Forum Wörterbuch Deutsch-Österreichisch



Forum > Ostarrichi > Wörte… > Unbeka… > Weana-Bazi zuckersiaß, Öfahaxn, launge Fiaß

Weana-Bazi zuckersiaß, Öfahaxn, launge Fiaß

tlanawoifi 06.10.2008
Wer kennt diesen Spruch und seine Bedeutung?

Re: Weana-Bazi zuckersiaß, Öfahaxn, launge Fiaß

Brezi 05.11.2008
Ich kannte den Spruch nicht. Es dürfte sich dabei um leichten Spott handeln. Was meinst du mit "Bedeutung"? Kannst du es nicht übersetzen, oder verstehst du nicht, was der Spruch aussagen soll?

Weana = Wiener. Das Wort wird wird allerdings standardmäßig im Wiener Dialekt nicht verwendet, sondern heißt da meist Wiener. Wean und Weana sagt man nur, wenn man entweder die Wiener Identität stark betonen will, oder wenn man sie verspottet. "Des is hoed die Weana Gmiadlichkeid" aber eben auch "Zwegn jedn Schas muaßt zu die Großkopfatn auf Wean einefoahn" (etwa: "Wegen jedem Scheiß muss man (wörtlich: musst du) zu den aufgeblasenen Fatzkes nach Wien "hinein" fahren"). Ich habe nach "wegen" bewusst den Dativ gewählt, weil keiner "Wegen jedes Scheißes" sagen würde.

Bazi (in Oberbayern eher 'Baze') ist etwa eine abgeschwächte Form von "Gauner", "Halunke", aber bei weitem kein so arges Schimpfwort und oft auch liebevoll verwendet.

siaß = süß, dürfte klar sein. Zuckersüß kann man in dem Zusammenhang wohl als abwertend (zu süß) sehen

Jetzt kommt das Schwierigste:

Öfahaxn. Wörtlich Elfer-Beine. Da ein Bein mit dem daran hängenden Fuß etwa die Form einer (Ziffer) 1 hat, sind beide Beine folgerichtig die Elfer oder eben 'de Öfa'. "Geh daune mit deine Öfa" (also "geh weg mit deinen verdammten Beinen") hörte man früher oft. Jetzt ist die Vokabel (ebenso wie "Kakaosprudler" (Kakaoquirl) in Vergessenheit geraten).

launge Fiaß] lange [u:3pz6wpne]Beine[/u:3pz6wpne](!, für Füße und Beine haben die meisten bairischen Mundarten nur ein Wort). A Baa / A Boa / A Boan / A Baan (wörtlich ein (Ge-)Bein bedeutet 'ein Knochen'! Verglaiche dazu englisch "a bone".

Wenn ich das Ganze so stehen sehe, würde ich sagen, dass das ein typischer Neckspruch ist, den man auf der Straße jemandem (meist rhythmisch skandiert oder mit einer einfachen Melodie belegt) nachruft, um den Angesprochenen ein wenig zu hänseln.

Alles zur Zufriedenheit erklärt?

LiGrü Br

Re: Weana-Bazi zuckersiaß, Öfahaxn, launge Fiaß

Brezi 19.11.2008
Hallo Halawachl!

Fein, dass man wieder etwas von dir lesen darf. Hast du mir mit deinem Einwand tatsächlich widersprochen? Ich meine nein, denn unter anderem heißt es bei mir:

Wean und Weana sagt man nur, wenn man entweder die Wiener Identität stark betonen will,

Das inkludiert doch auch Gustav Picks wunderbaren Text, oder?

Deine und shadows Deutung der Elfer- bzw. Elfenfüße (oder Elfenbeine [engl. ivories ] ) sind zumindest interessant. Bei den süßen Madln liegt das Lob der schönen, elfengleichen Beine nahe, bei Halawachls Beislpiel

,,Na servas, Du hast vielleicht Öfa!"

dürfte eher wirklich die Schuhgröße gemeint sein. Btw: gibt es eigentlich für einen bestimmten Schuh noch eine Zahl, die dessen größe nicht in irgendeinem der Abermillionen Größenskalen beschreibt? Zumindest bei den Hosen scheint das schon erfüllt. Wusste ich früher, nach welcher Zahl ich suchen musste, um eine Hose zu bekommen, die mir um den Bauch passte. hilft jetzt nur noch Anprobieren oder ein Messband mitnehmen. Neuerdings beschreibt man eine Hose ja nicht mehr bloß mit einem Skalar, sondern ordnet jedem Schnitt ein Zahlenpaar (einen zweidimensionalen Vektor sozusagen) zu, der Bundgröße und Länge beschreiben soll. Ob es an meinem Siebgedächtnis liegt oder an diesem Zahlensystem, dass ich jetzt erst recht keine passende Hose mehr finde, müssen andere beurteilen und mich dazu beim Kauf begleiten.

Zurück zu den Elfen. Wenn ich "Elfen" höre, fällt mir immer eines schottischen und irischen Lieder ein, die L. v. Beethoven vertont hat. In einer Zeit, in der das Große, Feste, Brutale, Laute immer mehr Zuspruch und Bewunderung findet, empfinde ich Bewunderung für die, die noch Liebe für das Leise, Subtile, Fragile hervorbringen können. Deshalb wollte ich ausnahmsweise auch etwas von woanders "Ausgeschnittenes" hier hineinkopieren, einfach weil es schöner ist als alles, was der fette blade Brezi zu dem Thema sagen könnte. Leider (für mich, für euch zum Glück) konnte dankscheen lückenlos belegen, dass das, was ich hier hereinkopieren wollte, nur die englische Übersetzung eines deutschsprachigen Gedichtes ist, welches, aber lest doch im Origalton weiter ...

Die englische Variante ist eine akzeptable Übersetzung, die
soweit sinngemäß möglich war, aber nicht als perfekt
anzusehen ist.
dankscheen


Ja, das haben Übersetzungen halt so in sich. Und ich Idiot merke gar nicht, dass ich das weniger Perfekte zur allgemeinen Beschau auslegte. Und das Original findet sich in einem neuen Thread namens "Das Elfengedicht auf Deutsch", von dankscheen.

Mir tut das leid und ich hoffe, ihr glaubt mir, dass ich euch nicht absichtlich das Plagiat fürs Authentische hinhalten wollte. Zum glück ist das Plagiat, das ich euch vorwerfen wollte, nur dort nicht perfekt, wo es sinngemäß ist.

An Halawachl

Brezi 25.11.2008
Halawachl, ich fürchte, mit unseren Deutungsversuchen sind wir ordentlich daneben gelegen. Auch mir scheint shadows Übersetzung "Öfa" = "Elfe" als die weitaus plausibelste.

Somit, lieber tlanawoifi, lautet die korrekte Übersetzung deines Gedichtes:

Wiener Gauner, zuckersüß,
Beine einer Elfe, lange Beine.

Der Angesprochene könnte demnach am ehesten ein schlitzohriger Baletttänzer sein, ein süßer Eleve.

Da das Wort "Elfe" in den Dialekten in und um Wien eher wie ['ö:fm] ausgesprochen wird, liegt zudem nahe, dass deser poetische Reim ursprünglich eher aus dem Raum München stammt: Vergleiche

'helfen' : wienerisch 'höfm', münchnerisch "heÏfa".

Warum Wiener Bazis gerade in München Ballett lernen? Wahrscheinlich gibt's in Wien einen Numerus clausus. Warum soll NC-Flucht immer nur in eine Richtung gehen?

Ihr Frauen (und Männer natürlich auch), die ihr die Bekanntschaft mit einem zarten, schwerelosen Manne machen wollt, der es faustdick hinter den Ohren hat, worauf wartet ihr? Fahrt so schnell wie möglich nach München und wartet dort vor der Ballettschule!
´
Ich mit meinen plumpen Haxen bleibe indessen in Wien und erfreue mich an der Effizienz unseres unschlagbaren Forumskollektivs, welches auch die kompliziertesten Fragen so mühelos und elegant lösen kann.

Re: Weana-Bazi zuckersiaß, Öfahaxn, launge Fiaß

tlanawoifi 28.11.2008
Vielen, vielen Dank für die rege Teilnahme und die daraus entstandene Diskussion, war für mich sehr interessant was sich daraus entwickelt hat. Und die letzte Erklärung erscheint mir auch am sinnvollsten und logischten, obwohl ich auch den Elferhaxen etwas abgewinnen konnt.

Kurz zur Erklärung: Diesen Spruch hab ich als Kleinkind oft gehört, und dann lange Zeit vergessen gehabt. Und wie es so oft ist, durch eine kurze Bemerkung eines Freundes, erinnert man sich an solche Sprüche zurück.

Für mich war als Kind dieser Spruch immer als Verschmähung der Wiener gedacht. Mittlerweile bin ich (auch wenns Urwiener ) nicht gelten lassen wollen) selber Wiener.

Danke nochmals an alle Diskutanten!!




Alooha | Österreichisch | Bairisch | Bayrisches Dialektwörterbuch | Costeño | Urbanes Wörterbuch | Business Argot | American Slang | Aussie Slang | Sinhala | Ceylon | Russwurm | Embedded Labs | Jerga Urbana | Atlas Körper Zentrum | Atlas Body Center | NLP | Witze | Emoji DictionaryAGB | Impressum

Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.