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Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

System 01.04.2009
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Welche Gallizismen kommen nur im österreichischen Standarddeutsch vor – im deutschschweizerischen und im deutschländischen Standarddeutsch nicht?

Werden die folgenden Gallizismen (Fremdwörter und Lehnwörter) im österreichischen Standarddeutsch verwendet?

das Büffett = das Buffet

das Faschierte = das gehackte Fleisch
faschieren = durch den Fleischwolf drehen

die Fasson

das Jourgebäck = das Partygebäck
das Journal = die Bereitschaft
der Journaldienst = der Bereitschaftsdienst

die Krem = die Creme, die Crème

der Maturant = der Maturand (ch), der Abiturient (de)

die Melange = der Milchkaffee (FRA: la mélange = die Mischung)

das Parfäu = das Parfüm (de) = das Parfum (ch)

die Pension = die Rente
der Pensionist = der Rentner
pensionieren

das Portmonee = das Portemonnaie (ch), die Geldbörse (de), der Geldbeutel

das Pönale = die Konventionalstrafe (ch), die Strafzahlung (bei Zeitverzug) (FRA: la pénale = die Strafe)

der Kai = der Quai

die Risken = die Risiken

die Seison = die Saison

scharmant = charmant, reizend

die Sosse = die Sauce

zensurieren (auch ch) = zensieren, benoten


© bei mir


Mehr hier:
Ammon: Variantenwörterbuch des Deutschen, online)

http://www.ostarrichi.org/woerter liste-A.html kopieren

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Gallizismen im österreichischen Standarddeutsch – Dank eurer regen Mitarbeit ist die folgende bereinigte Liste entstanden:

das Büffet (at) (Aussprache: [bü'fe:]) = das Buffet (ch)

die Creme (at) = die Crème (ch) = die Krem (de)

das Faschierte (at) = das gehackte Fleisch
faschieren (at) = durch den Fleischwolf drehen
die Fasson (at)

das Jourgebäck (at) = das Partygebäck (ch)
der Journaldienst (at) = der Bereitschaftsdienst

der Maturant (at) = der Maturand (ch), der Abiturient (de)
die Melange (at) = der Milchkaffee mit Schaum

das Parfum (at) (Aussprache: Parfäu) = das Parfum (ch) (Aussprache: Parfüm oder Parfiñ) = das Parfüm (de)
die Pension (at, ch) = die Rente
der Pensionist (at) = der Rentner (ch, de)
pensionieren (at, ch) = in Rente gehen

der Kai (at) = der Quai (ch)

die Risken (at) = die Risiken (ch, de)

die Saison (at) (Aussprache: Säson) = die Saison (ch) (Aussprache: Sèsoñ)
die Soße, die Sauce (at) = die Sauce (ch)

zensurieren (at, ch) = zensieren, benoten (de)


© bei mir

Ich danke euch allen.

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Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

Koschutnig 02.04.2009
A:Abonnement – Adresse – Agent provocateur – Accessoire – Adjutant – Affäre – Affront – Akkord – akkreditieren – Alarm – Allee – Allüren – amüsieren – Anekdote – Annonce – annoncieren – Aperitif – Appartement – Après-Ski – apropos – Armee – Arrangement – arrangieren –Attaché – Attacke – Avancen – avancieren – Avantgarde

B Baguette – Bajonett – Balance – balancieren – Balkon – Ballade – Bandage – bandagieren – Bankett – Bankier – Barriere – Bassin – Bataillon –Béchamelsoße – Beletage – Bidet – bigott - Billard – Billett – Biskuit – Bistro – Biwak – biwakieren – blanchieren – Bombardement – Bonbon – Bonbonniere – Bonmot – Boucher – Bouclé – Bouillon – Boulevard – Bourgeoisie – Boutique – Branche – Brikett – brillant – brillieren – Brimborium – Brioche – brisant – Brisanz – Brocheur – Brouillon – brüskieren – Budget – budgetieren – Buffet – Bulletin – Büro

CCafé – Camembert – Chalet – Chambre Séparée – Champagner – Champignon – Can-Can – Chance – Chanson – Chansonnier – Charakter – Charge – Charme – Charmeur – Casino – Chauffeur – chauffieren – Chauvinist – chauvinistisch – Chef – chic – Chiffon – Chiffre – Clique – Clou – Cordon bleu – Coup – Coupé – Courage – Cousin – Cousine – Crème de la crème – Crème fraîche – Crêpe Suzette – Croissant – Croupier – Croûton

D Dame – Debakel – Debüt – dechiffrieren – Dekolleté – Dekoration – Delegation – delegieren – de luxe – Demontage – Departement – Depesche – Depot – Deserteur – desertieren – Desertion – Desillusion – desillusioniert – Dessert – Dessous – Detail – Digestif – Dilettant – dinieren – Diskretion – Distanz – Double – Doublé – Dragée – Drainage – Droge – drollig

E Eau de Cologne – Eau de Toilette – Eklat – eklatant – elegant – Emaille – emaillieren – Empire – en bloc – en gros – en detail – Enfant terrible – Engagement – engagieren – en masse Ensemble – Eskalation – eskalieren – Eskorte – eskortieren – etablieren – Etablissement – Etage – Etat – etepetete – Etikette – Expertise – Exposé – Exterieur

usw. usf.

Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

Weibi 06.04.2009
Parfäu? Häh?
Quesquesé?

Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

System 10.04.2009
Fast alle genannten Wörter kommen so auch in der österreichischen Schriftsprache vor. Im Einzelnen:

Man schreibt Parfum und spricht es (zumindest im Osten) so aus wie angegeben ('Parfumerie' lautet etwa wie 'Baffemerie').

'Seison' schreibt und spricht man (zumindest wo ich herkomme) nicht, sondern schreibt 'Saison' und spricht 'Säson' (ob 'Säson' nach der neuen Rechtschreibung ebenfalls zulässig ist, weiß ich auf die Schnelle nicht).

'scharmant' habe ich so geschrieben bei uns auch noch nicht gesehen. Immer nur 'charmant' und das ist gemeindeutsch (Aussprache in D und A "so wie man's schreibt").

'Krem' kenne ich in dieser Schreibung [u:jl0ksk15]eher[/u:jl0ksk15] aus Deutschland ('Eiskrem' bei uns einfach 'Eis' (in der Schweiz sviw 'Glace'), während man bei uns zumindest oft 'Creme' (ohne Accent grave) schreibt: die Cremeschnitte).

Büffett: mit zwei t zumindest schon lange nicht mehr gesehen. Mit einem t eventuell noch gebräuchlich. Gesprochen aber heute fast nur mehr [bü'fe:], scherzhaft auch ['bufεt], noch scherzhafter (und derb): das Buff (in Anlehnung an Puff).

Portmonee, Portemonnaie: für einen Ostösterreicher ein typisch deutschlanddeutscher Ausdruck. Hier sagt man 'Geldbörse(l)'.

Sosse schreibt man in Österreich natürlich mit ß, das es in der Schweiz ja nicht gibt. 'Soße' ist mindestens eben so verbreitet wie 'Sauce'. Hochdeutsch wird das End-e gesprochen, im Dialekt nicht[sup]1[/sup]. Das Wort wird in der derben Umgangssprache außerhalb des Küchenwortschatzes auch für eine unappetitliche Brühe verwendet: "Das Röhrl war undicht und die ganze Soß ist auf den Boden geronnen". Veraltet steht Soß' auch für "Litanei, Sermon" im übertragenen, pejorativen Sinn: "Er hat die ganze Soß' noch einmal von vorne erzählt". "Wir setzen für x jetzt die ganze Soß' von dort oben ein".

Journal für Bereitschaft habe ich noch nicht gehört, wohl aber Journaldienst. Das ist der gängige Ausdruck hier, vor allem steht er für Dienste, die von jemandem an Tagen versehen werden, an denen die restliche Belegschaft frei hat: "Die Huber macht über die Feiertage den Journaldienst".

Jourgebäck heißt bei uns ein "maßstäblich verkleinertes" Gebäck. Anderswo?

Melange ist in traditionellen Wiener Cafés eine Spezialform des Milchkaffees, nämlich einer mit einem "Obers-Hauberl". Der "nackerte" Milchkaffee ist ein kleiner oder großer Brauner (bitte evtl. die betreffenden Stichwörter hier nachschlagen). Man Schreibt 'Melange' in Österreich im Allgemeinen ohne Aigu (im Ggs zu 'Café').

Pension(ist), pensionieren: üblicher als die "Rentenwörter", diese sind aber auch geläufig.

Kai, Risken, Pönale: fast ausschließlich so üblich (Kai auch auf Straßenschildern: Franz-Josefs-Kai [Wien], Grieskai [Graz])

Faschiertes, faschieren, Journaldienst, Maturant: die fast ausschließlich gebrauchten Wörter für die jeweiligen Begriffe.

Risken: zumindest in der Fachsprache (etwa Versicherung) der einzige korrekte Ausdruck. In Deutschland kennt man wiederum den nicht; da heißt es immer 'Risiken'. "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Packungsbeilage oder zerknüllen Ihren Arzt oder Apotheker "

Meines Erachtens kommt aber Pönale direkt (und nicht übers Französische) vom Lateinischen: 'poena' = Strafe, 'poenalis/poenale' = Straf- (somit müsste es eigentlich 'das Pönale' (wie auch 'das Finale', 'das Genitale') heißen, heißt es aber nicht.

Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen, A. Klinsky

[sup]1[/sup]Vgl. Hermann Leopoldi(Interpret, Komponist), "Ich bin ein unverbesserlicher Optimist" (Lied aus der Zwischenkriegszeit)

Znaim besitzt keinen Stephansdom.
Znaim besitzt keinen Donaustrom.
Znaim hat aber die Gurken, die es adeln
Znaim besitzt auch kein Riesenrad,
Znaim besitzt kein Amalienbad,
aber deshalb ist Znaim noch nicht zu tadeln.
Znaim besitzt kein Verkehrssystem,
Znaim besitzt auch kein Mietproblem,
Znaim hat auch keinen Schutzbund, keine Heimwehr [sup]2[/sup]
Manchmal bei einer Gurkensoß
reiß ich mich von den Sorgen los
und dann bild ich mir ein, dass ich in Znaim wär'.

[sup]2[/sup]Schutzbund und Heimwehr waren paramilitärische Organisationen der Sozialdemokraten und Christdemokraten.

Mit herzlichem Dank für die gründliche Antwort.

System 16.04.2009
Mit herzlichem Dank für die gründliche Antwort.

Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

zebra 22.04.2009
hallo alle miteinander!

ich kenn da auch noch welche:

trottoir (bei uns trottoa - betonung auf dem a - ausgesprochen) = bürgersteig

lavoir (bei uns lavoa - betonung auf dem a - ausgeprochen) = waschschüssel

gouvernal (bei uns guvaneu ausgesprochen) = (fahrrad)lenker

pissoir - das kenne wir wohl alle.....


oder hab ich jetzt das thema verfehlt?

grüsse
zebra

Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

wuppl 18.06.2009
auch der coiffeur wurd immer seltener

aber den chauffeur gibts noch allenthalben

lg
wuppl

Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

austrobayer 14.08.2009
Wo ist der Friseur, der Graveur, der Installateur es gibt noch eine ganze Menge dieser aus dem französichen stammenden Worte die aber ebenso auch in Bayern gesprochen werden wie in Österreich.

Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

Knabbernossi 28.08.2009
Parterre.
Kolporteur.

Das war mein erster Eintrag.

Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

Weibi 03.09.2009
Fein, hoffentlich nicht der Letzte!

Nichts für ungut, musste nur so lachen! Willkommen dann auch.

lG, Weibi

Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

Grieskai 28.09.2009
Souterrain (Tiefparterre),
Mansarde,
Mezzanin - wobei das, glaube ich, aus dem Italienischen kommt

Re: Welche Gallizismen kommen im österr, Standarddeutsch vor?

wuppl 02.10.2009
arrangieren, sich
bagasch, die (bagage)




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.