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"Langes" und "aufentleint"

Koschutnig 08.06.2008
Da Langes is kömman,
wers Janggale nehman,
aufn Kirchbichl gehn,
wo die Windröslan stehn.
ODER:
Wann da Langeswind ans Fenster klopft,
und da Dachtraf von mein Häusl tropft,
wann die Fruehjahrssunne eina scheint,
is die Gfrier in Herzen aufentleint

Übersetzt ins Restöstereichische heißt das wie? Und kommt wovon?

Re: "Langes" und "aufentleint"

Weibi 09.06.2008
Also, zu Langes kann ich schon was sagen, nämlich "Frühling/Frühlingswind". Siehe auch
http://www.aufatmen.at/index.html?_area=1&_articleId=39

Und zu "aufentleint" - aufgelöst/verschwunden?

Woher das kommt, weiss ich allerdings nicht.

lG, Weibi

Re: "Langes" und "aufentleint"

JoDo 09.06.2008
Gefunden:

Da Langes is kemman

Für: gemischten Gesang; Satz: Drewes Hellmuth
Text: Hopfgartner Josef
Erschienen in Klagenfurt; Erscheinungsjahr: 1975

Holladje, holladjo, holladje, holdi jo!
1. Da Langes is kemman, wers Janggale nehman,
aufn Kirchbichl gehn, wo die Windröslan stehn.
2. Die Schattseitner Buebman seind schon auf die Huebman,
tuan in Ofn wegwiahrn und das Winterstroh kiahrn.
3. Wers Maulwerch guet schleifn, vom Fenstalan pfeifn!
I man, s' Dirndle hat gnue von sein Schattseitner Bue.

http://www.verlagheyn.at/lieder_noten/lied_detail/468/Da+Langes+is+kemman.html

Am 14. Jänner 2003 wäre der Oberkärntner Erzähler und Lyriker Josef Hopfgartner 90 Jahre alt geworden. Und genau an diesem Tag haben seine Töchter und der dem Dichter sehr nahestehende Singkreis Porcia seiner gedacht.
Der Chor, dem Josef Hopfgartner sein Buch "Die Wegschad" gewidmet hat, sang Lieder nach seinen Texten, die vom Chorleiter Hellmuth Drewes vertont wurden. Die Töchter trugen hochdeutsche Texte vor und die Chormitglieder Günther Aiglsperger und Richard Pertl lasen Mundart im zum Bersten gefüllten Musiksaal im Schloss Porcia.

http://www.singkreis-porcia.com/14012003.htm

Zum Thema "aufleinen" ist mir eingefallen:

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Re: "Langes" und "aufentleint"

Koschutnig 18.01.2009
Also, zu Langes kann ich schon was sagen, nämlich "Frühling/Frühlingswind". Siehe auch
http://www.aufatmen.at/index.html?_area=1&_articleId=39
Und zu "aufentleint" - aufgelöst/verschwunden?
Woher das kommt, weiss ich allerdings nicht.


Jetzt ist der Langes endlich eingetragen worden:
Langes - Frühling
Österreichisch : Langes
Deutsch : Frühling
Eingereicht von : Bintale ( Region : Lienz)
Eingereicht am : 2009-01-17 18:45:31
Kategorien : Veraltet, Historisch

über den die Suchmaschinen wenig wissen, außer, dass man den Text des Hopfgartner-Drewes-Liedes vom Langeswind dort findet (http://www.verlagheyn.at/lieder_noten/lied_detail/692/Wann+da+Langeswind+ans+Fenster+klopft.html , Verlag Heyn ISBN: 3-85366-326-5),
dass der gemischte Chor Mühldorf/Mölltal das Lied aufgenommen hat (http://www.dohrrecords.com/muehl.htm )
und dass auch in Schenna/Südtirol der Frühling "Langes" heißt (http://www.schenna.com/themen/ ), grad wie um Lienz ( in anderen Teilen Tirols auch Langez. ).
Das unter
http://www.oeaw.ac.at/home/thema/thema_200704_3.html
der Österr.Akademie der Wissenschaften, deren Institut für Dialekt- und Namenlexika alle Bezeichnungen für den Frühling in Österreich gesammelt hat.
Wie der poetische Lenz sei auch der Langes etymologisch mit "lang" verwandt mit Bezug auf das Längerwerden des Tages.


Und zu aufentleint:

JoDo hat ja schon 2 Verweise auf OSTARRICHI-Eintragungen gegeben (s.o.),
und selber hab ich unter 'leinen + auftauen' ergoogelt:

im Pfälzischen (!) Wörterbuch:
leinen3 schw.: 'tauen', von Schnee und Eis, gefrorenem Boden, 's leint (laind) [FR-Grünstdt]. – Verbale Abl. zu mhd. līn 'lind, lau, weich'? (vgl. KLUGE-MITZKA 442 lind, DWb. VI 706 leinen); eine ähnliche verbale Abl. im Gallorom. ('auftauen') zu lat. lenis s. FEW V 249.
http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/pfwb/wbgui?lemid=PL01479&mode=linking

und im Grimm'schen Wörterbuch:
LEINEN, adj. weich, lind; ein bairisches wort, in der ältesten form nicht nachzuweisen; lautete es, wie glaublich, ahd. hlînîn, so gehört es zu dem ersten verbum leinen (oben sp. 704), sowie zu lehnen sp. 547, und ist der nächste verwandte zu dem eben da, auch aus dem bairischen sprachgebiete aufgeführten lehne, lehn, von weicher consistenz; mhd. lînîn (mit dem verbum entlînen weich werden LEXER handwb. 1, 576):
er ist niht sô lînîn,
daჳ ir iuch sîn mugt erwern.
Seifr. Helbl. 4, 310;
bair. net leinen nicht wenig stark. SCHM. 1, 1479 Fromm.; leinenes holz, weiches 1480; kärntnisch leinen, weich, träge, matt, leinener mentsch; stell di net so leinen! LEXER 176. vergl. unten leinisch.
http://www.woerterbuchnetz.de/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GL04471

Dann heißt aufleinen also auf-weichen, ent-eisen

Nur das ent in aufentleint kapier ich nicht - das deutet doch auf ein Enteisen, ein Entfrosten hin. Aber vielleicht handelt's sich da um ein Nicht-mehr-genau-Verstehn eines alten Wortes lein (hart gefroren/aufgetaut, hart/weich)? - "abspecken" und "abmagern" (vgl. neudeutsch "abmildern") bedeuten ja auch im Wesentlichen dasselbe, auch wenn es sich bei Speck und mager doch um Gegensätzliches handelt.

K

Re: "Langes" und "aufentleint"

dingle 13.05.2011
zu "auflainen" (auch: aufentlainen) bin ich im kärntischen wörterbuch von matthias lexer, erschienen 1862 fündig geworden. es bedeutet: durch [u:1nmiqkr5]laue[/u:1nmiqkr5] temperatur erweicht werden. es wird auf die laue (kleine lache) verwiesen, wie sie sich an den ufern eines baches bildet.

lg dingle

Re: "Langes" und "aufentleint"

Koschutnig 13.05.2011
Du hast mit dem "durch laue Temperatur weich werden" Recht, Lexer bringt dazu ja auch zwei Beispiele: der Schnee laint auf, die Butter laint auf. Beim Bezug auf lain 'die Lache' zweifelt er allerdings. http://tinyurl.com/65e796n (S. 160, 161)

Doch auch wenn Lexer neben lainen, aufleinen auch aufentlainen erwähnt, so bleibt doch die Frage nach dem Sinn dieses ent-

Der österr. Indogermanist Wilhelm Brandenstein (1898-1967) spricht übrigens in seinen 1978 posthum erschienenen "Kleinen namenkundlichen Beiträgen" von einem mittelhochdt. „la, lawes“ ’lau’, zu dem ein mhd. Verb löunen ‚tauen’ gebildet worden sei, das man oft fälschlich „liunen“ schrieb und das sich in den Mundarten der Ostalpen in der Form „auflainen“ erhalten habe. Es finde sich auch im steir. Wortschatz als irriger „Lahnwind“ (=Föhn, Jauk) wieder. (S 128) http://tinyurl.com/6ldlwy8
Bei ihm ist also vom möglicherweise exklusiv kärntnerischen (?) auf-ent-lainen nicht die Rede.

Re: "Langes" und "aufentleint"

dingle 13.05.2011
möglicherweise einfach nur eine mischung von auftauen und enteisen...
als verstärkung.

lg dingle

Re: "Langes" und "aufentleint"

Koschutnig 13.05.2011
Ja, das hab ich gemeint mit dem Vergleich abspecken vs. abmagern, abmildern . Die Neuerfindung "abschlanken " passt auch dazu.

Wir sind uns da einig, was?
LG
K.




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Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

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Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.