Das passt sich nicht. : Das schickt sich nicht. Das gehört sich...


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Das passt sich nicht.

[ [das past zɪç nɪçt] ]
Das schickt sich nicht. Das gehört sich nicht.


Art des Wortes: Phrase

Kategorien: Zwischenmenschliches

Tags: umgangssprachlich österreichisch

Erstellt von: Standard am 30.Jun.


Links: Österreichisches Wörterbuch : Das passt sich nicht.

  


Änderungen (1)


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Die Wendung "Das passt sich nicht" mit dem reflexiven Verb "sich passen" ist offenbar österreichische Umgangssprache, nicht österr. Standarddeutsch. Wo findet man linguistische Angaben dazu, bitte?

Gemeindeutsch (= Standard in at, ch und de): Das schickt sich nicht. Das gehört sich nicht.

Das Verb kommt von "passieren" (frz. "passer"). Als urspr. Sinn ergibt sich so: "Das darf nicht passieren. Das geht nicht durch."
.
von Standard am 30.Jun.

 
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Nicht österreichisch, sondern (zumindest) bairisch,
s. Ludwig Thoma: "Es paßt si amal net für an Schtudierten, daß er bei de Knecht hockt oda gar a Freundschaft hat damit." ("Der Ruepp", 1921)
von Koschutnig am 02.Jul.

 
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"Sich passen, passlich, passend sein. Das passt sich nicht."
(Woerterbuch der Deutschen Sprache. Veranstaltet herausgegeben von Joachim Heinrich Campe. Erster [- funfter und lezter] Theil: L-bis-R, Band 3, S. 589; ohne Hinweis auf die Verbreitung.)

sich nicht passen (ugs.) = unpassend sein (gmd.)
Ev. entstanden aus "passt nicht" und reflexiv "gehört sich nicht".
.
von Standard am 15.Jul.

 
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Nun, 1797 lässt Hölderlin seinen Hyperion sagen: „Ein jeder treibt das Seine, wirst du sagen, und ich sag es auch. Nur muß er es mit ganzer Seele treiben, muß nicht jede Kraft in sich ersticken, wenn sie nicht gerade sich zu seinem Titel paßt,“ und Moses Mendelssohn sagt in seinem im "56. Brief, die neueste Litteratur betreffend":
Dieses ist das allgemeine Schicksal der Hypothesen! Sie passen sich selten ganz auf die Natur
Quelle: Moses Mendelssohn, Ges. Schriften (1844) Bd. 4, S. 568

Auf diese Zitate verweist Daniel Sander in seinem " Wörterbuch der deutschen Sprache", Bd.2 (Leipzig 1863), S. 505, der dort auch das reflexive Verb enthält -
passen […] 3) refl. (s. 4): Sich p. - p-d sein, näm. sich schicken, sich ziemen, z.B. Es will sich halt nicht p.
Quelle: Daniel Sander, Wörterbuch der deutschen Sprache, Bd.2 (Leipzig 1863), S. 505
. Neben dem Hyperion- und dem Mendelssohn-Zitat, die ja nicht dem "sich schicken" entsprechen, nennt Sanders noch einige andere Beispiele für die reflexive Verwendung von 'sich passen' , das im 19. Jh. möglicherweise wie sich ziemen, sich schicken, sich gehören eben auch rückbezüglich verbreitet war, worauf ja auch die Nennung ohne jede Qualifikation in anderen Sammlungen etwa aus Magdeburg, Regensburg und Gießen schließen lässt:
passen 1. Zw. […] 2) rückz. s i c h -, sich schicken passlich, geziemend sein (das passt sich nicht);
Quelle: K.W.L. Heyse, "Handwörterbuch der dt. Sprache" ( Magdeburg 1835 ff.) 2. Band, 1. Teil (1842). L – schwirren, S. 337
passen […] 7) sich schicken, geziemen, paßlich, passend sein: Das paßt sich nicht für dich.
Quelle: Johann Baptist Weyh, "Praktisches Handwörterbuch des deutschen Sprachgebrauchs", 2. Band. K - Z ( Regensburg 1851), S. 198
passen [...] 3) reflexiv (sich passen) : so sein wie eins zum andern sein muß.
Quelle: Friedrich Ludwig Karl Weigand, "Deutsches Wörterbuch", Zweiter Band. M-R (Gießen 1878)
. Keine Erwähnung davon war zunächst im Grimm'schen Wb. zu finden, dann jedoch zu allerletzt im langen "passen"-Eintrag:
III. reflexiv, zu I, 6:
dafür hat er (philosoph ) sich in ihren (der theologie) purpurrock gepaszt, der ihm auf dem nervichten leibe überall platzt. Lessing 11, 748;
so suche er sich ... einen fond dazu, der sich paszt. Hackert bei Göthe 37, 359.
das paszt sich nicht (schickt sich nicht) u. dergl.;
nd.
wen't sik passet, bei einer schicklichen gelegenheit. brem. wb. 3, 297.
Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm (1854-1961), Bd. 13, Sp. 1485,
Online-Version vom 16.07.2016


Das DUDEN-Stilwörterbuch ( "Grundlegend für gutes Deutsch") bezeichnet es nun als umgangssprachlich und landschaftlich:
passen: [...] p.3. (ugs; landsch.) 'sich p.' sich gehören: so ein Benehmen paßt sich nicht
Quelle: Der Große Duden, Bd. 2, Stilwörterbuch, 6. Aufl. 1971
In der vorangegangegen 5. Auflage von 1963 war 'sich passen' noch nicht qualifiziert, denn da lautete der Eintrag:
passen: 1) intrans.: [...] . 2) refl.: sich gehören: das paßt (schickt) sich nicht.
Quelle: Duden Stiwörterbuch der deutschen Sprache, 5. Auflage 1963

von Koschutnig am 15.Jul.

 
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Danke für die nachträgliche Belegkorrektur für "Sich passen, passlich, passend sein. Das passt sich nicht" mit der Nennung auch des Verfassernamens vom
Wörterbuch der deutschen Sprache
Quelle: Joachim Heinrich Campe, Wörterbuch der deutschen Sprache, 3. Teil. L - R, Braunschweig 1809
.
Dass der Verfasser das reflexive 'sich passen' schon 1809 mit † versieht, das ja in Wörterbüchern i. A. für "veraltet, nicht mehr gebräuchlich" steht, erstaunt bes. im Hinblick auf die Nennung in späteren Wörterbüchern - oder habe ich da etwas falsch interpretiert?
von Koschutnig am 16.Jul.

 


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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.