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"Landeshauptmann" - wozu "-männer" wenn es "-leute" gibt?

takacsbecs 04.12.2009
Mir fielen die "Landeshauptmänner" auf, ich meine daß diese Pluralbildung nicht ganz passt. Ich erinnere mich, daß wir im Deutschunterricht auf diese "Falle" bei der Mehrzahlbildung hingewiesen wurden, als wir "Schilling - Schillinge" diskutierten.

Beim Feuerwehr-, Bezirks- und Landeshauptmann ginge das Plural nicht auf "-männer" sondern auf "-leute". Also "Landeshauptleute". Die Leute sind auch geschlechtsneutral, wozu denn jetzt auf einmal die Männer?

Re: "Landeshauptmann" - wozu "-männer" wenn es "-leute" gibt?

Koschutnig 04.12.2009
Mir fielen die "Landeshauptmänner" auf, ich meine daß diese Pluralbildung nicht ganz passt. Ich erinnere mich, daß wir im Deutschunterricht auf diese "Falle" bei der Mehrzahlbildung hingewiesen wurden.
Beim Feuerwehr-, Bezirks- und Landeshauptmann ginge das Plural nicht auf "-männer" sondern auf "-leute". Also "Landeshauptleute". Die Leute sind auch geschlechtsneutral, wozu denn jetzt auf einmal die Männer?

Du hast mit deiner Logik völlig Recht!
Der Plural zu "Hauptmann" hat immer schon "Hauptleute " geheißen, z.B. bezeugt vor 500 Jahren die Bair. Chronik des Johannes Aventinus (1, 367, 23, 1526-33) :
» Wiewol die groszen Hansen und hauptleut, [...] oft aufrüerisch warn wider in «.

Ich hab mich daher auch schon immer nach dem Sinn dieser "Landeshauptmänner"-Ausnahme von der Ausnahme gefragt.
Zum " Feuerwehrhauptmann" sagt das sehr gewissenhafte und verlässliche canoo. Deutsche Wörterbücher und Grammatik
"Feuerwehrhauptmann: Nomen, maskulin, Plural Feuerwehrhauptleute"
wohingegen es sagt.
Landeshauptmann: Nomen, maskulin, Plural Landeshauptleute http://tinyurl.com/yefokdb
Das Duden-Universalwörterbuch allerdings stimmt dir z.T. zu:
"Lan|des|haupt|mann, der < Pl. …hauptleute u. …hauptmänner >: 1. (in Preußen bis 1933) Chef der Verwaltung einer Provinz, 2. Österreich: Regierungschef eines Bundeslandes"
Auch das Duden-Rechtschreib-Wb. sagt: "österr, für: Regierungschef eines Bundeslandes. Plur. : ...-leute oder ...-männer" - was jedoch nach österr. Standard UNRICHTIG ist!

Der "Südtiroler Landtag" bringt die "Berichte der Landeshauptleute"! http://www.landtag-bz.org/de/dreier-landtag/berichte-landeshauptleute.asp
Einig sind die sich - natürlich - auch hierin nicht:
"Süd-Tiroler Freiheit, Freies Bündnis für Tirol" (das sind Eva Klotz und die Nfg. der "Bumser") sagt
"Die Landeshauptmänner von Tirol, Südtirol und Trentino",
"Zukunft in Südtirol, Stiftung Südtiroler Volkspartei" schreibt "Die Landeshauptleute von Südtirol ..."

Bezirks- und Landeshauptmänner sind aber nicht neu, jedenfalls nicht "jetzt auf einmal" so, siehe z.B.
»Die Verfassungen und Gesetzgebung der Bundesländer seien ignoriert worden. Die Bezirkshauptmänner in den Bundesländern und die Bezirksvorsteher in Wien wurden nicht durch die Bevölkerung gewählt, sondern durch die Bundesregierung ernannt. Die Verwaltung sei in bedeutendem Maße weiterhin mit ehemaligen nazistischen Verbrechern, Offizieren der deutschen Wehrmacht und aktiven Heimwehrleuten verseucht.« Okkupation. Innenpolitik [31.08.52]. In: Archiv der Gegenwart 22 (1952), S. 3630 )
http://tinyurl.com/yakel9n

und Salzburg hatte 1810-1848 "Kreishauptmänner" liest man bei Friederike Zaisberger: Geschichte Salzburgs.
Geschichte der österreichischen Bundesländer aus dem Oldenbourg Wissenschaftsverlag. http://tinyurl.com/yg3bnko;
in Preußen hießen sie auch so, erfährt man in einem Buch von 1904 (Otto Georg Schwarz und Georg Strutz: Der Staatshaushalt und die Finanzen Preussens: unter Benutzung amtlicher Quellen, Berlin 1904, S. 80) , während die "Kreishauptmänner" in Württemberg 1811 durch "Landvögte" abgelöst wurden.
(Verhandlungen der Kammer der Abgeordneten des Königreichs Würtemberg, Ausgabe 3 , 1865) http://tinyurl.com/ydsdo7c

Es wird dieser Plural der Kreis-, Bezirks- und Landes hauptmänner doch hoffentlich nicht in Anlehnung an die "Hampelmänner" entstanden sein?
Der Verdacht könnte entstehen, denk nur an die heutzutage üblich gewordenen "Niko-Läuse".

Doch weg von den Männern zu den geschlechtsneutralen Leuten:

Gern würde ich wissen, ob in irgendeinem Bundesland die "Bezirkshauptfrau" bereits in die Landesgesetze Eingang gefunden hat.
Frau Dr.in Mayrhofer bezeichnet sich jedenfalls selbst als "Bezirkshauptmann in Melk" http://www.gendernow.at/downloads/02_mayrhofer_screen.pdf

Zwar ermöglicht es die Verfassung, sämtliche Titel in der weiblichen Form anzusprechen, doch wäre das
zu "- mann " nicht "- männin " ? (mittelhochdeutsch mennine)
In der Bibel hatten wir's noch: "Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist. " Die Landsmännin findet man ja auch nicht lächerlich.

Frau Ex-Landeshauptmann Klasnic (Stmk) bestand auf der Bezeichnung "Landeshauptmann", Frau Burgstaller (Sb) hingegen bezeichnet sich als "Landeshauptfrau", und "Land Salzburg" nennt Frau Dr. Drexler "Bezirkshaupt frau " und "Leiterin der Bezirkshaupt mann schaft Zell am See".
"Frau" ist aber historisch das Gegenwort zu "Herr" - zu "Mann" ist es "Weib" (daher heißt's ja auch "weiblich")...

Politische Korrektheit und sprachliche Korrektheit - schwierige Gebiete, nicht wahr?

K.

Re: "Landeshauptmann" - wozu "-männer" wenn es "-leute" gibt?

takacsbecs 08.12.2009
vielleicht sollten wir zu den "Mannen" zurückkehren...

Re: "Landeshauptmann" - wozu "-männer" wenn es "-leute" gibt?

Koschutnig 08.12.2009
Mannen? Aber das klingt ja gar so kriegerisch!
Ein noch älterer Plural war überhaupt endungslos, überlebt hat er in Wendungen wie "drei Mann hoch".
Das würde zwar das "-leute/-männer-Problem lösen, sicher aber nicht die Damen zufriedenstellen.

Wie wär's also, da "Mann" ursprünglich ja die allgemeine Bedeutung "Mensch" hatte, mit "Landeshauptmensch(en)"?

Die "Menschen" haben in letzter Zeit ja in den Nachrichten auch die früheren "Personen" ersetzt. Sonderbar übrigens, dass es da noch keinen Protest gegeben hat, wo doch "die Person" immerhin ein grammatikalisches Femininum ist, während "Mensch" doch eins der Maskulina ist und unnötigerweise neuerliche Gender-Probleme schafft. Andererseits ist "das Mensch" zwar ein grammatisches Neutrum, bezeichnet jedoch eine Frauensperson.
Ach, diese deutsche Sprache!

Ist schon jemandem aufgefallen, dass grade das Wort "Gender" eine kuriose neue Verwendung erfahren hat?
Vor ein paar Jahrzehnten war es im Englischen noch selbstverständlich, dass es "3 genders (masculine/femininine/neuter)",
aber - im allgemeinen - nur "2 sexes (male/female)" gibt:
"gender" - das grammatikalische Geschlecht,
"sex" - das natürliche Geschlecht.
Oxford Dictionary (1961) : "Gender: Grammatical classification of objects
roughly corresponding to the two sexes & sexlessness."
Und dann steht, dass es scherzhaft ("joc.") auch für "sex" stehen kann.
Das soll doch nicht etwa andeuten, dass "Gender-Studies" ein Witz sind?

Verwirrt grüßt

K.

Re: "Landeshauptmann" - wozu "-männer" wenn es "-leute" gibt?

JoDo 08.12.2009
"Landeshaupt lebens mensch(en)"?

Re: "Landeshauptmann" - wozu "-männer" wenn es "-leute" gibt?

Koschutnig 09.12.2009
wüüst mi lächt heekln

K

Re: "Landeshauptmann" - wozu "-männer" wenn es "-leute" gibt?

JoDo 10.12.2009
Aber mit dem größten Vergnügen!

Re: "Landeshauptmann" - wozu "-männer" wenn es "-leute" gibt?

takacsbecs 15.12.2009
sorry, hab ka Häkelnadel....

Halb so schlimm

System 21.12.2009
Mir fielen die "Landeshauptmänner" auf, ich meine daß diese Pluralbildung nicht ganz passt. Ich erinnere mich, daß wir im Deutschunterricht auf diese "Falle" bei der Mehrzahlbildung hingewiesen wurden, als wir "Schilling - Schillinge" diskutierten.

Beim Feuerwehr-, Bezirks- und Landeshauptmann ginge das Plural nicht auf "-männer" sondern auf "-leute". Also "Landeshauptleute". Die Leute sind auch geschlechtsneutral, wozu denn jetzt auf einmal die Männer?


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Du hast Recht; dieser Fehler kommt vor. Er bedroht aber die Qualität der deutschen Sprache nicht wie andere häufige Fehler.

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Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.