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Stritz Butter

Koschutnig 05.12.2008
Ich hab's beim Eintrag nur als 'Maßeinheit für Butter' o.ä. übersetzt, aber
1) wie groß ist/war so ein Stritz Butter eigentlch, der z.B. in einer der oberösterr. Sagen vom geprellten Teufel und bei Anzengruber als Naturalentlohnung für Krautschneider vorkommt?
2) Und wie sieht ein Stritz Butter aus?
3) Wo hat's den Stritz Butter gegeben? Bayern?
3) Und wo gibt's den Stritz Butter noch immer?

Könnt das Striezel damit zu tun haben? Aber das Striezel ist ja die Verkleinerungsform (mhd. 'strutzel' oder 'strützel') vom Strutz = längliches Brot, ein Alltagswort in Kärnten , das erst in den letzten Jahrzehnten immer mehr vom 'Wecken' abgelöst wird. Die Zopfform des Striezels ist sekundär, es war nur ein kleines längliches Brot, aus feinem Mehl, meint Pohl.
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NS:
JoDo verweist mich auf Adelung (Wörterbuch, 1801 http://www.zeno.org/Adelung-1793/A/Striez,+der

"... In einem andern Verstande ist die Butterstriezel ein Stück Butter in ähnlicher länglicher Gestalt, ein Butterweck; Ital. Striscia. In Baiern und Österreich sind die Striezeln eine Art Kuchen, vielleicht von ähnlicher Gestalt, welche im Wendischen Struza heißen, wo es von einigen von strotzen abgeleitet wird..."

Beinah wortident findet sich der Adelung-Eintrag auch in der wundervollen "Oekonomischen Encyklopädie" des Johann Georg Kuenitz, 242 (!) Bände, 1773 - 1858
http://www.kruenitz1.uni-trier.de/

Die Adelung-Kuenitz'sche Vermutung hab ich ja auch gehabt, aber wie groß war nun der Striez/Stritz Butter?
Ein Strutz Weißbrot ist heut praktisch immer 1/2 kg, der Strutz Schwarzbrot 1 kg. Größeres Brot kommt dann eigentlich nur als Laib.

Interessant ist das Genus bei Adelung und Krünitz: die Striezel , und am Eintragsbeginn auch der Striezel - das sind doch keine Verkleinerungsformen (???)

"...und alle Fragen bleiben offen" (M. R-R)
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NS2
Stritz - kein Butterstriezel (zu Stritz) [ von artico2000 am 2008-12-07 01:05:29 ]
Der Stritz Butter, bei Anzengruber, ist die übliche 'Handelsform' der haus- oder hofgemachten Butter. Diese wurde bis zur Industrialisierung in so genannte, meist hölzerne Modeln gepresst, um sie als gleiche Menge handlich darreichen zu können. Die oft mit kunsthandwerklichem Geschick geschnitzten Formen sind heute als Sammlerobjekte begehrt. Die Form eines kleinen Striezels hat sich dabei hauptsächlich durchgesetzt.

DANKE. Weiß noch wer was zu den bekannten Oberhaenslir-Fragen wann, wo - bzw. auch wo nicht?

K

Re: Stritz Butter

viennaverli 17.01.2009
In Wien ist ein Butterstriezl ein Gebäck.
http://www.chefkoch.de/forum/2,35,205240/Verena-s-Butterstriezel.html
http://www.rezeptesammlung.net/kuchen_butterstriezel.jpg

Lg,
Vera

Re: Stritz Butter

Weibi 18.01.2009
Hallo Koschunig,

eingangs die Frage: Stritz oder Striez? Meiner Meinung nach das letzter. Stritz klingt so wie Schlingel/Lausbub.

Das habe ich gefunden, ich hoffe, es gibt Aufschluss. Über die Masse oder Gewichte nichts gefunden.

„G’füllter Butter“ (gefüllte Butter) – Rezept aus Kärnten.
Frische Butter zu einem schmalen, zwei Finger breiten Rechteck formen, der Länge nach in die Mitte eine zwei bis drei Finger dicke Rolle aus getossenem Mohn, mit Honig, Zucker oder Sirup, etwas Schnaps, Zimt und Zitronenmelisse vermischt, auflegen, die Butter von beiden Seiten darüberschlagn und das Ganze zu einem STRIEZEL formen.
Man kann zum Mohn noch etwas Birn- oder Karobemehl oder gekochte passierte Kletzen mengen. Die gefüllte Butter in dünne Scheiben schneiden; sie wird gern zum „Woazenen“ gegessen. Diese Fülle verwendet man auch zu den Drautaler Hochzeitskrapfen.

NÖ + Stmk.
...... In den dreissiger Jahren kamen die Milchzentrifugen auf. Ärmere Bauern mussten sich nach wie vor mit den „Müllipfannen“ begnügen, das waren rechteckige, blecherne Pfannen mit verschliessbarem Ablassrohr, dUrch das die entrahmte Milch floss; zurück blieb das Obers, der süsse Rahm, der zum Buttern verwendet wurde; das geschah mit dem Stossbutterfass bzw. auf grösseren Höfen mit einem Drehbutterfass. Die Butter gab man in ein „Multerl“ (Schüssel), darin sie „geschupft“ wurde, bis das Wasser entfernt war; dabei entstand ein länglicher BUTTERSTRIEZEL (in diesem Fall stell ich mir eine einfache ROLLE vor).
Noch heute wird die Butter gerne verziert. Dazu verwendet man den „Buttermodel“.


.... Bäuerinnen verzierten die Butterstriezel mit Sternen, Schnecken, Monden, Sonnen und Wellenlinien, in Gasthöfen formte man die Butter für den Frühstückstisch durch kleine Model zu Wüfeln oder Scheiben .....


Striezelformen waren besonders zu Allerheiligen Brauchtum.

lG, Weibi




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.