Ach JoDo, [ von Remigius am 2008-05-09 12:18:07 ]
müssen wir wirklich so oft streitend werden ?
Um deine erste Frage gleich vorweg zu beantworten:
Ja, wir in der Stadt Salzburg reden wirklich so.
Die Verwienerung der österreichischen Sprache ist zwar rasant zu Gange,
aber der Prozess ist bis jetzt noch lange nicht abgeschlossen,
so dass es immer noch ganz massive nicht-wienerische Sprachmerkmale gibt
in den westlichen Teilen Österreichs.
Dass wir uns nicht falsch verstehen:
Ich hätte nichts gegen eine vollständige Verwienerung,
denn mir ist das Wienerische sehr sympathisch,
aber wenn ich die Sprache in Salzburg korrekt wiedergeben möchte,
muss ich eben den nichwienerischen Elementen Rechnung tragen.
Das erfordert meine wissenschaftliche Redlichkeit.
Ich versuche das Problem einmal in seine Einzelteile zu zerlegen:
A) Zum Unterschied von dir haben wir auch das "normale" a im Programm,
so dass wir zwei a-Laute und zwei o-Laute benötigen.
B) Da sich das a mit dem Ringlein auf den meisten Tastaturen nicht findet,
ist die einfachste Lösung für uns à á ò ó.
Dabei ist es Konvention,
dass der Gravis den offenen und der Akut den geschlossenen Laut bezeichnet.
C) Diese Lösung hat den zusätzlichen Vorteil,
dass die betonte Silbe bzw. der betonte Buchstabe durch einen Akzent angezeigt wird.
D) Statt des j könnte ich natürlich auch ein i schreiben,
aber dann besteht die Gefahr,
dass jemand aus Unkenntnis die Betonung drauf legt,
oder die beiden Vokale getrennt spricht,
was bei einem j zum Glück nicht möglich ist.
Ich will es halt so idiotensicher wie möglich machen
und eindeutig nachvollziehbar auch für einen, der nur norddeutsche Verhältnisse kennt.
E) Über die Autobahnschilder weiß ich leider nicht Bescheid,
denn ich bin ein unverbesserlicher Bahnfahrer :-(
F) In deinem Wort "straädad" wird ein Norddeutscher, wenn er Pech hat,
das st so aussprechen wie bei der standarddeutschen Aussprache des Wortes "fest",
also ohne den sch-Laut und mit einem harten t.
Bei meiner Schreibweise schdr kann das alles nicht passieren.
G) In deinem Wort "straädad" wird ein Süddeutscher
das a automatisch wie sein schriftsprachliches "normales" a lesen,
statt des hellen a, das du haben möchtest.
H) Wenn man dein Wort "straädad" zum erstenmal sieht,
ist das ä nach dem a sehr auffällig und ungewohnt,
und man ist sehr stark versucht, die Betonung auf das ä zu legen.
Zumindest ist es mir beim ersten Anblick so ergangen.
Hättest du stattdessen "schdràädad" geschrieben,
wäre das alles nicht passiert :-)
Ich will dir meine Graphie nicht einreden,
aber du siehst:
Ich habe gewichtige Gründe dafür !