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Buchtel, Puchtel, Puchtl

die, -, -n
[ p- ]

Kienfackel


Wortart: Substantiv
Gebrauch: Dialekt
Tags: veraltet,Kärnten,Tirol,Salzburg
Erstellt von: Koschutnig
Erstellt am: 24.03.2014
Bekanntheit: 0%  
Bewertungen: 1 3

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Kommentare (3)


1. August 2014: Das Beispiel, das hier gestanden hatte, war wie so viele andere meiner Kommentare von fremder Hand gelöscht worden.
Was hier gestanden hatte, war:

«Es war im Februar 1845, da wanderten bald nach Mitternacht vier Heuzieher mit dem Schlittenzeug am Rücken, das aus starken, mit Strickgeflechten verbundenen Holzstäben besteht, mit Laternen und Buchteln (Kienfackeln) in den „Heugraben" hinauf.»
source: Franz Franzisci, "Ein Schneesturm auf der Jauken. Aus dem kärntischen Volksleben"

Koschutnig 24.03.2014


1.8.2014: Wenn der- oder diejenige seit seiner oder ihrer Entfernung des Beispiels inzwischen begreift, wieso dieser Eintrag von "Buchtel" da herinsteht, dann hab ich ja wenigstens dies zur Weiterbildung unserer Nation beigetragen!

Ich biete allerdings noch ein weiteres Beispiel:
Von allen Seiten strömen, der Einladung des Signalschusses folgend, schaulustige Aelpler herbei. Hie und da leuchten „Buchteln“ als wegweisende Feuersäulen durch das Dunkel der Nacht.
source: Wiener Zeitung, Abendblatt (8.3.1855)
Den Wiener Lesern wird zwar nicht erklärt, worum es sich bei diesen "Buchteln" handelt, doch dass keine einzige der österr. Mehlspeisen sich als wegweisende Feuersäule eignet, darüber war man sich sicher einig.
Darf ich also auf einigen Applaus für den wahrscheinlich ungewöhnlich anmutenden Eintrag hoffen?
Koschutnig 01.08.2014


Nun, Applaus hat's bislang nur wenig gegeben, aber immerhin auch eine Negativbewertung, die ob ihrer Herkunft ja ebenfalls als Ehrung gelten darf.

Noch ein Beispiel also mit wienerisch-mittelbairischer Schreibung des bilabialen Verschlusslautes im Anlaut, nach der man durch das B Stimmhaftigkeit vermuten könnte, obwohl eine Lenis gemeint ist:
Männer und Frauen ziehen, mit brennenden „Buchteln“ (Kienfackeln) versehen, zu den Tashaufen auf den Anhöhen, regsame Hände schaffen trockenes Scheitholz aus dem Walde herbei und setzen mit den Buchteln diese Holzstöße in Brand.
source: Die Gartenlaube (1905)
("Tashaufen" ist eine Pleonasmus, etwa wie "Düsenjet")
Gefunden aber habe ich das Wort (so wie auch das dazu gehörende Verb puchtln) auch in anderer Schreibung, weshalb ich die Eintragszeile nun ergänzt habe:
Die puchtl heisst in Baiern nach Schmeller 1, 148 ein büschel von spänen der zur fackel dient. auch Lexer im Kärntischen wörterbuch s. 45 hat ’puchtl fem. im Möllthal puchl, in Unterkärnten wuchtl, fackel aus holzspänen; ebenso tirolisch
source: Karl Müllenhoff, Worterklärungen, ZS f. d. deutsche Altertum (1867)
Und da gibt's noch einen Zeitzeugen aus dem Lungau:
Puchtl = Licht
source: Franf Seitlinger, Der Lungauer Bergbauernbua. Erinnerungen (2014)

Koschutnig 01.06.2018





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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.
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