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Deutsch - Österreichisch : warten - beiten
| Österreichisch : | beiten | | Aussprache : | boatn (Pinzgau, N-Tirol), beidn (OÖ) | | Deutsch : | warten | | | | Eingereicht von : | SeppSD ( Region : Schärding) | | Eingereicht am : | 2011-12-05 23:45:38 | | Verwendung : | ugs | | | | | Kategorien : | noch keine Kategorie |
| Österreichisches Verzeichnis |
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| Kommentare |
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[ von SeppSD am 2011-12-05 23:48:28 ] Es gibt bei uns auch ein anderes Wort für "warten", aber erst als mir einmal ein "dtv-Atlas zur deutschen Sprache" in die Hände gefallen ist, habe ich erfahren, dass man es "beiten" schreibt. Jetzt habe ich geschaut, was es darüber im Internet gibt.
Pinzgau, Nordtirol:
Auf Seiten aus dem Pinzgau und dem benachbarten Teil Nordtirols findet man
boatn - warten,
http://www.pinzgauer-mundart.at/lexikon/wort/boatn/warten,
http://www.bairische-sprache.at/Index/Texte/Texte%20%28Kopien%20vom%20Netzoriginal%29/W%F7rterb%B3cher%20und%20Ausdr%B3cke/Mundartwoada%20aus%20St.%20Johann.htm,
http://www.tiroler-mundart.at/pages/woertabuach.php?wob_listing=w,
http://www.zillertaler-woerterbuch.com/w%C3%B6rterbuch/b/.
Süd-, Osttirol:
In Süd- und Osttirol habe ich gefunden:
beitn - leihen, borgen,
http://www.mundart-osttirol.net/,
http://www.sagen.at/texte/sagen/italien/meran/volksleben_wolf/woerterbuch.htm.
Das ist eine andere Bedeutung, aber ich habe es hier dazugenommen, weil es laut den Wörterbüchern eine andere Verwendung des gleichen Wortes ist, z.B. laut dem Kärntischen Wörterbuch:
peit'n, peitát, gipeitit.
1. warten, harren.
2. auf Bezahlung warten, zu warten, Credit geben.
3. borgen, leihen.
(http://books.google.at/books?id=D3IVAAAAYAAJ&vq=peit&hl=de&pg=PA19#v=snippet&q=peit&f=false)
Anmerkung: Diese Verwendung ("leihen, borgen") war ursprünglich im Eintrag berücksichtigt und es wird in den Kommentaren darauf Bezug genommen. Ich habe sie später herausgenommen.
Oberösterreich:
bei(d)n - warten,
Bezirk Schärding,
http://members.aon.at/stefan.leidinger/dialekt.html,
beidn = warten,
Bezirk Braunau,
http://www.munderfing.at/gemeindeamt/html/Heimatbuch1977-Sprache.pdf,
beitn, zuwarten, warten,
Bezirk Wels-Land,
http://www.schiedlberg.bvoe.at/Mundart/mundart.html.
Die Vergangenheit ist nicht angegeben, aber ich glaube, es ist, je nachdem wie stark man das "d" ausspricht, irgendwo zwischen "biedn" und "bie'n".
Laut DWB, siehe unten, kann man "jemandem beiten" oder "auf jemanden beiten". Inwieweit die Form mit dem Dativ noch verwendet wird, weiß ich aber nicht genau.
Auf der Pinzgauer Seite oben sind als Zusammensetzungen angegeben
åoboatn - abwarten, abpassen,
heaboatn - abwarten,
http://www.pinzgauer-mundart.at/lexikon/wort/boatn.
Es gibt auch
daboatn, dabeidn - erwarten.
Wörterbücher:
DWB: beiten,
http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?bookref=1,1403,43
Im Bayerischen Wörterbuch gibt es "baiten" und "beiten":
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00005026/image_166,
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00005026/image_168.
Beispiele kommen dann noch in einem eigenen Kommentar.
Beispiele [ von SeppSD am 2011-12-05 23:52:45 ] Zu den Beispielen ist zu sagen, dass man Beispiele für "boatn" leichter findet, weil da wenig andere Wörter "dazwischenfunken". Bei "beidn" oder "boadn" ist es schwieriger, weil es da ähnliche Wörter gibt, die häufig vorkommen.
Aufn Taxhof boatn auf Enk aber ah stimmig eingrichte Stübö ... Dou bist daoam in Pinzgau gestern und heint!
http://www.taxhof.at/Eichegehn-Findn-Woihfuehln.10.0.html?&L=2
oda mus ma do af di nagschta saison boatn?????
http://www.dark-shadow-pass.at/index.php?option=com_easybook&view=easybook&Itemid=62&limitstart=140
I hu ma denk, i ku boatn,
http://www.sagen.at/forum/showthread.php?t=507
joo jetz muas i e nu boatn bis ma da andi weng da numma schreib
http://classic.uboot.com/xkatharinax/board/profile/5/0
Eine Redewendung?:
es hoaßt jå, eher tuat ma si wås daboatn (er-warten), wia daspringa (er-laufen).
http://www.wer-weiss-was.de/theme197/article2806443.html
Mit Dativ und weichem "d" aus Saalfelden:
na de herta de duad ah nid imma muas ma ihr boadn.
classic.uboot.com/fuuqxsystem/blog/95.739.723
mi juckts in di Finga, kanns neama daboatn.
http://www.vs-untertauern.salzburg.at//html/Projekte/Undesbegabsich/szene4.htm
Wo sind die Fotos vom Musifest?!?!?!?! I kuhs neama daboatn...
http://547757.guestbook.onetwomax.de/?sn=3
Du weast es scho no daboaten!
http://mein.salzburg.com/fotoblog/heimat/2010/04/junges-grun.html
do muast nu a weng beidn.
http://www.overclockers.at/printable/off_topic/warum_so_damn_englisch_191373?perpage=88
Dort, wo s’ áf di grad beidn
http://www.dickschädlat.at/index.php?id=18
Beid a weng, ...
http://www.kollerschlag.at/pdf/gz082006.pdf
s'pfiatn ned dabeidn kina
http://www.dum.at/hefte/heft58.php?nav=aus
ned dabeidn (dawartn) kinna = ungeduldig
http://www.austriansoccerboard.at/index.php/topic/46108-da-dialekt-fred/
Das kann nicht nur 1 Wort sein! [ von Koschutnig am 2011-12-06 10:43:31 ] Bei bairischer Dialekt-Aussprache mit den versch. Stammvokalen
a) -ei/ai-
b) -oa/ā-
kann es sich, ganz abgesehen von den Bedeutungen, nicht um ein und dasselbe Wort handeln, auch wenn es in allen Fällen eine "offizielle" Schriftform mit "-ei-" ergäbe, denn
a) [-ei/ai-] entstand aus mhd. ī (vgl. 'mīn wīp' > 'mein Weib' in Dialekt und Hochsprache)
b) [-oa/ā-] entstand aus mhd. -ei- (vgl. 'stein'> Schtoan/Schtān, in Hochsprache aber ebenfalls -ei-: "Stein"). Mhd. existierten
tatsächlich sowohl ein schwaches Verb "b/peiten" ohne Objekt oder mit Genitivobjekt als auch ein starkes Verb p/bîten nebeneinander : "beiten" swV. ‘auf jmdn./etw. warten, jmdn./etw. erwarten; zögern’ zu "bîten" stV. (Ablautklasse Ia wie 'rîten, grîfen, strîten, slîfen ... - reiten,greifen, streiten, schleifen') mit praktisch der gleichen Bedeutung ‘verweilen, warten, zögern’, ohne Obj.,mit Genitiv- oder Dativ- oder Präpositional- oder Akkusativobjekt ‘auf jmdn./etw. warten, jmdn./etw. erwarten’ ; jmdm. Zeit für etw. geben, jmdm. eine Frist einräumen’
Außerdem aber gab es noch ein weiteres schwaches Verb "beiten", sowohl transitiv: ‘etw. in Zucht nehmen, disziplinieren’ als auch rückbezüglich: ‘sich mühen, sich quälen’
http://tinyurl.com/c7wx2vs
Die 'boatn/boadn'-Beispiele - "(er)warten" - entsprechen genau
der mittelhochdeutschen Verwendung von "peiten/beiten", etwa im Fasnachtspiel von 1414 "Der Tanawäschel": So hat manger der jar so vil
Das der tod nit lenger peiten wil oder in der spät-mhd./früh-nhd Schwanksammlung aus dem 15./16. Jh. des Neithart Fuchs („Neidhart und die Bauern“)
Der herczog wolt nit lenger peiten
Zuo dem tische was im gach
Der Neidhart liesz im gnuog bereiten (http://tinyurl.com/cc8pytp )
Schwieriger verständlich allerdings ist der Gebrauch des starken Verbs ahd. 'peitan > mhd. peiten, beiten' in einem "Spruch" (= weltliches Gedicht, kein Minnelied) Walthers v.d. Vogelweide von 1213; der Hg. hat entsprechende Mühe mit der Erklärung (http://tinyurl.com/cfzlwjr --S.154): Ir bischofe und ir edeln pfaffen sît verleitet.
seht wi iuch der bâbest mit des tievels stricken beitet
Saget ir uns das er sant Pêters slüzzel habe,
sô saget war umbe er sîne lêre von den buochen schabe.
(Ihr Bischöfe und ihr edlen Geistlichen, ihr seid verführt!
Seht, wie euch der Papst mit des Teufels Stricken umgarnt! Sagt ihr uns, dass er Sankt Peters Schlüssel innehabe, so sagt, warum er dessen Lehre von den
Hl. Büchern abschabt.) Die Verteilung des starken und des schwachen Verbs mit ähnlicher bis gleicher Bedeutung '(er)warten' war bereits im Mhd. regional, und das hat sich bis heute in den Dialekten (Aussprache oa : ai) erhalten. Noch keine Erklärung habe ich allerdings für die Bedeutung "borgen/leihen" außer, dass man lang auf die Rückgabe warten muss, wenn man was verliehen hat. Und anders herum hängen warten und leihen ja auch zusammen: Walther v.d. V. z.B. hat lange und geduldig warten müssen, bis ihm Friedrich II. endlich ein Lehen gegeben hat. Entzückt ruft er dann aus: "Ih han min Lehen, al die werlt, ih han min Lehen." - Jetzt bekommt man einen Kredit ja auch nicht mehr gar so flott... Beiten im Sinne von Harren/Warten [ von Weibi am 2011-12-08 12:46:18 ] wird offensichtlich auch in D verwendet - http://de.wiktionary.org/wiki/beiten.„Er spricht, er hab uwer lange genuch gebeitet". Gebr. Grimm: dieses uralten, starken worts gehn wir seit dem 17. 18 jh. verlustig und ersetzen es überall durch das ungefügere, oft doppelsinnige warten oder durch harren und verziehen; die oberdeutsche volkssprache bewahrt es noch heute, Luther kannte und gebrauchte es - http://woerterbuchnetz.de/DWB/?lemid=GB03350.
Im Sinne von borgen/leihen meine ich, es auch schon in Umgebung Innsbruck gehört zu haben. Zu "beiten" schreibt schon Adelung 1793 [ von Koschutnig am 2011-12-08 15:22:11 ] "ein im Hochdeutschen völlig veraltetes Wort, welches ehedem in allen Deutschen Mundarten üblich war, und warten bedeutete. [...] In Oberdeutschland, besonders in Baiern, ist sowohl dieses Zeitwort als auch das Hauptwort 'die Beite' oder 'Biete' noch gebräuchlich." (Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Bd 1. Leipzig 1793, S. 826-827.) http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0826
Und Wiktionary sagt: " veraltet (in einigen oberdeutschen Dialekten erhalten)" - die beiden "oberdeutschen" Großdialekte der dt. Sprache sind das Bairische und das Alemannische. Und wenn Wiktionary angibt: Präteritum: [ˈbaɪ̯tətə], Partizip II: [ɡəˈbaɪ̯tət], also "regelmäßige" Formen, dann ist das bei Grimm noch erwähnte "starke" Verb bîten (" dieses uralten, starken worts gehn wir seit dem 17. 18 jh. verlustig ") mit dem bereits mhd.daneben bestehenden "schwachen" Verb beiten zusammengefallen, und sie bringen zahlreiche Beispiele aus frühnhd. Zeit „ des meist schon in schwacher form erscheinenden worts. ( Jacob und Wilhelm Grimm, Dt. Wb., Bd. 1 (A–Biermolke), Leipzig (Herzel) 1854, Spalten 1404-1406, -- http://tinyurl.com/cfm63vn
)- s.a. aus dem 16. Jh.: http://tinyurl.com/bpjckbe
Dass schwache und starke Verben, die inhaltlichen Bezug haben, zusammenfallen und vermengt werden, ist ja öfter passiert, vgl. z.B. unser heutiges "brennen" aus 1) stark "brinnen/brann/gibrunnen" = in Flammen stehn und 2) schwach "brennen (aus 'branjan')/branta/gibrant" = anzünden. Auch heute hört man ja noch mundartlich "es br innt" und "es ist ver brunnen". Nicht erfüllt hat sich der Wunsch der Brüder Grimm: “Ein verbum, das so guten grund und so lange in der sprache gewaltet hat, auch unter einem großen theil des volkes fortlebt, könnte von den dichtern an rechter stelle leicht wieder eingeführt werden." (Spalte 1405 -- http://tinyurl.com/cga9w7q)
Noch immer getrennt aber werden starkes und schwaches bîten : beiten in den 2 bair. Aussprachen [boatn] : [paitn] Zum anderen "beiten" ( = borgen, leihen) ein vergessenes Sprichwort - [ von Koschutnig am 2011-12-08 17:25:32 ] "Lang beiten ist nicht queiten" = lange geborgt ist nicht geschenkt - findet sich bei
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Leipzig 1867, Bd 1. Sp. 305. http://www.zeno.org/Wander-1867/K/wander-1867-101-0306
Dort wird hinsichtlich des "uns seit dem 17. Jahrhundert im Hochdeutschen verlorengegangene Worts, das durch warten, harren, verziehen vertreten aber nicht ersetzt ist", auf Grimm, Dt.Wb. I Sp. 1403 verwiesen. http://www.zeno.org/Wander-1867/K/wander-1867-101-0306
Aus Kitz und Sieben-Schwäbisch: [ von Koschutnig am 2011-12-08 17:53:06 ] Zwischen Weingarten und Ravensburg begegneten die sieben Schwaben einem Juden ... hielten ihm den Spieß vor; und der Blitzschwab schrie: Zahle oder zable. Jener sagte: Bin ein armer Jud; hab nix bei mir, als wenig Lumpengeld; das ist nit für ehrliche Leut. Bygost! das sind wir, sagte der Allgäuer; aber beiten mußt du uns; und mach' nur nicht viel Umständ.- Na, sagte der Jud, ich beite nicht heute, muß sonst borgen auf morgen, und der Morgen schiebt's auf Uebermorgen (weiter geht's hier: http://tinyurl.com/cm9f6gx --
Ludwig Aurbacher, Ein Volksbüchlein, 1. Bd, Leipzig ca. 1878, S. 169-170 )
1808 schreibt ein Karl Prugger v. Pruggheim "Über die Volkssprache im Lehengerichte Kitzbühel" (im "Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol", Bd.3), und im mit an evtl. neuen Ostarrichi-Wörtern reichen "Idiotikon"
findet sich auch: "Peitn, borgen, wegen der Zahlung zuwarten http://tinyurl.com/blulr9p
Eintrag gekürzt [ von SeppSD am 2011-12-15 01:37:19 ] Danke für die interessanten Kommentare. Ich lese da jedenfalls heraus, dass die unterschiedlichen Aussprachen eine lange Tradition haben und keine davon "falsch" ist.
Ich habe die Bedeutung "leihen, borgen" aus dem Eintrag herausgenommen. Vielleicht will das jemand eintragen.
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2011-12-06 11:55:46(Klagenfurt(Stadt)): Qualität=0: Bekanntheit=-50% im städt. Raum nicht mehr bekannt 2011-12-07 21:50:56(Wien 18.,Währing): Qualität=2: Bekanntheit=0%
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