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Welche Worte wollen wir?

JoDo 03.09.2007
Nicht nur in letzter Zeit, aber gerade neulich haben einige Einträge zu gehörigen Auseinandersetzungen geführt.

Was die - berechtigte, aber schwer zu beantwortende - Frage aufwirft: Welche Worte WOLLEN wir in ostarrichi haben, und welche nicht!

Ein Wort war AUSTRIA, ein anderes UND TSCHÜSS.

Na gut.

Die Frage, die so leicht nicht in Normen zu fassen sein scheit ist, WAS SIND "ÖSTERREICHISCHE WORTE"?

Man
1.) kann man so ein Wörterbuch verstehen als ein Auflistung tatsächlich und real in Österreich gesprochener Worte.

2.) kann man auch Worte akzeptieren, die In IRGENDEINER WEISE als typisch österreichisch gelten können, ohne aber im täglichen Gebrauch zu sein.

3.) kann man ganz pragmatisch alles zur Diskussion stellen und sagen: Schau ma amal, was die anderen sagen und so solls gut sein.

Ich kann mich selber erinnern, als ich z.B.: Abkürzungen eingetragen habe. Da kann man leicht sagen: Na, was kommt denn da noch alles. Natürlich kann nicht JEDE Abkürzung, die hier verwendet wird Anspruch erheben als österreichisches Wort durchgehen zu können. Andererseits gibt es hie und da Abkürzungen, die bei uns WAS heißen ...

Dann gibt es Worte, die an und für sich allgemeindeutsch sind, hier aber in besonderem Gebrauch stehen. Rein damit!

RUSSI himself zum Beispiel hat hier die einzelnen Bezirksnamen von Wien eingetragen, ein Unterfangen dem ich ausgesprochen ambivalent gegenüberstehe, ... da frage ich mich, ist zum Beispiel "Währing" ein österreichisches Wort? Da wären eine Menge anderer Einträge zwingend auch notwendig. "Krakautal" und "Hühnergerschrei" und ...

Dann gibt es Worte, die sind irgendwie "amtlich", aber nicht im alltäglichen Gebrauch.
Do samma.
Da wäre meine bescheidene Meinung: Ausprobieren.
Da fällt mir jetzt nur ein Bibelzitat ein:

Mt 13:30 Laßt es beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Leset zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine Scheune.

So könnten wir es doch auch halten:

1Th 5:21 prüfet aber alles, das Gute behaltet.

So. Und nun bitte ich Euch um Eure Meinung
VlG
JoDo

Hier meine Meinung

Russi [Admin] 03.09.2007
Ein sehr interessantes Thema und ich gebe hier natürlich gerne meine Meinung dazu.

Prinzipiell bin ich der Typ 3. Gibt es drei Moderatoren die der Meinung sind ein Eintrag ist kompletter Müll - drei Daumen runter und weg is.

Natürlich soll eine gewisse sinnvolle Idee hinter einem Eintrag stecken. Ich selbst frage mich immer:

-) Welche Wörter möchten Leute hier finden (abgesehen von Schimpfwörtern) ?
-) Ist dieses Wort für jemand der Österreich-spezifische Themen bearbeitet interessant?
-) Möchte ich selbst dieses Wort bewahrt haben?

Trifft etwas zu, trage ich es ein. Deshalb auch die Bezirke. Du hast natürlich recht, daß dies nicht unbedingt hier reinpasst. Allerdings finde ich in vielen Texten, Liedern und Diskussionen die Bezirke erwähnt. Dann gibt es sicher Leute die Fragen sich "Was bitte ist Favoriten?". Ähnlich bei Abkürzungen. Ich denke eine "BH" oder eine "HTL" ist durchaus interessant. Natürlich beschränke ich mich hier auf die (meiner Meinung nach) wichtigen Begriffe.

Ähnlich läuft die Sache bei den Bucheinträgen - drei Daumen hoch und die Sache ist (fast immer) erledigt. Eine Referenz in Duden oder einem österreichischem Wörterbuch oder einem halbwegs vernünftigem Druckwerk -> rein damit.

Mir ist bewußt (und habe es auch schon schmerzlich gespürt) das dies nicht jedermanns/fraus Sache ist. Offene Diskussionen und zu viele Freiheiten können auch harte und unangenehme Diskussionen auslösen. Damit kann ich (und ihr gehärteten Ostarrichier/innen hoffentlich auch) aber ganz gut umgehen.

Irgendwie ist das so ähnlich wie in einer Demokratie: dieses ganze herumpacktieren und kompromissieren ist teilweise nervig und man könnte aus der Haut fahren. Nach kurzem überlegen ist mir das aber weit lieber als strickte Vorgaben in anderen politischen Systemen (wo nicht lange diskutiert wird und der Weg schnell und klar vorgegeben ist).

Das waren meine 2 cent, natürlich nur meine persönliche Meinung. Stört mich etwas sehr, greife ich auf die ungeschriebene Verfassung von ostarrichi zurück und beende es

Gruss Russi

Der Titel hat was ...

Russi [Admin] 05.09.2007
... allerdings ist für diesen Titel dann wohl doch etwas zu wenig an Redewendungen und Besonderheiten vorhanden. Zumindest in der ersten Ausgabe. Der Titel wird aber auf alle Fälle vorgemerkt. Wie JoDo schon sagte , hat dieser Titel was besonderes, eigenes.

Übrigens war die Idee noch in diesem Jahr eine erste Version zu schaffen. Irgendwann muß man beginnen und es kann ja noch verbesserte weitere Auflagen geben.

Gruss Russi

Brezi 05.09.2007
I gfrei mi jo aso!

Da ist quasi nacht wieder die Konstruktivität bei uns eingekehrt. In derartigem Ausmaß, dass ich gar nichts hinzuzufügen habe als ein aus tiefstem Herzen kommendes JUCHUU!

Bitte endlich wieder weiter so! Danke!

Brezi[/b]

Re: Schmeichelt´s nicht zu viel

bessawissa 10.09.2007

ÜBRIGENS: Den Titel
"Buch der Redensarten und Umgangssprache in Österreich, verbunden mit einem Anteil an Wörterbucheinträgen und Wiener Besonderheiten sowie Besonderheiten des Landes Österreich und historischen Bedeutungen"
den find ich wunderschön, der hat so was barockes, was ich schon ziemlich mag.


Na, der Titel ist aber in dieser Form nicht Euer Ernst, oda? Wenn der Titel schon falsch ist, was soll sich dann ein Leser (Käufer?) über den Inhalt denken?

bessawissa 11.09.2007
Darf ich (noch einmal) die Sinnfrage stellen? Welchen Sinn hat das Buch? Meines Erachtens nicht den, um Fremden den Dialekt zu übersetzen, sondern um unserem Dialekts, unserer sprachlich-kulturellen Leistung, der ausgestorbenen und aussterbenden Worte Kränze zu flechten.

Denn sonst müßte man viel reinschreiben. Nicht jede sprachliche Schlamperkeit ist auch Dialekt denke ich, wenn auch im faktischen, so doch nicht im kulturellen Sinne.

Mein Kindertante hatte viel zu erzählen und wie bei vielen einfachen Menschen (und das meine ich nicht wertend, ich habe großen Respekt vor einfachen, unverdorbenen, geraden Menschen) schliff sich da bei der positiv gefärbten Wiedergabe der eigenen direkten Rede ein die erzählenden Sätze verbindendes "...sag ich..." ein.

Das klingt dann zum Beispiel in einer Schilderung einer heftigen Diskussion so:

"Heans, sog i zu eam, des kennens ned machen, sog i, denn wenn da a jeda kemmat, tät ma da liab ausschaun, sog i. "

Nun kann sich so etwas noch mehr einschleifen und zu "son i" werden, was für einen Nichteinheimischen unverständlich bleiben muß. Nun müßte man das sehr wohl erwähnen, um einem Fremden, einem Nichtösterreicher das Verständnis der volksnahen Sprache zu ermöglichen, aber eigentlich ist es doch nur eine schlampige Abnutzungserscheinung. Ist das dann trotzdem Teil unseres spezifischen Dialekts? Müßte so eine Spezialform eines bestimmten Zeitwortes wie hier im Beispiel bei uns dazu?

bessawissa 11.09.2007
Angesichts dieses eher wissenschaftlichen denn völkerverbindenen Aspekts stört es mich auch nicht, daß z. B. mein Wort "Brieskicker" noch keinen Zuspruch gefunden hat. Mein seliger Vater, Jahrgang 1907 und einer des legendären Vienna-Anhangs (Stichwort: "Wann hätten sas denn gerne?"), hat das Wort gebraucht, wenn er einen intelligenten Spieler, einen Spielmacher, einen der seltenen Spezies der Spieler mit Hirn, hervorheben wollte. Daß das Wort hier noch keine Anerkennung gefunden hat, beweist mir nur, daß es (fast) schon ausgestorben ist und gerade deshalb finde ich, daß es hierher gehört. Wenn aber so ein Wort nun keine Akzeptanz findet, wird es früher oder später rausfliegen, was aber kontraproduktiv für den wissenschaftlichen, kulturerhaltenden Zweck ist.

Der Brieskicker

Russi [Admin] 11.09.2007
hier kann ich leider nichts beitragen, da ich das Wort selbst nicht kenne. Allerdings machst du ja bereits Werbung für das Wort - ein guter Anfang. In diesem Fall vermisse ich natürlich noch deinen Daumen nach oben

Gruss Russi

bessawissa 12.09.2007
Für das eigene Wort gibt es keinen Daumen. So nicht und so nicht.

klaser 12.09.2007
So, wie es dem bessawissa mit dem Brieskicker geht, geht es mir mit dem Gspensterl - vom Vater gelernt, selbst verwendet, aber sonst kennt es niemand. Sehr schade. (In beiden Fällen.)




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.