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Haben Sie's schon ausklamüsert?

Koschutnig 26.12.2012
Mit einigem Staunen las ich im STANDARD v. 20. 12. 12,
dass die Details des künftigen Verhältnisses zwischen der Raiffeisen-Zentralbank, ihren Töchtern und den Raiffeisen-Landesbanken derzeit "ausklamüsert und berechnet" werden.

Nachzulesen im Online-Standard, 19.12.: http://tinyurl.com/ce56f87


Ehe dies jemanden nun dazu bewegt, dieses "ausklamüsern" gar als leckeren Austriazismus einzutragen, sei gleich gesagt: Es ist ein Begriff aus absolut norddeutscher Umgangssprache für "aushecken; herausfinden" -
"mit maritimem Hintergrund" meint einer (http://www.wesselhoeft.net/Lexikon/A.htm),
"lateinischer Herkunft", sagt ein anderer ("Jens Mahrhold kennt den Ausdruck schon von seiner Mutter. Dass er aus dem Lateinischen kommt, war ihm neu." Dazu ein Video des NDR http://www.ndr.de/ndr2/media/da120.html )

Anerkennung, Frau Renate Graber, für einen weiteren Schritt in Richtung Verdeutschung unserer Sprache. Zielt ausgerechnet der österr. STANDARD ("derstandard.at") jetzt hin auf einen einheitlichen deutschen Standard ?

'ausklamüsern' ist ugs.

System 26.12.2012
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"Die Details werden derzeit ausklamüsert und berechnet, vor allem die Bewertung der Gesellschaften steht noch aus."
http://derstandard.at/1355460174936/RZB-nimmt-Beteiligungen-an-die-Kandare

Das Verb 'etwas ausklamüsern' (= etwas durch langes Nachdenken oder Probieren herausfinden) ist umgangssprachlich; es gehört weder zum österreichischen noch zum deutschländischen noch zum deutschschweizerischen Standarddeutsch.

In diesem seriösen Artikel gehört Umgangssprachliches nicht in die Zeitung. 'Der Standard' sollte ausschliesslich im österreichischen Standarddeutsch geschrieben werden.

Der 'Klamüser' (= Faulpelz) wurde von 'Camaldulenser' abgeleitet: Im Jahre 967 stiftete der Benediktiner Romuald im 'Valle Camaldoli' bei Arezzo (it) einen geistlichen Orden, der nach dem Tal benannt wurde.

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Re: 'ausklamüsern' ist ugs.

Koschutnig 29.12.2012
.Der 'Klamüser' (= Faulpelz) wurde von 'Camaldulenser' abgeleitet: Im Jahre 967 stiftete der Benediktiner Romuald im 'Valle Camaldoli' bei Arezzo (it) einen geistlichen Orden, der nach dem Tal benannt wurde. .

Zwar ist’s fürs Thema " ausklamüsern in einer österr. Zeitung " gänzlich irrelevant, doch wird das genannte Gründungsjahr 967 in Frage gestellt, wenn geschrieben steht, dass St. Romuald nach der Gründung oder Reformierung von beinah 100 einzelnen Klöstern und Einsiedeleien erst um 1012 im Bistum Arezzo eintraf, um auch dort eine Einsiedelei zu begründen. Da, so wird berichtet, sei er einem Grafen Maldolus begegnet, der ihm von einer Vision erzählt habe, in der weißgekleidete Mönche auf einer Leiter in den Himmel emporgestiegen seien. Das Feld, wo Maldolus diese Vision hatte, stiftete er dem Romuald, und darauf gehe als „Campus Maldoli“ die Eremitage und verkürzt zu Camaldoli die spätere Mönchskongregation zurück, die dann durch eine äußerst strenge Regel bekannt wurde. Ordensangehörige selbst setzen die Anfänge der Kongregation allerdings früher an, doch auch dabei variieren die Zeiten von 940 (so Paolo Giustiniani im frühen 16. Jh.) - bis 974 (so Archange Hastiville in seiner "Remualdina seu eremitica Camaldulens Ordinis historia" von 1631).

Das alles ist jedoch, wie gesagt, völlig irrelevant, denn das Wort ausklamüsern hat in seiner Verwendung mit dem Orden nichts gemeinsam und ist überdies nicht im Allerentferntesten österreichisches Sprachgut.

Dass aber ausgerechnet der Name dieses Ordens zum „Faulpelz“ verkommen sein soll, ist unbegreiflich, denn der Orden des Romuald galt einerseits als Spross der Benediktiner („bete und arbeite“) mit einer andererseits beinahe unfassbar asketischen Zucht, die den Sätzen folgt: "Sitze in deiner Zelle wie im Paradies, lass die Welt hinter dir und vergiss sie, deine Gedanken seien wie die eines guten Fischers, der die Fische beobachtet. Dein Weg ist in den Psalmen, verlasse ihn nie. Mach dein Sinnen völlig frei, sitze und warte und begnüge dich allein mit der Gnade Gottes wie das Küken, das nichts kostet oder isst als das, was ihm die Mutter bringt." –

Und wie könnte dann wohl der weitere Weg vom „Faulpelz“ zum Verb ausklamüsern mit der Bedeutung „ etwas durch langes Nachdenken oder Probieren herausfinden“ gewesen sein? Man bedenke, wie anstrengend doch das Denken ist und wie schwer es heute so vielen doch fällt!

Nichts zu danken; ich helfe auch so immer wieder gern.

System 02.01.2013
Nichts zu danken; ich helfe auch so immer wieder gern.




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

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Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

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Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.