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"Servus"

Koschutnig 24.08.2011
@ "konsequente Servus-Sager" und alle anderen

Mir ist natürlich die Bedeutung „Diener“ des Wortes bekannt –„gschamster (< gehorchsamster) Diener!“ war schließlich Altösterreichs liebliche Verballhornung der Übersetzung davon. Ich weiß, dass in der k.u.k. Armee auch ein Leutnant mitunter „Servus, Herr Oberst“ sagen durfte und dass in den Ländern der ehem. Monarchie das „Servus“ in versch. Formen immer noch zu hören ist.

Meine Mutter aber hat mich ein paarmal gescholten, als ich sie mit „Servus“ grüßte: „Das sagt man nicht zu den Eltern!"

WP sagt: „Servus“ ist vor allem unter Freunden und guten Bekannten, die sich duzen, üblich.
Hingegen lautet eine Devise: „ServusTV Wir wünschen Ihnen bessere Unterhaltung“

Eine beim NDR arbeitende österr. Sprecherin empörte sich jedoch in einer Hamburger Talkshow-Runde, dass sie von Wildfremden mit „Servus“ gegrüßt werde. Wie komme sie dazu, sich immer wieder beleidigen zu lassen? Die Hamburger 'Moderatorin' darauf verblüfft: „Ach nee? Ich dachte, das sei in Österreich der allgemein übliche Gruß.“ Und als die Österreicherin erklärte, ein "Servus" sei doch nur unter Freunden und guten Bekannten möglich, mit denen man per Du sei, wandte die Moderatorin sich völlig konsterniert an die anderen Teilnehmer: „Ham Sie dat jewusst?

Da mich das konsequente Kollektiv-„Servus“ der Verabschiedungsdurchsage in AUA-Maschinen und das gelegentliche affektierte „Servus“ in Ö1 ziemlich stört, hätte ich gern gewusst, wie andere in Österreich es mit der Verwendung halten.

Bitte an der Abstimmung mitmachen!

K.

Re: "Servus"

JoDo 24.08.2011
Also: Folgendes.

Auf das Thema aufmerksam geworden bin ich durch die ausgesprochen sehenswerten Fernsehbeiträge eines Franz Xaver Gernstl, seines Zeichens Bay/ier und Gestalter einiger exzeptioneller Dokumentationen, für die er auch den "Grimme Preis" erhielt.

http://temporati.de/Franz_Xaver_Gernstl.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Gernstl_unterwegs

Der begrüßt seine Gesprächspartner stets mit "Servus".

Na sowas, hab ich mir gedacht, das geht doch nicht!

Aber, bin ich draufgekommen, SO sagen die BAYERN.

Wir Österreicher NICHT.

Re: "Servus"

dingle 25.08.2011
für mich setzt der gruß servus eine gewisse vertrautheit voraus, also käme "servus" und "Sie" nicht in frage.
im plural sag ich "grüß' euch", ist ein abstand gegeben, dann "grüß gott" oder "guten Tag".

lg dingle

Re: "Servus"

Weibi 25.08.2011
Ich finde es auch schade, dass unser Servus immer mehr von Hallo abgelöst wird, besonders bei Jugendlichen.

lG, Weibi

Re: "Servus"

Koschutnig 29.08.2011
Dialog aus dem Gäste-"Büchl":

Mr. Bean [ Eingetragen am 2010-06-08 ]
Super! Ich habe einfach nur das Wort deppat eingegeben, einfach nur so als paß. Auf einmal Habe ich das Wörterbuch gefunden. Da wo alle schönen und nicht so schönen Wörter drin stehen. Da kann ich gleich sagen "Ich habe Österreichisch gelernt". Ich kenne nämlich auch ein Paar Österreicher. Servus.

@ Mr. Bean [ Eingetragen am 2010-07-29 ]
ein Irrtum zu glauben, wenn man 3 Wörter kennt, man habe die Sprache gelernt. Zur Sprache gehört die Kenntnis der Menatalität, um die Vokablen richtig einzusetzten. So bedingt der Gruß "Servus" in Österreich eine gewisse Menge Intimität zwischen den Grüßenden(im Gegensatz zu Bayern), sonst wird er als rüpelhaft empfunden.

___________________________________________________________
Brennend interessiert mich aber immer noch: Wie steht's in der Familie zw. Kindern und Eltern?


Leider nützt niemand die UMFRAGE (OBEN).

Re: "Servus"

wuppl 31.08.2011
also servus beianand

servus geht immer...wers net vertragt hört das nächste mal eben ein ebenso charmantes "d'ehre"

"grüß gott" verwende ich als ausgetretener nur bei veranstaltungen der SPÖ und bei der ÖVP wünsche ich fröhlich "freundschaft" und wundere mich warum mich die welt als latent sdozialunverträglich empfindet

Re: "Servus"

JoDo 01.09.2011
Zu meinem obigen ´posting´ muss ich ergänzen:
Wenn, und nur wenn man einen guten Freund trifft, kann man ihn auch mit Servus begrüßen.
Mir ist das deswegen entfallen, weil mir auch die guten Freunde abhanden gekommen sind.
Im Großen und Ganzen bin ich also ganz der Meinung der NDR-Talkshow-Ösine.

Re: "Servus"

wuppl 02.09.2011
aber NOCH schlimmer ist "mahlzeit" als beamtengruß zwischen 10 und 15 uhr

davor ists "morgen!" und danach "scheen obnd"

lg
wuppl

Re: "Servus"

Sigurd 01.09.2012
Es hängt wohl von der Aussprache ab:
SERVUS dialektfrei ausgesprochen ich der (alt)österreichische Gruß im Offiziers-, Beamten- und Freundesbereich und wird auch heute noch verwendet.
"Servas" (in allen Varianten - Serss...) ist die Dialektform und ist ein Standardgruß, der das DU voraussetzt.
"Servus" am Ende einer Ansage (AUA, etc.) ist als freundlich-österreichische Verabschiedung gemeint und wird nicht von jedermann goutiert.

Re: "Servus"

System 01.11.2012
Im Allgemeinen verhält es sich so

Servus
für Leute mit denen man per DU ist

Hallo
für Leute mit den man per DU und per SIE ist

Na Servas (Na Servus)
auch in Verbindung mit Na Servas G'schäft
Wird verwendet bei Empörung

Re: "Servus"

Koschutnig 02.11.2012
Zur Umfrage:
Herzlichen Dank den bisherigen Teilnehmern, obwohl's kein Gewinnspiel war.

Interessant das bish. Umfrageergebnis:

Typisch österreichisch, allgemein auch bei Fremden möglich 10% [ 1 ]
Typ. österr., bei entfernt Bekannten: "Servus, Herr/Frau..." 0% [ 0 ]
"Servus!" von jemandem, den ich kaum kenne, ist mir unangenehm. 30% [ 3 ]
"Servus!" setzt ein Duz-Verhältnis voraus, auch zu den Eltern 50% [ 5 ]
"Servus!" nur bei Duz-Verhältnis, aber nicht zu den Eltern u.ä. 10% [ 1 ]
"Servus/Servas!" passt nur unter Jugendlichen 0% [ 0 ]
Ich verwende "Servus!" kaum bis gar nicht 0% [ 0 ]

Was mich ja bes. interessiert: Wie ist das Verhältnis Kinder/Eltern?

Allerdings ist mir etwas nicht ganz klar:
Haben da 10 geantwortet und jeder nur eine Option gewählt, oder haben 5 geantwortet mit je 2 Optionen oder…?

50% der Optionen: „servus“ auch zu den Eltern,
doch nur 1 sagt's nicht zu den Eltern oder mag von seinen Kindern nicht so gegrüßt werden.
Klar - auch die Eltern sind heut nicht mehr gar so "respektabel". Da hätt' ich wohl auch noch die Großeltern anführen sollen...

Auf weitere Umfrage-Teilnehmer freu ich mich aber !

LG
K.

Re: "Servus"

wuppl 03.11.2012
also der Großvater, der ein durchaus gestrenger Herr war, pflegte "Servus, Bub!" zu sagen und ich meinerseits erwiderte stets fröhlich "Servus Großvati!" und jeder wußte wie es gemeint war, IMMER respektvoll.

Ich verstehe nicht warum ein SERVUS - wurscht zu wem - ein Problem sein sollte...wars früher keines es zum seinem Oberst zu sagen, warum wollen wir heute krampfhaft eines daraus machen?

lg
Wuppl

Re: "Servus"

Jaggi 26.08.2013
Wenn eine österreichische Sprecherin beim NDR arbeitet, dann sollte sie sich schon mit den dort üblichen Ausdrucksweisen vertraut machen, bevor sie auf ein "Servus" pampig reagiert. Im Unterschied zu Österreich ist in weiten Teilen Deutschlands das "Servus" eher an ein "Sie" als an ein "Du" gebunden. Die hochgeschätzte, leider verblichene Frau Dr. Erika Fuchs liefert hierzu folgendes Beispiel: "Servus Herr Kollege! Sehr erfreut, Sie hier zu treffen!" (in "Die tollsten Geschichten von Donald Duck", Heft 50, Seite 55, Jahr 1977).

@ "konsequente Servus-Sager" und alle anderen

Mir ist natürlich die Bedeutung „Diener“ des Wortes bekannt –„gschamster (< gehorchsamster) Diener!“ war schließlich Altösterreichs liebliche Verballhornung der Übersetzung davon. Ich weiß, dass in der k.u.k. Armee auch ein Leutnant mitunter „Servus, Herr Oberst“ sagen durfte und dass in den Ländern der ehem. Monarchie das „Servus“ in versch. Formen immer noch zu hören ist.

Meine Mutter aber hat mich ein paarmal gescholten, als ich sie mit „Servus“ grüßte: „Das sagt man nicht zu den Eltern!"

WP sagt: „Servus“ ist vor allem unter Freunden und guten Bekannten, die sich duzen, üblich.
Hingegen lautet eine Devise: „ServusTV Wir wünschen Ihnen bessere Unterhaltung“

Eine beim NDR arbeitende österr. Sprecherin empörte sich jedoch in einer Hamburger Talkshow-Runde, dass sie von Wildfremden mit „Servus“ gegrüßt werde. Wie komme sie dazu, sich immer wieder beleidigen zu lassen? Die Hamburger 'Moderatorin' darauf verblüfft: „Ach nee? Ich dachte, das sei in Österreich der allgemein übliche Gruß.“ Und als die Österreicherin erklärte, ein "Servus" sei doch nur unter Freunden und guten Bekannten möglich, mit denen man per Du sei, wandte die Moderatorin sich völlig konsterniert an die anderen Teilnehmer: „Ham Sie dat jewusst?

Da mich das konsequente Kollektiv-„Servus“ der Verabschiedungsdurchsage in AUA-Maschinen und das gelegentliche affektierte „Servus“ in Ö1 ziemlich stört, hätte ich gern gewusst, wie andere in Österreich es mit der Verwendung halten.

Bitte an der Abstimmung mitmachen!

K.

Re: "Servus"

tonerle 28.08.2013
Grüß Gott,

angekreuzt habe ich:
"Servus!" setzt unbedingt ein Duz-Verhältnis voraus, auch zu den Eltern .

(Instinktiv - ohne allerdings entsprechend instruiert worden zu sein - begrüße ich aber meine Eltern nie mit „Servus“.
Entsprechend verhielten sich auch meine Mutter und mein Vater gegenüber meinen Großeltern.)

Mit freundlichen Grüßen

tonerle

Re: "Servus"

takacsbecs 20.11.2013
Die ganze Diskussion scheint sich vornehmlich auf den Raum Wien zu begrenzen. In Westösterreich ist Servus wie in Bayerrn nicht an das Duwort gebunden. Ätsch!

ganz nebenbei: "Hallo" als Gruß finde ich genauso nett wie Aprikosen, Apfelsinen, das neuerdings in deutschen Fernsehkanälen übliche Femininum für Gummi und die heute (besonders im Sportintrtview) üblich gewordene Verwendung des Wortes "realisieren"...




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Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.