich halte; Du bist ein unverschämter, erbärmlicher Mensch, [...] mutige Männer werden geliebt, mutlose verachtet man.
Simplizius: Da g'hört ein Stoiker dazu, um das zu ertragen. Lebe wohl, du wirst zu spät erfahren, wen du beleidigt hast. [...]
Arete: Dein Äußres ist mir schon zuwider.
Simplizius. Das schlägt mein Innres sehr danieder.
Arete: So hässlich ist kein Mann hienieden.
Simplizius: Die Gusto sind zum Glück verschieden.
Arete:Wie abgeschmackt der Schnitt der Kleider.
Simplizius (aufbrausend): Das ist nicht wahr, ich bin – (fasst sich und sagt gelassen) nur weiter.
Arete: Nun hättest du dich bald verraten.
Simplizius: Ja, meiner Seel', jetzt hat's mir g'raten.
Arete: Du musst mir sagen, wer du bist.
Simplizius: Ich bin ein Held, wie's keiner ist.
Quelle: Raimund, Die unheilbringende Zauberkrone (1829), 29. Szene
"genug, es reicht" steckt auch im "Hat schon g'raten" eines NÖ Weihnachtsliedes von 1819:
Geh nur eilends, geh nur dann,
schau, wir sehma Bethlem schon,
jetzt wird seyn der Stall nit weit,
geh ma do schon lange Zeit!
Hat schon g'raten, ham's daraten,
Quelle: Schatz österreichischer Weihnachtslieder. Weihnachtslieder und Hirtenspiele aus Niederösterreich.
Verbund der Volksliedwerke Österreichs und Südtirols

von Koschutnig am Oct.2015

 


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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

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Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.