Kopfstückel, Kopfstückl : Schlag mit der flachen Hand auf den... (umgangssprachlich)


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Kopfstückel, Kopfstückl

das, -s, -1
Schlag mit der flachen Hand auf den Hinterkopf als Erziehungsmittel


Art des Wortes: Substantiv

Kategorien: Zwischenmenschliches

Tags: umgangssprachlich

Erstellt von: Koschutnig am Apr.2012

Links: Österreichisches Wörterbuch : Kopfstückel, Kopfstückl V W

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Nicht gemeint damit
sind etwa kleine „Hauptstücke“ (DUDEN, der sonst kein "Kopfstück" kennt), auch kein Teil des Pferdehalfters ("Hochwertige Trense mit kombiniertem Reithalfter. - Feinstes, weiches englisches Leder - Klassisches Kopfstückl - Nähte in Lederfarbe- Beschläge aus poliertem Messing Absolut hochwertige Verarbeitung und beste Qualität" Kreuzgalopp.com -http://tinyurl.com/c78r6s2 ), auch keine Brustbilder („Zwei Wälsche Kopfstückel in runtten vergoldeten Rahmen auf Bargament“, wie zu lesen im 28. Band des "Anzeigers für Kunde der teutschen Vorzeit",hg. v.
Dt. Nationalmuseum Nürnberg) oder speziell eine Münze mit einem Brustbild ("Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände" von 1835, S. 297) oder gar Teile wie in „nimm den Fisch heraus, und lasse den Sud mit einem Kopfstückel gut einsieden“, (Linzer Kochbuch von 1818),
sondern jener zumeist, doch nicht notwendigerweise eher milde tadelnde Schlag mit der flachen Hand auf den Hinterkopf, mit dem Gibbs in der „Navy CIS“-TV-Serie hauptsächlich seinen Mitarbeiter Tony DiNozzo zu versehen pflegt.

Auch an der Olmützer Universität wird das Kopfstückel so definiert:
j-m ein Kopfstückel geben = j-m einen leichten Schlag auf den Hinterkopf geben.-
Für seine Frechheit gab ihm die Mutter ein Kopfstückel.
Quelle: Marta Zámečníková,
DAS ÖSTERREICHISCHE DEUTSCH IN DER PHRASEOLOGIE, S. 46


Was allerdings die physische Intensität anlangt, mag das Kopfstückel über den bloß leichten Schlag mitunter auch durchaus hinausgehen und muss auch, wie im 1. Verwendungsbeispiel zu sehen, nicht immer als Erziehungsmittel gedacht sein.

In Herzmanovsky-Orlandos „Gaulschreck im Rosennetz“ nämlich sammelt Herr von Eynhuf Milchzähne, um daraus ein Geschenk für den Kaiser anzufertigen:In Herzmanovsky-Orlandos „Gaulschreck im Rosennetz“ sammelt Herr von Eynhuf Milchzähne, um daraus ein Geschenk für den Kaiser anzufertigen:

Für Kaiser und Vaterland!« schrie er und gab dem Kind ein gewaltiges Kopfstückel.
Ein schriller Schrei antwortete ihm, entsetzt rang sich das blutende Kind von ihm los und spuckte schimmerndes Gold, die geweihte Perle und das Elfenbein der Unschuld.
Quelle: Texte der 45 literarischen Vortragsprogramme im Schloß Hetzendorf und in der Burg zu Perchtoldsdorf 1956–1999 von Ingrid und Gerhard Grau

von Koschutnig am Apr.2012

 
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Also kann man auch Kopfnuss dazu sagen (in D)
von Compy am Apr.2012

 
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Die Nuss
wird mit der Faust (Duden: "leichter Schlag mit den Fingerknöcheln gegen den Kopf") - daher das Bild der "Nuss" - abwärts gegeben, das Kopfstückel hingegen aufwärts und mit der flachen Hand. Durch die Fingerknöchel ist die Kopfnuss i.A. wohl auch beträchtlich schmerzhafter als das Kopfstückel, auch wenn Duden meint, es sei ein "leichter Schlag".
von Koschutnig am Apr.2012

 
+1
@Koschutnig - da hab ich wohl die flache Hand übersehen!
von Compy am Apr.2012

 
+3
Keine Erklärung finde ich  für die Verwendung dieses österr. Wortes - sogar mit der österr. Verkleinerungsnachsilbe -  durch eine Frau, die in der ehem. DDR sozialisiert wurde: 
* In Eveline Hebels Autobiograhie "Der ewige Flüchtling" ist das Kopfstück(el) jedenfalls offenbar schmerzhaft, wenn auch erzieherisch gemeint:
 Mutter hatte nicht so viel Geduld mit mir, bei ihr gab es öfters ein „Kopfstückel“ oder sie zog  an den Rattenschwänzen, worauf ich ein Geheul anstimmte»
Quelle: Eveline Hebel, "Der ewige Flüchtling", (BoD 2010, S. 46)


* Hingegen pädagogisch korrekter trotz strenger Erziehung der oö. Landeshauptmann zur Dollfußzeit, Dr. Joseph Schlegel:
Ab etwa 12 Jahren gibt es bei Kindern kein Kopfstückel mehr: „Jetzt ist es zu spät, das hätte man früher tun müssen."
Quelle: Lebensbilder zur Geschichte Oberösterreichs, Bd. 5, S 109

von Koschutnig am Aug.2014

 


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