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Suche die korrekte Version einer Redewendung

JoDo 17.07.2007
Und zwar habe ich von der Generation Großeltern die Redewendung:

A Buad Hodan (Ein BURD Hadern)
in der Bedeutung
A Binkl Fetzn (Ein Bündel Lumpen)
übersetzt
Lumpenpack

gehört.
Weiß aber nicht, ob das so stimmt.
Kennt jemand von Euch das Wort?
vlG
JoDo

Ja, stimmt

Brezi 18.07.2007
Abgesehen davon dass ich dank deiner Erklärung jetzt auch weiß, wie sich das herleitet, kann ich bestätigen, dass das so stimmt. Ich kenne es vor allem mit der betonung auf EIN, was dann soviel bedeutet, wie: alles dieselbe Bagage. Aber das sind Nuancen, die wir hier gar nicht zu Ende diskutieren sollten. Rein damit!

LG Brezius der Erste

Gute Beobachtung!

klaser 19.07.2007
Burd erinnert mich an Bürde, engl. burden - eine zu tragende Last.
Bin ich selbst nicht draufgekommen. Danke!

System 02.08.2007
hi,

ich kenne den Ausdruck, allerdings als ein "Bund" Hadern, also ein Bündel alter Fetzen, was für mich auch Sinn macht.

Grüße!

Suche die korrekte Version einer Redewendung

schwarni 27.09.2007
ich kenne es auch als "a Bund Hodern"
abwertend für eine Personengruppe z. B.: "Regierung und Oposition - olles a Bund Hodern!"

Drum...

wuppl 27.09.2007
...will mir auch der die Zusammenfügung "Haderlump" weniger für eine Personengruppe à la Politiker (sorry) herleitbar erscheinen, zumal das Wort Lump in dem Zusammenhang auf das äußere Erscheinungsbild des den BURD Hadern tragenden abzielt.

Wer schon mal abgeernteten Hafer geschleppt hat, weiß wie das aussieht...einfach zerlumpt eben...

greetz

A Binkl Buard Hodern

Tauntawaschl 08.10.2007
...ich kenne die Redewendung im Vergleich" A Binkl Buard Hodern" und an sich nur in diesem Zusammenhang. Das bedeutet, wie schon mehrfach ausgeführt wurde, G'sindel, Lumpenpack, aber eben in dem Zusammenhang eines Bezuges von mehreren Personen. Also mit dem Beigeschmack, dass einer wie der andere ist, also offensichtlich den Binkl mit der Buard vergleichend. Die "Buard" kenne ich als Bündel, besonders gebräuchlich: die Reisabuard, das ist Reisig mit einer Schnur oder einem Ast auf ein Bündel zusammengedreht.

Es ist also der Vergleich eines Binkel Hadern mit einem Bündel Hadern; der eine nicht besser als der andere.

wuppl 09.10.2007
kann der HADERN eventuell auch von Sorge abgeleitet werden?

schließlich könne auch derartige eine Bürde sein. und hadert der Besorgte nicht oft mit seinem Schiksal?

greetz

Wuppl

Amalia 16.10.2007
Auch hier habe ich etwas zufällig gefunden, es stammt aus einer Burgenlandseite


ua puat hodan dt.: Jacke wie Hose; ugs.: gehüpft wie gesprungen;
wienerisch: g'schissn wia g'spiem

Und welcher österreichische Dialekt ist das?

System 21.07.2008
[quote]Und zwar habe ich von der Generation Großeltern die Redewendung:

A Buad Hodan (Ein BURD Hadern)
in der Bedeutung
A Binkl Fetzn (Ein Bündel Lumpen)

--------

In welchem österreichischen Dialekt kommen diese beide Ausdrücke (keine Redewendung!) vor?

Um österreichisches Standarddeutsch wird es sich wohl kaum handeln ...

Re: Suche die korrekte Version einer Redewendung

2000lara 15.07.2009
"Bleda wia sim Bünckö Fetzen"
Mein Vater sagte das über Menschen, die er für besonders blöd hielt

Das sind keine Redewendungen.

System 21.12.2009
Und zwar habe ich von der Generation Großeltern die Redewendung:

A Buad Hodan (Ein BURD Hadern)
in der Bedeutung
A Binkl Fetzn (Ein Bündel Lumpen)


.

ein Bund Hadern
ein Bündel Lumpen

Das sind keine Redewendungen.

der Hader (= Fachsprache), von mhd. hader; die Hadern = die Lumpen

.

R - nicht N!

JoDo 21.12.2009
Die Redewendung geht mit R
BU R D und nicht Bund, das wäre ja nichts besonderes.

Burd erinnert mich an Bürde, engl. burden - eine zu tragende Last.

Re: Suche die korrekte Version einer Redewendung

Weibi 21.12.2009
Nun ja, ich denke ihr habt (alle) beide Recht. Habe gegoogelt und bin auf folgendes gestossen (etwas lang):

Die andere hauptbedeutung von hader ist
2,
a) abgerissenes oder abgeschnittenes stück zeug, fetzen, lumpen, vielfach von kleidungsstücken gesagt, die vor alter in stücken zerfallen; mhd. hader wb. 1, 608a; hader und alte cleider, exuvie voc. inc. theut. h 8a; hader, lumpe, pannus FRISCH 1, 392a; mit einem hader den tisch abwüschen, panniculo mensam detergere


nach alten hadern ist mein fragen
wenn sie die meid haben abgetragen.
fastn. sp. 374, 34. 792, 22,

hadern oder lumpen zur papierbereitung gesammelt. BROSENIUS 2, 196.
Bd. 10, Sp. 112

Doppelsinnig und mit beziehung auf die bedeutung 1, b wird gesagt: hader macht hader, das ist gut dem papirer. FISCHART groszm. 103; mit hadern verleurt jederman, auszer papiermacher und advokaten.
b) hader sinnbildlich für ein geringfügiges ding: schamst dich nicht, einen solchen hadern nicht zu wissen? zu einem mädchen gesagt, das nicht wuszte, wie viel stücke zur beichte gehören. SCHM. 2, 150.
c) hader als schimpfwort für einen nichtswerten menschen, vgl. lump: ein schlechter kerl! nein! gar kein kerl! ein lump ist er, ein hadder! ZELTER 4, 380.
d) wenn hader auch eine obscöne bedeutung hat und das herab hangende männliche glied bedeutet, so erklärt sich die redensart den hådarn ausraiben, pissen CASTELLI 160; ausreiben heiszt heraus wenden, reiben hat für das bairische sprachgebiet auch die bedeutung drehen, wenden. SCHM. 3, 6.

HADERBUBE, m. lumpiger bube, lump (vergl. hader 2, c oben):

stampf hin, du kleiner haderbub!
OPEL und COHN 243, 5.
HADERER, m. den beiden hauptbedeutungen von hader entsprechend.
1) ein streiter, raufer, zänker: die ufsetzigen, die hederer, die boslistigen. JOH. PURGOLDTS rechtsbuch von Ortloff 208;
2) der mit hadern oder alten zerrissenen kleidern handelt: unde dû manteler und du hederer, dîner trügenheit gerâtent die rîchen ouch gar wol: eჳ sint niuwan arme liute die dû betriugest. BR. BERTHOLD 86, 11.

HADERLUMPE,-LUMP,-LUMPEN, m.
1) fetzen, lumpe, vorzüglich auch ein in lumpen zerfallenes kleidungsstück (vergl. hader 2, a): wie ein bettlersmantel zu hauf geflickt von vielen haderlumpen. LUTHER tischr. 270a; eine bettlerin, die den brustkrebs simuliert, hatte heimliche röhrlein von hollunder neben und unter die brust gestecket, durch welche die vermischte milch und blut aus dem schwamm in ihre untergesteckte haderlumpen liefen. HAPPEL acad. rom. 899;
die lumpensammler, die die hadern zusammenkaufen, schreien auf der strasze haderlump! um die verkäufer aufmerksam zu machen, schon fastn. sp. 374, 33.
2) haderlumpe wird nun auch übertragen von der sache auf die person die damit in beziehung steht, und zwar
a) auf den der mit lumpen handelt, den lumpensammler: der haderlump ist da! rufen die kinder, wenn sie den lumpensammler sehen, der ihnen jene abfälle der wirtschaft gegen ein bild oder ein band austauscht, in Tirol hûderlump FROMM. 6, 155; und
b) auf den der in lumpen einhergeht: er ist ein rechter haderlump, ein abgerissener mensch; pannucius haderlump DIEFENBACH 410a.
Das wort ist eine verbindung zweier wesentlich gleicher begriffe; das nicht recht gangbare hader mochte schon früh gröszere deutlichkeit durch das beigesetzte lumpe erzielen wollen.

BÜRDE, f. onus, sarcina, tracht, last, goth. baurþei, gen. baurþeins, ahd. purdî, gen. purdîn (GRAFF 3, 162), mhd. bürde (BEN. 1, 154a), ags. byrðen, engl. burden für burthen, mnl. borde, nnl. fehlend, altn. byrði, dän. byrde, schw. börda. DASYP. 311a setzt bürd, bürde, MAALER 82d burde, pl. burdinen, vocab. 1482 e 2b burde, aa 1a purde, aa 1b purden, aa 2a purdin.
Bürde stammt aus bëran wie φορτος aus φερειν, tracht aus tragan, last aus ladan, bezeichnet also
1) zunächst das von der mutter getragen, geboren werdende kind, vgl. barm, den tragenden, gebärenden schosz, barn das kind. die frau ist von ihrer bürde, weiblichen bürde, leibesbürde entbunden, erledigt, erlöst worden;
2) schweiz. bürdi, die vom thier geworfnen jungen, so wie die nachgeburt, vorzüglich vom rindvieh. STALDER 1, 244. s. tracht und wurf.
3) was vom menschen auf arm, schulter, hals, kopf und rücken getragen wird, vgl. TOBLER 70a. bündel fascis kann mit bürde onus zusammen fallen, insofern die bürde zusammen gebunden ist: do hatten wir unser blünderlin und kleider in ein burdin zamen gebunden. THO. PLATER 68; bindts in ein weisz lümplin, gibts dem studenten mit sampt der bürdi. WICKRAM rollw. s. 22; der Malchus, wann er des vihs hůt, so sahe er als wie die omeiszen ein wesen hetten, wie eine der andern half ir bürdi tragen. KEISERSB. omeis 7b; eine bürde dorn hauwen. bilg. 105b; do hiesz er im ein bürden růten bringen. STEINHÖWEL Es. 116b; eine bürde gras; so einer sonder des meyers erlaubnus so vil als ein burde mehet. weisth. 2, 257; und solle ieglicher huber alle jahr liefern eine bürd holz mit stro, das solle machen fewr sonder rauch. 3, 762; eine bürde geträdig. Harnisch 60; eine bürde gras mähen. bauernst. lasterpr. 177; zwei fuder und vier burden reife. bürde und tracht können einigemal zusammenfallen, z. b. eine bürde oder tracht gras, holz, doch ist tracht freier und leichter, es heiszt eine tracht wasser, speise, nicht bürde; auch eine neue tracht von kleidern, nicht bürde. man sagt, die bürde aufnehmen, an oder um sich hängen, aufhalsen, fortbringen, fortschleppen, ablegen, niederlegen, einem der bürde abhelfen.
4) was von thieren, zumal eseln und pferden, auf dem rücken getragen wird: sprach der esel zum pferd, wiltu mich gesund machen, so entheb mich ein teil der bürden. STEINHÖWEL Es. 138;

BÜRDEL, n. fasciculus, manipulus, kommt in der bedeutung überein mit bündel, christbürdel nannte man sonst ein weihnachtsgeschenk.
BÜRDELSTAHL, m. was bündelstahl.

Und so stell ich mir das nun vor:

Hader = Fetzen(händler), Lumpen(händler), im übertragenem Sinne „Haderlump“
Bürde = Bündel, gebündeltes Packet (=Pack)
= Lumpenpack

lG, Weibi

Bei der Gelegenheit: Ich wünsch Euch allen hiermit Frohe Weihnachten und viele viele Christbürdel!

Re: Suche die korrekte Version einer Redewendung

Lilo1213 04.03.2010
ich kenne diese Redewendung wie folgt (Politiker und Führungskräfte von Großkonzernen):
Des san do ollas midanand a Binkl burd Hadern, de schaun nua auf eanan Sack.
Die sind alle miteindander ein Zusammenbund belastender(lästiger) Gauner (Trickdiebe), die schauen nur auf ihr Einkommen (Geldverdienst).

würde es so erklären:
(Lohn)Sackl - Früher wurde der Lohn/Gehalt in einem Sack/Kuvert überreicht.
Binkl, Binkerl - bund zusammengebunden, verbunden
Burd - Last (Bürde)
Hadern - Kleidung/Abfall
Haderlump - Gauner/geschicktes Verhandeln zu seinen Gunsten/Trickdieb
Binkl burd Hader(lumpe)n - Verbund lästiger Trickdiebe

weiter mir bekannte Redewendungen:
mit mir brauchst ned hadern - mit mir brauchst nicht zu meinem Nachteil verhandeln
i lass ned mit mir hadern - ich lasse nicht mit mir zu meinem Nachteil verhandeln
a oida Hadern - ein altes, oftgespielter Musikstück (Schlager)
a abgedroschener Hadern - ein ständig gespielter Schlager, den man schon nichtmehr hören kann

jeder hat sei Binkerl z'tragen - jeder hat sein Schicksal zu tragen
a süßes Binkerl - ein herziges Baby
a klaans Binkerl - kleines herziges, freches Kind (Baby, auch Kleinkind)
des is scho ganz a schönes Binkerl word'n - ein anstrengedes(belastend) freches Kleinkind (1-4 Jahre ca.)
a Binkl Fetzen - ein zusammengeschnürtes, größeres Tuch in dem die Kleidung ist
's Binkal packen - seine wenigen Habseligkeiten in ein Tuch einbinden (Auf einen Stock gebunden über der Schulter getragen,
früher bei Wanderburschen üblich - Heimatfilme )
LP: Straßenmusikant: Duo Karl Hodina: Die drei Binkerln

l.g.
Lilo

Re: Suche die korrekte Version einer Redewendung

Castor 08.03.2010
Ich kenne es nur, wie schon von anderen hier erwähnt, als

"A Bund Hodan"

Den Ausdruck Binkel, kenne ich als "Pinkel" bzw. "Pinkerl", und so scheint er auch in dem Lied "Jeder tragt sein Pinkerl" aus "der fidele Bauer" auf. Wenn das P hierzulande weich ausgesprochen wird, überrascht das nicht.




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.