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sprachlicher Generationenwechsel.......

pisti 13.08.2008
mein Vater, der des Französischen nicht im Geringsten mächtig war, benutzte dennoch etliche französische Ausdrücke im Alltag:

wortsprachlich geschrieben: gouvernäu, lawua, trottoa....etc.

woher dies resultierte, entzieht sich meiner Logik (war doch unsere Wohngegend in der russischen Besatzungszone.....)

Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

Russi [Admin] 15.08.2008
Ich bin zu jung um das genau zu wissen, aber wenn ich meine Großeltern fragen würde, wären das für sie normale Wörter und sie würden nie auf die Idee kommen, dass diese Wörter etwas mit französisch zu tun haben

Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

Brezi 15.08.2008
Also eines kann ich zumindest beisteuern: als diese Wörter in der österreichischen Alltagssprache Einzug hielten, war von einem Zweiten Weltkrieg (und damit auch von einer sowjetischen Besatzungszone) nicht einmal noch die Rede. Französische Wörter sind im 19. Jh (und auch schon davor) zuhauf ins Deutsche (meist über die Bildungssprache) eingeflossen, ähnlich wie heute englische. Manche (wie 'lavoir') haben dabei einen erheblichen Bedeutungswandel mitgemacht: lavoir bedeutet im Frz. so viel wie 'öffentlicher Waschplatz/Waschraum' (also etwa wie bei uns das Tröpferlbad), die Waschschüssel heißt (wie auch im schweizerischen Dutsch) lavabo. Manche Wörter (wie 'perron') bürgerten sich ein, weil es für neue Begriffe noch kein deutsches Wort gab (vgl. engl. computer). Andere, wie Pläsier (von frz: plaisir, Vergnügen, ursprünglich ein Verb (vgl. lat. placere, 'gefallen'), ebenso 'Affäre', wurden aus bloßer Freude am Französischen übernommen (so wie heute z. B. vom Engl. checken, sound, feeling).

Zu Affäre: Das ist ein Beispiel ein Wort, das sich nach und nach in der Bedeutung von der deutschen Entsprechung (hier: 'Angelegenheit') entfernte und heute für etwas anderes steht. Ähnlich wie kids heute nicht mehr Kinder heißt, sondern etwa 'pubertierende Jugendliche', mit allen Spezifika und Problemen, die diese mit sich bringen. Andere Wörter wie fighten (dazu, schon sehr weithergeholt: gefightet (auf Englisch heißt das Perfekt fought) haben sich aus weniger gut nachvollziehbaren Gründen, selbst in die Sprache der Journalisten, eingeschlichen. Englische Verben machen dabei überhaupt oft Probleme, etwas der EDV-Ausdruck rename. Renamen kann man ja noch ohne Probleme schreiben. Für die Vergangenheitsform kann man sich noch zur Not mit der englischen Form behelfen: renamed. Aber was schreibe ich nach er/sie? Rename-t? Renamed? Renamt? Sieht alles reichlich blöd aus. Daher heißt es im offiziellen Microsoft-Deutsch heute konsequent umbenennen, wobei mir umnennen praktischer und leichter aus dem Mund fließend vorkäme.

Übrigens ist auch die Verb-Endung -ieren übers Französische zu uns gekommen, obwohl die entsprechenden französischen Verben oft gar nicht so enden. Beispiel: komponieren, französisch composer. Das erklärt aber, warum man noch zu Mozarts Zeiten diese Endung ohne -e- schrieb: componiren, componirt.

So wie bei uns für das Französische, feierte in der Vorzeit bei den Russen das Deutsche fröhliche Urständ: Zifferblatt, Maßstab, Butterbrot (=Sandwich), Kurort, oder Platzkarte sind noch heute (lautlich und orthografisch nur wenig abgewandelt) die geläufigen Wörter für die jeweiligen Begriffe. Und auch diese Begriffe gab es in Russland lange vor dem Ersten Weltkrieg. Die beiden Kriege, in denen Deutschland bzw. Österreich ja auf der Gegenseite kämpften, hätten diese Fremdwörter bei den Russen eher unbeliebt machen müssen. Aber sie waren so in den Alltagsgebrauch übergegangen, dass das niemand ernsthaft in Erwägung zog.

Das gelte als Einführung. Für Genaueres möge sich bitte ein Fachmann / eine Fachfrau zu Wort melden.

Liebe Grüße!

Brezi

Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

Weibi 16.08.2008
War Französisch nicht auch über eine gewisse Zeitspanne hinweg Hofsprache?
Und weil höfische Sitten als „fein“ galten, bemühte sich das Bürgertum, sie weitgehend zu übernehmen, was auch auf die Sprache zutrifft?

War nur so ‚ne Idee.

lG, Weibi

Und welchen Dialekt sprach dein Vater? Ort? Land?

System 16.08.2008
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mein Vater, der des Französischen nicht im Geringsten mächtig war, benutzte dennoch etliche französische Ausdrücke im Alltag:

wortsprachlich geschrieben: gouvernäu, lawua, trottoa....etc.

woher dies resultierte, entzieht sich meiner Logik (war doch unsere Wohngegend in der russischen Besatzungszone.....)


Und welchen Dialekt sprach dein Vater? Ort? Land?

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Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

formica 30.06.2009
also meine großmutter hat diese wörter auch alle benutzt. dazu gibt's dann noch paraplü für Regenschirm (frz.: le parapluie) oder Négligé für ein Unterziehkleid...

Meines Wissens sind diese französischen Lehnwörter nicht über die gehobene Gesellschaftssprache nach AT gekommen, sondern über die Franzosenkriege und die Soldaten, die sehr wohl in Kontakt mit der "normalen" Bevölkerung gekommen sind, was man von der gehobenen Gesellschaft ja nicht behaupten kann. Napoleon ist ja bis Deutsch Wagram und somit ziemlich knapp vor Wien gekommen. Deutsch Wagram steht übrigens auch am Arch de Triomphe im Paris als gewonnene Schlacht drauf. Aus dieser Zeit kommt meines Wissens auch das Wort Pumpfineber für Totengräber (frz: pompe funèbre - für Leichenfeierlichkeit)

Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

Pegasus 18.07.2009
Als 1950iger Jahrgang kann ich dazu sagen: In meiner Kindheit gehörten alle diese Wörter auch im Dialekt zum Alltag. Wir benutzen das Trottoir um nicht überfahren zu werden, saßen im Fauteuil und benutzen zum Waschen ein Lavoir und schauten hinauf zum Plafond usw.
Ich habe nicht nur meine Mutter, sondern auch mehrere Lehrer gefragt, wieso "mir daham französisch reden". Die Antwort war immer die gleiche:
"Reiche österreichische Eltern engagierten um die Jahrhundertwende für ihre Kinder französische Gouvernanten. Die Kinder sollten die Sprache lernen. Und es bgann auch in ärmeren Familien als vornehm zu gelten, französische Wörter zu gebrauchen. Aus diesem Grund flossen sie in die Alltagssprache ein."
Auch ich habe diese Wörter wie selbstverständnlich gebraucht (und tue es manchmal heute noch)

lg Peagasus

Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

Castor 08.03.2010
Man sollte aber, wenn man solche eingebürgerten Ausdrücke kennt, diese nicht unbedingt im Herkunftsland verwenden. Unter einem Couvert (eingedeutscht: Kuvert) versteht man in Frankreich heute ein (Tisch)gedeck. Mitunter sind sie auch veraltet, denn ein Chauffeur ist eigentlich ein Heizer, auch wenn die Franzosen damit immer noch Berufsfahrer bezeichnen, und ein Friseur ein Haarkräusler, während ein Haarschneider ein Coiffeur ist.

Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

takacsbecs 09.04.2010
auch vor der Verwendung des Wortes "salopp" in Frankreich wird gewarnt

Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

nicolai 02.06.2011
Vermutlich dürfte auch die gutgemeinte Warnung an den französischen Touristen (und schon wieder was französisches....), er möge sich vorsehen, da sich auf Wiener Bahnhöfen "a ziemliche Bagasch" herumzutreiben pflege reichlich irritiertes Kopfschütteln von dessen Seite hervorrufen...

Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

Weibi 13.07.2011
Vermutlich dürfte auch die gutgemeinte Warnung an den französischen Touristen (und schon wieder was französisches....), er möge sich vorsehen, da sich auf Wiener Bahnhöfen "a ziemliche Bagasch" herumzutreiben pflege reichlich irritiertes Kopfschütteln von dessen Seite hervorrufen...


Oder vielleicht auch nicht - nicht jeder kann sich einen Samsonite-Koffer leisten, das müssen auch die Franzosen schon einsehen!
Hab mir auch sagen lassen, dass sie mit unserer Redewendung "Du bist ein Charmeur" ebenso nicht viel anfangen können. Sie kennen das Wort zwar (als ziemlich veraltet), aber irgendwie wird es grammatikalisch anders verwendet. Bin noch nicht draufgekommen, wie genau.

lG, Weibi

Re: sprachlicher Generationenwechsel.......

Koschutnig 01.08.2011
Nun, so würde das Wort im Deutschen wohl nicht verwendet:
charmeur de serpents: der Schlangenbeschwörer




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.