Leitkauf, Leikauf, Leikaf : Angeld bei Kauf- u. Dienstverträgen...


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Leitkauf, Leikauf, Leikaf

der
[ `lai-kaf ]
Angeld bei Kauf- u. Dienstverträgen (Handgeld); Gelöbnistrunk


Art des Wortes: Substantiv

Kategorien: Arbeitswelt, Veraltet, Historisch

Erstellt von: Koschutnig am Oct.2008


Links: Österreichisches Wörterbuch : Leitkauf, Leikauf, Leikaf

  


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Neue Knechte und Mägde
wurden mit dem "Leikaf" verpflichtet
von Koschutnig am Oct.2008

 
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OHNE ein stummes -h- !
Hat nichts mit "leihen" zu tun und auch der "Leikauf" wär' richtiger der "Leitkauf", hat aber mit "de Leit" auch nichts zu tun. Es werden keine Leute gekauft!

Der L e i t ist/war ein Alk.-Getränk, ein Obstwein, älter als der Met, der beim Vertragsabschluss getrunken wurde. Wer ihn ausgeschenkt hat, war der L e i t g e b.

Aus dem "Gelöbnistrunk bei Vertragsabschluss" ist dann ein Angeld geworden - damit hat man sich dann den Alk selber (und in größerem Maß) besorgen können.
Laut DUDEN soll das Wort mundartlich aber noch als "Trunk zur Bestätigung eines Vertragsabschlusses" verwendet werden. WO???
von Koschutnig am Nov.2008

 
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In Samarein/OÖ
haben VS-Lehrerinnen vor 1950 Dialektausdrücke gesammelt, darunter auch den "Leikaf", der als "Trinkgeld, das bei einem Viehverkauf die Dirn bekommt (leit = berauschendes Getränk)" erklärt wird.

von Koschutnig am Jan.2012

 
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Leitkauf, Maskulinum:
zu Leit 'Obst-, Gewürzwein';
sprachlich oft unverstanden und daher in vielfältigen Schreibweisen, als Germanismus in einige slaw. Sprachen übernommen.


Danach folgen zahlreiche Beispiele für die versch. Rechtsbereiche und Bedeutungsvarianten im Laufe der Rechtsgeschichte:

* Die bei einem Vertragsabschluss zur Sicherung der Vertragserfüllung erbrachte, relativ geringwertige Leistung einer Partei;
* im Kaufrecht ursprünglich vom Käufer an den Verkäufer oder dessen Beispruchsberechtigte (Ehefrau, Kinder ua.) über den Kaufpreis hinaus geleistete Gabe in Geld (teilweise zum gemeinsamen Umtrunk bestimmt) oder Naturalien;
* der beim Vertragsabschluss von den Parteien und Zeugen vorgenommene Umtrunk,
* auch das Getränk selbst;
* eine Gabe an die Obrigkeit;
* im Zunftrecht einen Dienst- oder Lehrvertrag zwischen Meister und Gesellen oder Lehrjungen abschließen, (häufig in der Wendung 'einen Leitkauf machen');
* das Pflichtgeschenk des neuen Lehrjungen an die Meisterin;
* im Gesinde- und Hirtenrecht bei einem Werkvertrag;
* Verlobungsgeschenk des Bräutigams an die Braut;
* bei Besitzwechsel die entsprechende Abgabe;
* auch die Gabe an einen Beamten;
* Darangabe, Trinkgeld, Gratifikation;
* Gebühr des Unterkäufers bei der Geschäftsvermittlung;
* das Faßgeld, Abgabe;
* im Egerland das Festgelage nach Abschluss eines Ehevertrages;
* hiervon abgeleitet die Bezeichnung für den Ehevertrag;
* ein mit einem Leitkauf geschlossener Kauf selbst;
* der Handschlag "Kaufschlag" als Vertragsabschluss.
Quelle: Deutsches Rechtswörterbuch

.
von Koschutnig am Jan.2012

 
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Danke, Russi, dass du die Möglichkeit geschaffen hast, vollkommen widersinnig "verbannte" Einträge wie diesen wieder sichtbar zu machen! Doch weshalb ist dann trotzdem in der Wörterliste nicht drin?

Leider stellt sich die "Verbannung" zumeist nur durch einen Zufall heraus, wenn wie hier ein Zweiteintrag - Leikaf , "Trunk nach abgeschlossenem Handel" - an einen Ersteintrag erinnert, der dann aber infolge der Verbannung in OSTARRICHI nicht aufscheint und erst auf andere Weise gesucht werden muss.
von Koschutnig am 19.Oct.

 


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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

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