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"Tschusch!" im Wandel der Zeit (Sedlaczek am Mittwoch)

JoDo 06.06.2010
Robert Sedlaczek ist Autor des Buches „Das österreichische Deutsch“. Seit 2005 schreibt er für die „Wiener Zeitung“.

Manchmal gestaltet sich die Suche nach der Herkunft eines Wortes wie ein schwieriges Rätsel – alle tappen im Dunkeln. Und dann steht plötzlich einer da und weiß die Antwort.

So ist das auch beim Wort „Tschusch“ gewesen, wobei wir einen Leser der „Wiener Zeitung“ vor den Vorhang bitten wollen. Er hat die Etymologie dieses abwertenden Ausdrucks für „Ausländer“, „Fremder“, meist aus dem Balkan oder aus der Türkei, enträtselt. Dass er gleichzeitig das Establishment der Sprachwissenschaft und der Mundartforschung widerlegt, macht die Sache nur noch amüsanter.

Was war denn bisher die Lehrmeinung? Das „Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich“, herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften, führt den Ausdruck auf ein serbokroatisches čuješ? (= Hörst du?) zurück. Demnach standen also einmal Arbeiter aus dem Balkan beisammen, zum Beispiel beim Bau der Südbahnstrecke, und diskutierten mit Händen und Füßen. Die Österreicher verstanden nur Bahnhof, doch ein markantes Wort war für sie immer wieder herauszuhören: čuješ (gesprochen: tschujesch). Daraus habe sich dann später das Spottwort „Tschusch“ entwickelt.

Daneben gab es noch eine zweite Theorie für die Herkunft von „Tschusch“. Die Doyenne der österreichischen Mundartforschung, Univ.-Prof. Maria Hornung, sah darin ein orientalisches Wanderwort mit der Bedeutung „Dummkopf“. Dieses Wort sei in verschieden Sprachen aufgetaucht, zum Beispiel im Friaulischen als zús, im Slowenischen als čuš oder čuž. Mit der Umdeutung von „Dummkopf“ zu „Fremder“ habe das Wort seine heutige Bedeutung erhalten.

Ich muss zugeben, dass ich an diese Ableitung selbst geglaubt habe. Bis meine Mittwoch-Kolumne einen treuen und sprachkundigen Leser aufgestachelt hat. Dr. Herbert Michner, Wien 17, schrieb mir einen längeren Brief zum Ausdruck „Klefuzianer“ und fügte ein Postskript hinzu: „Kennen Sie eigentlich die richtige Ableitung von ,Tschusch’?“

Ein Griff zum Telefonhörer, und schon war ich in eine anregende Diskussion verwickelt. Ich wollte es zunächst nicht glauben und bat um Belege. Wenig später ratterten dutzende Seiten aus meinem Faxgerät: Stichwörter aus alten serbokroatischen Wörterbüchern, Belegstellen aus Romanen und Sachbüchern. Es war erstaunlich, dass bisher niemand darauf gekommen war.

Das Wort leitet sich von einem serbokroatischen ćuš (gesprochen: tschusch) ab, das früher verwendet worden war, um Lasttiere anzutreiben, ähnlich unserem „hott“ (= vorwärts). Diese Treiber sind als „Tschuschen“ bezeichnet worden. Das war zunächst alles andere als abwertend, ganz im Gegenteil, als bei der Besetzung von Bosnien-Herzegowina die „Tschuschenbuben“ mit den Mauleseln auftauchten, rann den Soldaten das Wasser im Mund zusammen – jetzt gab es bald etwas zu essen. Erst später hat dann das Wort einen negativen Klang bekommen.

So ist das also – plausibel abgeleitet, lückenlos belegt, daran ist nicht zu rütteln. In Zukunft wird man es auch in den etymologischen Wörterbüchern so lesen.

Das ausländerfeindliche Potenzial von „Tschusch“ ist übrigens rückläufig. Vor allem in Österreich geborene und aufgewachsene Nachkommen der Einwanderungsgeneration haben die Bezeichnung inzwischen umgemünzt, sie weisen damit stolz auf ihre Herkunft hin. Im Internet findet man bereits die Grußformel: „Seavas – dein Tschusch!“

Printausgabe vom Mittwoch, 15. Februar 2006
Update: Donnerstag, 16. Februar 2006 15:30:00
Kommentare zum Artikel:
13.03.2006 23:30:43 Hier einige der Belege

... von Dr. Michner: Das Herkunftswort "cus" oder in Verdoppelung "cus-cus" ist gut belegt. Man findet es in den meisten einschlägigen serbokroatischen Wörterbüchern. Es handelt sich um einen Ruf, mit dem man ein Tragtier antreibt oder ein Tier vertreibt. Außerdem wird das Wort "cus" auch als eine Art nomen agentis verwendet und bedeutet dann soviel wie "Treiber". In dieser Bedeutung ist "Tschusch" in zahlreichen deutschen Texten zu finden, in denen es um die Besetzung von Bosnien und der Herzogowina (1878) geht:

v. Kahlig: "Vor 20 Jahren", Graz 1902: "In aller Eile wurde die Verpflegung auf fünf Tage gefasst (Reservemunition) und um 4 Uhr nachmittags stand das Bataillon marschfertig vor den Zelten. Es wurde jedoch 7 Uhr, bis wir abrücken konnten ... wegen Mangels an Tragtieren. Was leicht zu haben war, hatten die Jäger mitgenommen, und es gelang nur mit Anwendung von Gewalt, die von den Türken in den umliegenden Kucen versteckten Tiere herauszubekommen, jedoch ohne Tschuschen (Treiber)."

Ein anderer Beleg zeigt, dass der Name auch auf die Bevölkerung übertragen worden ist:

K. F. Kurz, "Österreichs Hort", 2. Band, Wien 1910, S. 89.: Unter der Überschrift "Operationen und Gefechte der rechten Flügelkolonne" kann man lesen: "Auch die christliche Bevölkerung drängte sich jetzt in ihrer bunten malerischen Tracht neugierig heran, durchwegs friedliche Leute, für welche alsbald nach dem Zuruf, mit welchem sie ihre Tragtiere anzutreiben gewohnt sind, der Name ,Czuszen' unter unsern Truppen gang und gäbe wurde."

Die Belege stammen also aus der Zeit um die Jahrhundertwende und beschreiben den Sprachgebrauch in den 1880er und 1890er Jahren. Die Ableitungen des Wortes "Tschusch" von "cujes" (= hörst du) sind durchwegs jüngeren Datums (Zeit des 1. Weltkriegs), so dass es sich hierbei wohl um eine spätere Volksetymologie handelt.
Dr. Robert Sedlaczek

03.03.2006 14:45:14 Rohrbach wörtlich
"... die Bezeichnung 'Tschusch' hat einen historisch-philologischen Hintergrund. 'Cujes' gesprochen:
'tschujes' ... 'hörst du', ein Zuruf der ... serbischen Wehrbauern ..."
Im übrigen verweise ich auf die Quelle aus dem Jahre 1916, die ich Ihnen bereits als E-Mail geschickt habe.
Dr. Anton Karl Mally

27.02.2006 12:52:10 Hier der "falsche" Beleg:
... für die Annahme, „Tschusch" kommt von "cujes" (=Hörst Du?): Wolfgang Rohrbach schreibt in "Auf den Spuren der Serben Wiens" (Wiener Geschichtsblätter, Jg. 56, 2001, Heft 3, S. 186 f.) über „cujes“: „Dies dürfte ein häufig verwendeter Zuruf der serbischen Wachposten (Wehrbauern) an der Österreichischen Militärgrenze (Krajina) bei verdächtigen Geräuschen gewesen sein … Die Wiener Bürger bzw. die Bevölkerung der Grenzgebiete waren nicht gerade erfreut, wenn sie - ob als Händler oder Reisende - an der eigenen Grenze von einem 'Tschusch' kontrolliert wurden." Dass deshalb der Ausdruck entstanden sei, wird nicht behauptet! Wenn das Wort von „cujes“ abzuleiten wäre, würde es „Tschuesch“ oder „Tursch“ lauten. Inhaltlich will die Ableitung auch nicht so recht passen.
Dr. Robert Sedlaczek

25.02.2006 20:31:25 Zum Wort "Tschusch"
Ich persönlich dachte bisher eher an eine lautnachahmende Bildung, die spontan in Bosnien 1878 aufgekommen ist, bewirkt v.a. durch čauš „Ausrufer, Unteroffizier“ (aus türk. çavuş), čuješ „hörst du?“ und čuž, čuš „Dummkopf“. Lautlich kommt man nämlich nur sehr schwer direkt von einem čuješ oder čauš zu einem deutschen Tschusch (und "Dummkopf" passt nicht so recht). Dass das Wort an der Militärgrenze gebraucht wurde, ist klar – aber seit wann? Belegt ist es erst seit der Zeit nach 1878 – oder genauer: „vor 1918“, so die Nachschlagwerke. Daher ist der zitierte Hinweis von Dr. Michner, das Wort stamme von serbisch-kroatisch ćuš (ein Zuruf an die Zugtiere), nicht von der Hand zu weisen. Dieses Wort steht wegen seines ć- im Alphabet an einer ganz anderen Stelle als die viel häufiger mit č- beginnenden Stichwörter.
Ein zweites Wort aus dieser Zeit ist altwienerisch Hatschiloja "kleiner dunkler Brotwecken, Bosniak" (nach dem bosnischen Insurgenten Hadži Loja so benannt) – doch dies ist eine anderen Geschichte.
Dr. H.D. Pohl

20.02.2006 23:02:17 "Tschusch" stammt von der Militärgrenze
Die Bezeichnung "Tschusch" hat einen historisch-philologischen Hintergrund.
"'Cujes'(gesprochen: tschujes) heißt ins Deutsche übersetzt 'hörst du?', ein Zuruf der in Hörweite voneinander patrouillierenden serbischen Wehrbauern, die im 18. Jahrhundert an der österreichisch-türkischen Grenze am Balkan ihren Dienst versahen. Unter Kaiser Karl VI. wurden sie seit 1728 auch dazu eingesetzt, die Monarchie vor dem Einbruch der Pest mit einer militärisch besetzten Sperrlinie, dem Kordon, schon an der Grenze zu schützen. Verdächtige Personen, die an der Grenze gefasst wurden, kamen zur Desinfektion und Reinigung in sogenannte Kontumazanstalten. Die Wiener Bürger waren natürlich nicht gerade erfreut, wenn sie - ob als Händler oder Reisende - an der Grenze von einem Wehrbauern, dem 'Tschusch', kontrolliert wurden." (Wolfgang Rohrbach: Auf den Spuren der Serben Wiens. Ein historisch-soziologisches Porträt [im Internet durch die Suchmaschine "Google" zu finden]).
Diesen zutreffenden Ausführungen wäre nur ergänzend hinzuzufügen, daß nicht nur die serbischen, sondern auch die kroatischen Wehrbauern an der Militärgrenze "Tschujes" riefen.
Dr. Anton Karl Mally

19.02.2006 16:07:07 Tschusch
Sehr geehrter herr sedlaczek!
Nach informationen von mehreren ex yugoslaven, verstehen die unter dem begriff "tschusch" ein ganz schlimmes schimpfwort. Dieses bekräftigt das verjagen eines hundes mittels fußtritts,diesen Akt. Man kann tschusch frei ins deutsche übersetzt so deuten "schleich di du oarsch".
mfg
j.lang
j.lang

17.02.2006 14:46:02 seavas dein Tschusch!
Ihr habts ja alle keine Ahnung!
Tschusch

15.02.2006 11:11:44 "Tschusch! " im Wandel der Zeit
Sg. Herr Sedlaczek, in der heutigen Ausgabe der WZ im Artikel "Tschusch"
finde ich den Begriff: "ähnlich unserem "hott" (= vorwärts)."
Soweit ich mit Landwirten Kontakt hatte (auch mein Vater hatte ein Pferd, das ich ab und zu kutschieren durfte)heißt das Kommando für vorwärts "Jüa", für links "Hü" und für rechts "hott".
Sollte das Pferd anhalten, so sagte man "ö".
Mit besten Grüßen aus der Thermenstadt Laa an der Thaya!
K.P.
Karl Pallierer

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Re: "Tschusch!" im Wandel der Zeit (Sedlaczek am Mittwoch)

takacsbecs 07.06.2010
Im Bulgarischen ist "tscuschdenec" der Fremde, angeblich auch im Russischen; es scheint offenbar mehrere mögliche Ursprünge zu geben.

Kann es sein, daß der "Kneisser" von "connaisseur" kommt?

Re: "Tschusch!" im Wandel der Zeit (Sedlaczek am Mittwoch)

Castor 14.06.2010
Das wäre doch zu einfach! Darf ich versuchen, es etwas zu verkomplizieren, damit man weiterforschen kann?

Ist es denkbar, dass "ćuš" eine verballhornte Ausformung von "čuješ" ist? Es wäre ja denkbar, dass die Eseltreiber ihren störrischen Tieren unrsprünglich "Hörst du!" (wienerisch: Heast!) zuriefen. Auch das slowenische "čuš" - die Slowenen verwenden im Gegensatz zu den Kroaten nur das eine diakritische Zeichen - könnte aus einem missverstandenen "čuješ" entstanden sein, das einem Slowenen von einem ungeduldigen Kroaten zugerufen wurde, worauf der Slowene zu einem Landsmann meinte: "Der glaubt, i bin deppat!"

Ich meine ja nur ...

Re: "Tschusch!" im Wandel der Zeit (Sedlaczek am Mittwoch)

System 02.10.2012
Mein Freund, Dr. Robert Sedlaczek, der bekannte Sprachwissenschafter, erwies mir die Ehre, mich als Entdecker des Etymons des lange mißgedeuteten Wortes "Tschusch" in seinem neuen Werk "Wiener Wortgeschichten", Haymon Verlag 2012, zu zitieren. In diesem Zitat stieß ich erst jetzt auf Mißdeutungen, die ich hier aufkläre - etwa so, wie einer, der gefragt wurde, wo Salamis (berühmte Seeschlacht 480 v.Chr.) liege, antwortete: "am Plattensee, weil dort Salamis sind".
Dr. Mally meinte am 20.3. und am 3.3.2006, daß Tschusch von dem Zuruf der serbischen und kroatischen "Wehrbauern" (!) an der "österreichisch-türkischen Grenze" (!) stamme. Es handelt sich aber um die k.k. Militärgrenze mit 11 Regimentern von der Adria bis Peterwardein, deren Soldaten "Grenzer", und nicht "Bauern" hießen. "Bauern" (auf Grenzerdeutsch: "Paori") wären für sie die weniger geachteten Bewohner "Zivilkroatiens", der "Paorija". Ihre Dienst- und Kommandosprache war deutsch. (Exercir- und Abrichtungsreglement für die k.k. Linien- und Grenzinfanterie, 1851).
Vorposten (Vedetten) verständigten sich (Dienstreglement Felddienst) mit dem Ruf: "Halt, wer da?" Der Angerufene legitimierte sich z.B. mit "Patrouille", daraufhin erfolgte die Erlaubnis "Vorbei.".
Dieser Wortwechsel hieß im Grenzerdeutsch nach
a) Tkalac, Jugenderinnerungen aus Kroatien, als er als junger Bursche seinen Bruder besuchte, der (etwa 1840) als Leutnant am Cordon im Einsatz war: "olbrdo, patrola, krpaj!" (holt, wer do? Patrola, vorbei).
b) Vuk Karadschitsch, Lexicon Serbico-Germanico-Latinum, U Beču (Wien, Viennae), gedruckt bei den P.P. Armeniern, 1818: "bèrdo? patrol povrbaj!" (wer da? Patroll´vorbei) Der Ruf der Schildwache, vox excubiarum apud Germanos)"
Also, für jedermann, der sich auf das Soldatenhandwerk versteht, keine Idee davon, daß sich österreichisches Soldaten im Dienst mit "čuješ - hearst" verständigt hätten!

Re: "Tschusch!" im Wandel der Zeit (Sedlaczek am Mittwoch)

JoDo 02.10.2012
Sehr interessant!

Danke für die Ausführungen.

Bei Gelegenheit mehr davon.

vlG JoDo

P.S.: Das heißt, wenn ich richtig lese: Sie sind auch der Informant von R. Sedlaczek im o.a. Artikel ("Klefuzianer")?

Re: "Tschusch!" im Wandel der Zeit (Sedlaczek am Mittwoch)

Weibi 05.10.2012
Hörst Du? = Verstehst Du?
Ich nix Tschusch = ich verstehe nicht.

Generationen von Nichtverständnis, bedauerlich!

Danke, JoDo!

Re: "Tschusch!" im Wandel der Zeit (Sedlaczek am Mittwoch)

System 07.10.2012
Nachtrag zum Beitrag RE "Tschusch" im Wandel der Zeit (Sedlaczek am Mittwoch), verfaßt 2. Oktober2012 16:01, hixi22: Dr. Herbert MICHNER 1170 Wien, pardon!




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

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Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

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Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.