Ich bin gesessen/gestanden - Ich habe gesessen/gestanden

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Ich bin gesessen/gestanden - Ich habe gesessen/gestanden


Österreichisch :

Ich bin gesessen/gestanden

Deutsch :

Ich habe gesessen/gestanden

 
Eingereicht von :JoDo ( Region : Wien 18.,Währing)
Eingereicht am :2012-09-11 21:16:47
Verwendung :-
 
Kategorien : noch keine Kategorie




Kommentare
Während man in Deutschland [ von JoDo am 2012-09-11 21:18:49 ]
Tätigkeiten mit "sein" verzeitwortet, gilt dort für Untätigkeiten das "haben".
Lösung: In Österreich sind sitzen und stehen eindeutig Tätigkeiten.
In Ö steht "ich habe gesessen" für: "ich habe im Gefängnis eingesessen" und "ich habe gestanden" für: "Ich habe vor Gericht ein Geständnis abgelegt".
Die Frage der "Aktionsarten" betrifft nicht nur Österreich! [ von Koschutnig am 2012-09-12 11:25:03 ]
Die Linie der Perfektbildung mit "sein" oder "haben" bei bestimmten Verben trennt den ganzen Norden vom Süden des deutschen Sprachgebietes und die Trennlinie geht etwa durch die Mitte. Das ist also kein Unterschied zwischen "Österreichisch" und "Deutsch" und betrifft auch nicht nur das gesamte Bairische, das in unserer Vorstellung ja nicht so richtig "typisch deutsch" ist (Kreisky soll ja gesagt haben, er sei deshalb so gern in Bayern, da er dann einerseits nicht mehr in Österreich, andererseits aber noch nicht in Deutschland sei).

Zum Thema aus einer nicht ganz taufrischen Duden-Grammatik (1966):

Der Unterschied zwischen der Perfektumschreibung mit "haben" und der mit "sein" (im Aktiv)

haben
Die transitiven Verben bilden ihr Perfekt im Aktiv mit "haben":
Ich habe [den Wagen] gefahren. Er hat {den Schiller] gelobt
Die reflexiven Verben bilden ihr Perfekt ebenfells mit "haben", gleich, ob sie transitiv oder intransitiv sind.
Er hat sich geschämt. Ich habe mich beeilt. Du hast dich verletzt.
Diejenigen intransitiven Verben, die ein Geschehen in einem unvollendeten Verlauf, in seiner Dauer ausdrücken, bilden ihr Perfekt ebenfalls mit "haben“:
Wir haben gut geschlafcn. Die Rose hat nur sehr kurz geblüht.

sein
Diejenigen intransitiven Verben, die eine Zustands- oder Ortsveränderung, einen neuen, erreichten Stand bezeichnen, bilden ihr Perfekt mit "sein":
Die Rose ist verblüht. Er ist angekommen.

Schwankungen treten nur bei der Perfektumschreibuug der intransitiven Verben auf, und zwar deshalb, weil über die Zuordnung eines Verbs zu einer dieser beiden letzten Gruppen Unsicherheit besteht oder weil sich die Auffassung der Sprachgemeinschaft über die Zugehörigkeit zu einer dieser beiden Gruppen ändert.

Unsicherheit tritt. z. B. ein, wenn das Verb eine allmähliche Veränderung bezeichnet:
Nach dem Regen hat/ist es schnell wieder abgetrocknet. Es hat/ist schnell gealtert. Der Wein ist/hat gegoren.

Ein Beispiel für den Wechsel in der Auffassung der Sprachgemeinschaft ist der unterschiedliche Gebraueh von "haben“ und "sein" bei den Verben „sitzen, liegen, stehen“ im Norden und im Süden des deutschen Sprachgebietes.
Im Norden sagt man:
Ich habe gelegen, gestanden. Er hatte auf einem Krautfass gesessen (Th. Plivier).
Im Süden heißt es:
Ich bin gelegen, gestanden. Mit diesem Brief in der Hand war Georg lange … an seinem Schreibtisch gesessen {Kafka).

Die Konjugation mit "sein" ist in diesen Fällen die sprachgeschichtlich ältere, die mit "haben" die zur Zeit hochsprachliche.

Verschiedene Sehweise ist immer möglich bei den Verben der Bewegung tanzen, reiten, segeln, paddeln, fahren, fliegen, bummeln, flattem, rudern, treten u.a.

Sieht der Sprecher den Vorgang, die Dauer in der Bewegung, dann steht des Verb im Perfekt mit ,,haben":
Ich habe als junger Mensch viel getanzt. Er hat den ganzen Vormittag gepaddelt/ gesegelt.

Sieht der Sprecher dagegen eine Veränderung in der Bewegung, eine Ortsveränderung, dann steht das Verb im Perfekt mit ,,sein":
Das Mädchen ist aus der Stube getanzt. Ich bin über den See gepaddelt/gesegelt .

Der Gebrauch von "sein" nimmt bei den Bewegungsverben immer mehr zu, weil die Veränderung in der Bewegung, die Ortsveränderung stärker als die Dauer in der Bewegung empfunden wird und weil überhaupt die Neigung besteht, einige Bewegungsverben nur mit "sein" zu umschreiben, auch wenn keine Ortsveränderung ausgedrückt werden soll:
Wir sind den ganzen Tag geschwommen, geklettert, galoppiert u. a.,
statt: Wir haben den ganzen Tag geschwommen, geklettert, galoppiert u. a.

Diese Entwicklung hängt zum Teil mit Bedeutungsdifferenzierungen zusammen.
Bei "fahren“ und "fliegen" stellt sich bei der Perfektumschreibung mit "sein" die Nebenvorstellung ein, dass der Betreffende als Fahrgast gefahren ist bzw. als Fluggast geflogen ist.
Bei der Perfektumsehreibung mit "haben" stellt sich dagegen die Nebenvorstellung ein, dass der Betreffende als Fahrer bzw. als Pilot um Steuer gesessen hat.
Das Verb "bummeln" im Sinne von "langsam, ziellos spazierengehen" wird heute im Perfekt auch schon mit "sein" umschrieben, wenn keine Ortsveränderung empfunden wird. Dadurch wird eine Verwechslung mit "bummeln" im Sinne von "trödeln, langsam arbeiten" vermieden, das im Perfekt nur mit "haben" umschrieben wird. Das Perfekt von "gehen" und "reisen" wird heute nur mit "sein“ umschrieben. Auch bei "laufen" und "springen" besteht die Neigung, das Perfekt nur noch mit "sein" zu umschreiben.

Die Verben "sein“ und "bleiben“, die ausgesprochene Zustandsverben sind, d. h. die Dauer eines Verhaltens kennzeichnen, werden seltsamerweise nicht mit "haben“, sondern mit "sein" umschrieben:
Ich bin schon in Amerika gewesen. Wir sind in Berlin gewesen. Sie ist lange bei mir geblieben.

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Auch in der in der DDR erschienenen vorzüglichen zweibändigen „Kleinen Enzyklopädie. Die deutsche Sprache“ (VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1969-1970)wird das norddeutsche „haben“ als hochsprachlich bezeichnet: „Norddeutscher und süddeutscher Sprachgebrauch unterscheiden sich in der Auffassung der Zustandsverben. Norddeutsch (und hochsprachlich): man hat gelegen/gesessen/gestanden. Süddeutsch: man ist gelegen/gesessen/gestanden.“ ( Bd. 2, S. 847 f.)
Dazu wird der aus Würzburg stammende pazifistische Dichter Leonhard Fank zitiert: „Ja, also, wir warn halt droben in unserm Festungsgraben um unser Lagerfeuer herumgesessen“ (S. 848 f.)
Ich bin/habe gestanden [ von Koschutnig am 2012-09-12 11:53:26 ]
Einst habe ich eine Stuttgarterin, deren Mutter aus dem Norden stammt, darauf angesprochen.
Als "Oberdeutsche" sagte sie selbstverständlich: "Ich bin den ganzen Weg im Bus gestanden".
Auf die Frage, wie sie diesen Umstand ihrer Mutter berichten würde, antwortete sie nach einiger Überlegung offenbar recht überrascht:"Ja, da würde ich tatsächlich sagen: Ich habe ... gestanden."

Der im Süden eindeutige Bedeutungsunterschied zwischen dem Perfekt von "stehen" (gestanden sein) und dem von "gestehen" (gestanden haben) muss sich im Norden also erst aus dem Zusammenhang ergeben.
"Er hat gesessen" ist im Norden ebenfalls zweideutig;
im Süden ist hingegen ist "er ist gesessen" zweideutig, weshalb bedeutungsdifferenzierend die Vgh. mit "haben" (er håt g'sessn) ugs. für den Häfenaufenthalt immer häufiger verwendet wird. Auch die Wendung "Das hat g'sessen" ist ob ihrer differenzierenden Spezialbedeutung in unseren Sprachgebrauch aufgenommen worden.
Dann erkläre ich halt [ von JoDo am 2012-09-12 17:55:25 ]
Österreich zum Asylland für alle Sprachflüchtlinge, denen wehtut, dass "das norddeutsche „haben“ als hochsprachlich bezeichnet" wird.
In der Österreichischen Hochsprache.. [ von klaser am 2012-09-14 00:06:47 ]
heißt es NATÜRLICH (der Natur der Sache nach) ich bin gesessen etc.
[ von klaser am 2012-09-14 00:07:13 ]
Beurteilungen
2012-09-14 00:05:28(Wien 12.,Meidling): Qualität=2: Bekanntheit=100%
   
Ich bin gesessen/gestanden

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