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Spaß oder Spass?

JoDo 18.05.2008
Ein anonymer "Gast" im Büchl verkündet:

Nach Registrierung wird mir "viel Spaß" gewünscht.
Die in Österreich vorherrschende Aussprache ist aber mit jene kurzem 'a'.
Ältere Ausgaben des "Österr. Wörterbuchs" geben an:"Spaß der, Spasses.../Spässe" Daher wäre also nach neuer Rechtschreibung die korrekte österr. Rechtschreib-Hauptform "Spass"!

Darauf habe ich geantwortet:

Gaaanz falsch!
Die in Österreich vorherrschende Aussprache ist jene mit einem LANGEN a, also Spaaaß.
Das wurde auch von der Rechtschreibreform nicht wegrationalisiert, Spaß bleibt Spaß mit scharfem ß, weil ja der Vokal davor LANG ausgesprochen wird.
Leider kommt von Deutschland immer mehr die schnippische Kurz-a-Variante zu uns herüber.

Der "Gast" lässt aber nicht locker:

"Spass" -"gaanz falsch"? Aha, dann bitte wieso gibt das amtliche Österreichische Wörterbuch (z.B. 35.Aufl. 1979, alte Rechtschreibung)an: Spaß,der,Spasses (Spaßes*)/Spässe (Späße*)//spassen, spaßen*; ...Spassettln...spassig, spaßig* ZEICHENERKLÄRUNG: * "in Österreich nicht oder wenig gebräuchlich". Also ist wohl das DEUTSCHE LANGE a nach Österreich gewandert, wenn es "vorherrschend" wirklich sein sollte!

Na - gehen wir doch der Sache einmal nach (wobei ich zur 35. Auflage des ÖWB von 1979 nichts sagen will, da sollten Experten Auskunft geben, was wann warum wie geschrieben wurde und wird).
Die mir vorliegende Ausgabe des ÖWB ist die 40. Auflage aus 2006. Dort lese ich auf Seite 609:
Sp[u:1qny45p1]a[/u:1qny45p1]ß der, -es/Späße, auch: Spass, -es/Spässe: Scherz ... dann Beispiele ...
Für das Wort gibt es zwei Schreibweisen:
- Sp[u:1qny45p1]a[/u:1qny45p1]ß: Das a wird lang ausgesprochen.
- Spass: Das a wird kurz ausgesprochen (nach italienisch spasso) ...
Das "kurze" a wird im ÖWB noch durch einen untergesetzten Punkt markiert, den ich aber hier nicht darstellen kann.

Wieder einmal wirft die Wikipedia etwas Licht auf die Sache, erhellt aber auch nicht alles:

Problem der Schreibung

Die Regel der Rechtschreibreform, nach der nach kurzem Vokal grundsätzlich das -s- verdoppelt und also kein "scharfes S" geschrieben wird, führt bei Spaß (wie bei einigen anderen Wörtern) zu Schwierigkeiten, weil die Aussprache in den verschiedenen deutschsprachigen Regionen zwischen lang und kurz variiert ( - im Norddeutschen eher kurz , im Süddeutschen eher lang ). Die amtliche Schreibung in Deutschland schreibt jedoch Spaß vor, während in Österreich auch Spass erlaubt ist. Eine Google-Abfrage der Schreibgepflogenheiten (Stand: 6. Mai 2008) ergibt: 30.600.000 für "Spass", 72.800.000 für "Spaß", also ein ungefähres 1:2,4-Verhältnis für Spass / Spaß. (Vgl. Aussprache-Unterschiede im Deutschen und die sog. Heysesche s-Schreibung.)


Warum ausgerechnet in Österreich das -ss erlaubt ist?
Vielleicht um es auch adäquat zu schreiben, WENN es kurz ausgesprochen werden wollte. Bei der Langvokalvariante ist doch nichts anderes als -ß denkbar!
Kopfschütteln bereitet mir die Tatsache, dass gerade in D, wo zwischen lang und kurz viel mehr unterschieden werden müsste, nur EINE Schreibung vorgesehen ist, und in Ö beide Varianten gleichwertig nebeneinanderstehen!

Ausspracheunterschiede

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Aussprache einiger Wörter nicht überall im deutschen Sprachraum gleich sei und die Heyse'sche Schreibweise daher vermehrt Doppelformen erfordere oder Fehler provoziere. Beispiele seien die „Maß Bier“, die in Bayern anders als im übrigen deutschen Sprachraum mit kurzem a gesprochen werde, sowie der „Spaß“, der in einigen Gegenden umgangssprachlich auch mit kurzem Vokal gesprochen werde. Damit sei die korrekte Schreibweise einiger Wörter regionalen Unterschieden unterworfen.

Um dieser Inkonsistenz zu begegnen, wurden neuerdings auch alternative Schreibweisen zugelassen; die 24. Auflage des Duden führt mit „Maß“ und „Mass“ beide Schreibweisen auf, und zwar beide ohne eine regionale Beschränkung; das Wörterverzeichnis der amtlichen Regelung enthält allerdings nur „Maß“, nicht aber „Mass“. Für Österreich sieht das amtliche Wörterverzeichnis auch „Geschoß“ - zusätzlich zu „Geschoss“ - vor, seit 2006 auch „Spass“ - zusätzlich zu „Spaß“ .

Die Gegenkritik führt jedoch an, dass solcherlei Unterschiede auch unter der Adelung'schen Schreibweise bestehen, etwa beim Plural „Geschosse“ (österreichisch „Geschoße“). Zudem seien nur sehr wenige Wörter von dieser Problematik betroffen und diese als Teil des Dialekts anzusehen; im schriftlich niedergelegten Dialekt ergeben sich auch bei anderen Wörtern regelmäßig Unterschiede in der Schreibweise, etwa bayerisch „Preiß“ statt „Preuße“.


P.S.: Diesen Beitrag habe ich nach einem ausführlichen Dialog mit dem nunmehr nicht mehr anonymen "Gast" aus dem Büchl leicht modifiziert. -JoDo-

Re: Spaß oder Spass?

Cello 19.05.2008
Kann sein, dass es irgendwo in Österreich Gegenden gibt, wo Spass mit kurzem a gesprochen wird - mir ist es noch nie untergekommen. Ich kenne nur Spaß mit langem a ... also kann von einer in Österreich vorherrschenden Aussprache mit kurzem a meiner Meinung nach wohl eher nicht die Rede sein.

Würde mich interessieren WO man in Österreich "Spass" sagt?

Re: Spaß oder Spass?

windfrau 30.10.2009
bin neu und blattl mich grad mit Vergnügen durch die Beiträge.
und wenn die Frage hier auch schon lange dasteht (und vielleicht eh schon irgendwoanders geklärt) mag ich trotzden dazusenfen, wenn ich darf.

zur Frage WO:
Also definitiv im Innviertel/OÖ so im Dreieck zwischen Braunau, Ried und Schärding.
(kurzes a, kräftiges ss hintendran, allerdings schon mit einem leichten bayerischen O-Anklang auf dem A, von dem ich nicht weiß, wie man ihn verschriftlichen kann)
Und zwar reden so die österreichischen "Einheimischen", also keine Bayern-Pendler oder "Uma-groaste".
Vielleicht liegts daran, daß sich dort das Innviertlerische und Bayerische sowieso gegenseitig ziemlich einfärbeln .
(Schließlich wird manchmal ja in dieser Gegend auch häufig -und nachdrücklich -drüber diskutiert , ob ein "echter" Innviertler nicht eigentlich mehr Bayer ist als Österreicher. )

liebe grüße,
die windfrau

Re: Spaß oder Spass?

Koschutnig 30.10.2009
Ein gelernter Kärntner kann da eigentlich nicht mitreden, denn durch die "Kärntner Dehnung" im 13. Jh. sind ohnehin alle Vokale vor Doppelkonsonanz lang geworden ("da Schliissl is ins Wååssa gfååln").
Då muasasi hålt auf de Lährarin mit ian Weatapuach valååssn - wåån se ibahaup ans håt und nåha a wiakhle aineschaut.

Der oa. "Gast" war ich - denn ich hatte gelernt, dass es 2 Wörter gibt, die hinsichtlich ß/ss-Schreibung in Österreich von der von der in D geltenden Rechtschreibung abweichen ( so wie's im ÖWb ab 1950 enthalten war), da sie in Österreich von der (bundes)deutschen Hochlautung abweichen :
"das Geschoß, des Geschoßes" (in Ö langer Selbstlaut, in D kurz)
und
"der Spaß, des Spasses" (in Ö kurzer Selbstlaut, in D lang).
Ich hatte dies bis zu OSTARRICHI auch nie in Zweifel gezogen.
Ergo: Was Hänschen nicht lernt, kann Hans doch noch lernen.

K.

Je nach Standarddeutsch ...

System 21.12.2009
.

Spass/Spaß

Synonyme:
Deutschländisches Standarddeutsch: der Spaß
Deutschschweizerisches Standarddeutsch: das Vergnügen
Österreichisches Standarddeutsch: die Gaudi (= Singular)

Rechtschreibung:
Deutschländisches Standarddeutsch: der Spaß
Deutschschweizerisches Standarddeutsch: der Spass
Österreichisches Standardddeutsch: der Spaß

Aussprache:
Deutschländisches Standarddeutsch: der Schbhaapaß
Deutschschweizerisches Standarddeutsch: der Schbhpaass
Österreichisches Standardddeutsch: der Schbhaß

Dialekte:
Schweizerdeutsche Dialekte: dèr Gschbass, dèr Gschbbass = der Jux (Standard de), der Schabernack (Standard at)
Österreichische Dialekte: die Gschbaßettln = die Späße (Standard de)


Re: Je nach Standarddeutsch ...

Castor 08.03.2010

...

Deutschschweizerisches Standarddeutsch: der Spass

...

Das zählt in diesem Zusammenhang nicht, denn in der Schweiz wurde das ß bald nach dem Krieg abgeschafft.

Spaß

Standard 02.06.2016
Das Nomen "Spaß" (m) mit langem a ist inzwischen durch das Fernsehen gemeindeutsch geworden (= Standard in at, ch und de). Es wird auch in der ch mit langem a gesprochen, aber mit ss geschrieben: Spass.

Das Nomen "Spass" (m), mit kurzem a gesprochen und deshalb mit ss geschrieben, ist offenbar auch österreichisches Standarddeutsch, ebenfalls "Gaudi" (f).

Standard in ch: das Vergnügen




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.