Bollette : amtliche Bescheinigung


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Bollẹtte

amtliche Bescheinigung


Art des Wortes: Substantiv

Kategorien: Amts- und Juristensprache, Veraltet, Historisch

Tags: historisch

Erstellt von: Koschutnig am 20.Nov.

Region: Klagenfurt(Stadt) (Kärnten)

Gebrauch: Österr. Standarddeutsch

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Links: Österreichisches Wörterbuch : Bollette V W

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Bekanntheit

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Die Bollette - nein, keine Berliner Boulette, sondern vom ital. „la bolletta“ (heute eine Rechnung), das wieder von ital. „bolla“ (= Siegel; Schein) zu lat. „bulla“ (Kapsel, Siegelkapsel, Siegel) kommt - war im Österreich des 19. Jh. ein regelmäßig anzutreffender Begriff.
Viel zu eng gefasst erklärt Duden die Bollette als österreichische Zoll-, und Steuerbescheinigung und lässt überdies den Hinweis „historisch“ oder „veraltet“ vermissen:
Bollette, die
Wortart: Substantiv, feminin
Gebrauch: österreichische Amtssprache
BEDEUTUNGSÜBERSICHT: Zoll-, Steuerbescheinigung
Quelle: Duden

Zwar stößt man auf die Bollette am häufigsten in den österr. Zoll- und Abgabenvorschriften, und in diesem Kontext findet man
Zoll-Bolletten, Esito-Bolletten, Einfuhr-Zahlungs-Bolletten, Losungs-Bolletten, Consumo-Bolletten, Ausfuhr-Anweisungsbolletten, Zahlungsbolletten, Freibolletten, Ersatz-Bolletten, Nebenbolletten, Duplikat-Bolletten,
daher wohl das Missverständnis von Duden,
aber es gab eben auch ganz andere Bolletten wie Reiseboletten, Abreis- Bolletten, Wegmaut-Valor-Bolleten, Erlaubnisboletten und Aufenthaltsbolletten (für Juden z.B.):
Juden haben die erhaltenen Aufenthalts-Bollette (Formular einer solchen erhaltenen Aufenthalts-Bollettesiehe Beilage A. ) immer einen Tag vor ihrer Abreise, oder Falls sie aus gegründeten Ursachen eine Aufenthaltsverlängerung ansuchen zu können glauben, einen Tag vor Verlöschung [...] in dem Meldzimmer, in dem sie die Bollette erhalten haben, um so gewisser zurückzulegen, als sie sonst bei Nichtabgebung dieser Erlaubnißboletten als unbefugt sich in Wien Aufhaltende angesehen ... werden
Quelle: Chrysostomus Fauller, Gesetze, Verordnungen und Vorschriften für die Polizei-Verwaltung im Kaiserthume Oesterreich (1828)

Und so erhielt man im Handel über die „Gränzen“ im 19. Jh. eine Bollette :
Wenn nach vollzogener Beschau die Menge, Gattung und Beschaffenheit der Waare mit der Erklärung übereinstimmend befunden worden ist, so berechnet das Amt die Zoll- und Nebengebühren und stellt die Bestätigung über das gehörig vollzogene Zollverfahren, die sogenannte Bollette aus. [...]
Die Waare wird einzig nur gegen Vorzeigung der Bollette ausgefolgt. Bei Esito - und Transito-Gütern muss die Bollette dem Fuhrmann oder Schiffer nebst dem Frachtbriefe übergeben werden, damit dieser sich allenthalben über die gehörig geschehene Verzollung ausweisen kann [...]
Ist man rücksichtlich der Beschau in Ordnung, so begibt man sich zurück ins große Amtszimmer, lässt die Bollette ausfertigen, [...], geht sodann mit der bezahlten Bollette zu dem Protokolle, [...] lässt die Bollette dort ausschreiben, bezahlt hierauf die Geschwornen- und Träger-Gebühr und nimmt die Waare nach Hause.
Quelle: Ditscheiner, Neuester und vollständigster Hand-Geschäfts-Nothhelfer, und Rechnungsfaullenzer (1843)

So wie „la bolletta“ im Italienischen dann zur Bedeutung „Rechnung“ oder „Schein, Polizze“ eingeengt wurde, erscheint die „Bollette“ auch in Österreich um 1900 als Rechnung:
Folgende Gebrechen in der Führung der Dienstschriften:
a) Wenn eine Bollette, Quittung oder amtliche Bescheinigung, für welche die juxtierte Ausfertigung vorgeschrieben ist, ausgestellt wird, ohne dass dieselbe früher vollständig in das Amtsbuch (die Juxta) eingetragen wurde ;
b) wenn eine Bollette, Quittung oder amtliche Bescheinigung ....
Quelle: Ignaz Lasus, Instructionen und Normalverordnungen für das Münz- und Punzirungswesen (1900)

von Koschutnig am 20.Nov.

 


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