phonetische Betrachtungen [ von Remigius am 2008-04-20 23:52:26 ]
Das a mit dem Ringerl oben drauf fehlt auf meiner Tastatur und auf den meisten anderen auch.
Also verzichte ich darauf, denn es geht auch einfacher,
nämlich mit den auf jeder Tastatur erzeugbaren Buchstaben à á ò ó.
Dabei gibt es unter den Plaudergneißern Süddeutschlands und Österreichs und Italiens folgende Konvention:
à ist das überhelle à wie in schriftdeutsch "Schokolàde".
á ist das normale á, so wie ein Österreicher oder Süddeutscher das Wort "Wágen" artikuliert, wenn er laut aus der Zeitung liest.
ò ist das offene ò wie im englischen Wort "sòng" (="Lied") oder im österreichisch-bayrischen Mundartwort "sòng" (="sagen") oder im schriftdeutschen Wort "Wòlle".
ó ist das geschlossene ó wie in schriftdeutsch "Hóse".
Für westmittelbairische Lautverhältnisse und für Leute mit Schweinsohren, so wie mich, genügen diese vier a- und o-Laute. Sie genügen auch für die Stadt Salzburg. Selbstverständlich zuzüglich diverser Zwielaute. In Salzburg würde man z.B. "anbandeln" als "ào-bànddln" artikulieren.
Soweit das Grundgerüst, das, wie gesagt, Konvention ist.
Selbstverständlich gibt es jetzt noch diverse Sonderlaute für bestimmte Mundarten,
zum Beispiel das von JoDo zu Recht für die Wiener Mundart eingeforderte französische "en",
mit dem sich die Lautverbindung "an" in "anbandeln" für mich gerade noch hörbar von der Lautverbindung "ab" in "abbandeln" unterscheidet.
In diesen Fällen liegt es an den Repräsentanten der betreffenden Mundartregionen, für ihre Laute eine schriftliche Form zu finden. Es wäre jedoch sehr verwirrend, wenn dazu die schon von der Konvention besetzten Zeichen verwendet würden.
( è und é sind auch schon besetzt, habe ich hier nicht behandelt.)
Nun zum konkreten Fall:
Meine Aussage
"das was der cupido meint, ist das ó-bàndln mit geschlossenem ó (=anbandeln)"
bezieht sich, deutlich erkennbar, auf die west-mittelbairischen Lautverhältnisse.
Das liegt daran, weil ich den cupido willkürlich oder instinktiv dorthin verortet habe.
Genausogut könnte er aber z.B. auch ein Wiener sein.
In diesem Fall wäre der Kern meiner Aussage tatsächlich deplaziert,
weil nämlich der vorliegende Fall dann eben gerade KEIN lehrreiches Beispiel für die Wichtigkeit der Unterscheidung meiner ò und ó wäre.
Cupido, wo bist du ?