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LECKER - Sagt´s einmal

JoDo 02.02.2009
Kennt Ihr im deutschen Sprachraum noch andere ADJEKTIVIERTE/ADVERBIERTE VERBEN?
´lecker´ kommt von ´lecken´. Das ist das zur Zeit EINZIGE Verb, das es zu einem Adjektiv/Adverb umgebaut gibt.
In den 50-er, 60-er Jahren war aus Berlin das Adjektiv/Adverb ´dufte!´ ganz in Mode. Das ist das einzige andere adjektivierte/adverbierte Verb, das mir überhaupt noch einfällt.

Wozu also der Unsinn, wenn es doch so schöne Wörter wie ´köstlich´, ´gschmackig´, ´gut´gibt!

Nachtrag:
Gerade lese ich auf einer ganz gscheiten Seite
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/InflectionRules/FRegeln-A/Texte/Attrib-Pred.html?MenuId=Word3110
dass es sich bei dieser Wortart um
"Unflektiert und attributiv verwendete Adjektive" handelt.
Weiters verhält es sich so:
"Die Adjektive dieser Klasse werden sowohl attributiv als auch prädikativ und/oder adverbial verwendet."
Jetzt wissma´s.

Re: LECKER - Sagt´s einmal

JoDo 03.02.2009
Ja, natürlich!

Das ist ja die "ordentliche" Bildung eines Adjektivs/Adverbs.
Von DER Sorte ist ja auch gschmackIG von schmecken und köstLICH von kosten und natürlick pickIG von picken.

Was hier vorliegt, ist aber die direkte Überführung eines Verbs in ein Adjektiv/Adverb, so, wie ich es bisher nur im Beispiel
duften - dufte (´ne dufte Blume - ein hübsches Mädchen)
kennengelernt habe. Sowas ist in unserer Sprache gar nicht vorgesehen.

Etwas kann hörenSWERT oder hörBAR sein, aber nicht "hörCHE" oder wås was i.
Sonst hieße es doch statt gschmackIG: schmeckER (sagt man gelegentlich hetzhalber: lecker-schmecker) oder statt köstLICH: köstER

Ausgerechnet zu "lecken" wird "lecker" gebildet. Wäre die Bildung etwa "leckIG", so, wie "gschmackIG", wäre dagegen nichts zu sagen, außer, daß das niemand verwenden tät ...

Als Hauptwort hingegen ist der Lecker wohlbekannt: Speichellecker. Und da gibt es noch das eine oder andere Hauptwort, das mit ...lecker kombiniert werden kann.

Re: LECKER - Sagt´s einmal

Koschutnig 19.03.2009
Das sind alles ganz leckere Gedanken, da im FORUM!

Meine Tochter lebt dzt. in NL, und da hab ich, als sie unlängst auf Besuch da waren, meinem Enkel (4 J) bei Strafe eines dreitägigen "Leckere"- Nachspeis-Entzugs untersagt, in Österreich je wieder "lecker" zu sagen. - Und dann musste ich von meiner Tochter erfahren, dass diese Dutch da oben in den Niederlanden "lekker" zu allem sagen, wo wir gut, schön, prachtvoll, ausgezeichnet, hervorragend, toll usw. sagen. Die fahren sogar lekker Rad !
Ich hab mich dann kundig gemacht:

http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/sprachwissenschaft/ada/runde_1/f08a-b/

bietet schöne Verbreitungskarten für "lecker" und weiß noch mehr dazu, allerdings nichts zur Grammatik:

"Der Gebrauch des Wortes, wenn man mit einem Kind spricht, z.B.: "Oh, du hast ein Eis! Lecker!") macht aber deutlich, dass lecker in der Verwendung gegenüber Kindern auch im Süden geläufiger ist (und im Norden noch uneingeschränktere Zustimmung findet). Das Wort wird demnach außerhalb des Nordwestens vielfach (noch) mit "Kindersprache" assoziiert - dagegen wird es im Nordwesten nicht nur neutral in der Bedeutung 'wohlschmeckend' verwendet, sondern z.T. sogar noch allgemeiner als positives Adjektiv oder Adverb (nicht nur lecker Mädsche (Köln), sondern auch lecker warm - im Niederländischen sogar lekker fietsen 'schön radeln' u.ä.). "

Weitere Links findet man dort auch:
Phil.-Hist. Fakultät » Fächer » Germanistik » Deutsche Sprachwissenschaft » Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA) » Erste Runde: Ergebnisse » lecker

Seriöse Mitarbeiter sind willkommen - aber ACHTUNG: Es gibt keine Gewinne, Clix, Points usw. bei den Umfragen!
Bei Interesse:
http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/germanistik/sprachwissenschaft/ada/runde_6/


K

Re: LECKER - Sagt´s einmal

albertusmagnus 21.03.2009
Die Begründung, wie adjektivisch/adverbisch das Wort ist, interessiert mich kaum!

Es ist reinster Germanismus, der in der österreichischen Sprache nichts zu suchen hat, Durch die nahezu ausschließlich in Deutschland erfolgende Syncronisierung von Filmen wird dem österreichischen Idiom ohnehin genug Gewalt angetan.

Damit unterwandern Germanismen immer mehr die österreichische Gebrauchssprache, besonders bei Äußerungen zu Bewegungen dominiert die Germanische Diktion!

Lecker, lecker lecker!

JoDo 28.03.2009
04.05.2002 | Süddeutsche Zeitung | Deutschland | NRW-München
Lecker, lecker lecker!

Wie war das gleich wieder in Exodus7? Nein, das ist kein Computerspiel, das ist eine Bibelstelle, aus dem Alten Testament: „Jahwe ließ eine schlimme Seuche kommen, die Sprache der Werbefuzzis und Blödserienautoren. Darauf entstanden an den Menschen hässliche Beulen. Nach einer dreitägigen Finsternis ließ Jahwe das Wort „Lecker” über das Land kommen. ” Soweit die Bibel. Wir erwähnen die Stelle nicht nur, um den Blick auf sämtliche aktuellen Plagen der Menschheit (Krieg, Ozonloch, Effenberg) zu richten, sondern vor allem, um die Dimension des Kampfes zu verdeutlichen, den wir gegen die schlimmste aller Plagen aufnehmen müssen: Widerstand gegen „Lecker”! Verderben allen glücklichen Werbefernsehfamilien, die Frühstücksmargarine oder Tütensuppen mampfen und dabei „lecker!” kreischen! Sofortige sprachliche Umerziehung aller jungen Mütter, die ihre Kinder mit Aletebrei füttern und dabei „ooooh, lecker” stammeln!

Es handelt sich bei „lecker” zweifellos um das nervtötendste aller nervtötenden Modewörter – ein Wort, gegen das der übliche Teenieslang (voll super, endkrass) geradezu originell wirkt. „Lecker”, das klingt so militant fröhlich, so aufdringlich, dass es nicht nur der süddeutschen Sprachmentalität widerspricht, sondern jeglicher allgemein menschlichen Empfindung. So banal kann nicht mal ein künstlicher Orangensaft schmecken, dass man ihn als „lecker” bezeichnen muss.

Warum aber sagen plötzlich alle „lecker”? Im Supermarkt, in der Kantine, in der Schule, auf dem Spielplatz: „Total lecker, das Eis!” Eng verwandt ist der Begriff übrigens mit dem nicht weniger abscheulichen „Schnäppchen”, und wo sich dieses aufhält, ist der „Schnäppchenjäger” nicht weit. Vor zwanzig Jahren hat es diese Wörter zumindest in München nicht gegeben. Doch dann kamen das Werbefernsehen und Wolfram Siebeck. In der Reklame gehört „lecker” zum festen sprachlichen Inventar sämtlicher Lebensmittel-Spots. Und Siebeck, der Gourmet-Schnösel von der Zeit, würzt seine Betrachtungen etwa über das wahre Wesen der getrüffelten Perlhuhnbrust gerne mit einem dreifachen: „Lecker, lecker, lecker!”

Jahwe, kannst du die Plage nicht zurücknehmen? Hilft kein Beten wie bei den Heuschrecken? Nein, nichts hilft, gar nichts. Nicht einmal die einzige, heldenhafte Initiative, die uns bekannt ist: Mitten im Zentrum des „Lecker”- Geschreis, an einer Grundschule in Sendling, gibt es die Betreuerin eines Kinderhortes. Und die ist einfach unermüdlich, wenn die Kinder vor ihrem Mittagessen sitzen: „Herrschaftzeitn, des heißt ned lecker, des heißt: schmeckt gut!” Man möchte sie umarmen und die Siebenjährigen anflehen: Sagt meinetwegen, es schmeckt geil. Oder schmeckt supi. Oder schmeckt voll krass. Aber bitte nicht lecker, bitte nicht...

Arno Makowsky


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Re: LECKER - Sagt´s einmal

Weibi 06.04.2009
Na, und was sagt ihr zu: "Das ist nicht so mein Ding"?
Auch so eine Blüte, die in D bei jeder Gelegenheit verwendet wird. Ïn Ö etwa auch schon?

Re: LECKER - Sagt´s einmal

JoDo 06.04.2009
Für die Formulierung:
"Na, das iss´n Ding"
wüssat i wås:
"Des is a Gschicht!"
für dessen Gegenteil
leider noch nicht
...
oder vielleicht:
"Naa - des is ned mein´s..." ... ? ...

Re: LECKER - Sagt´s einmal

System 08.04.2009
jaja liebe Eltern

Wenn man mit den Kindern nur gekünsteltes Hochdeutsch spricht dann übernehmen diese halt den "Piefkeslang" aus dem Fernsehen.

Meine Meinung:
Unsere Dialekte und Umgangssprachen sind reich an Ausdrücken und Redewendungen mit denen man Gefühle, Eigenschaften, und was weiß ich was noch alles herrlich ausdrücken kann.
Wenn man diese beherrscht und aktiv anwenden kann, dann braucht man lecker und co gar nicht.

Aber den Kindern werden diverse Dialektwörter und Ausdrücke ja nimmer beigebracht, weil diese angeblich so ordinär, sozial unterschichtig und was sonst noch alles sind.

Würden die Alten mit den Jungen (auch mit den kleinen Kindern!) wieder ganz natürlich und ungeniert Dialekt reden (so wie sie es selber gelernt haben), dann wäre der erste Schritt gegen lecker, krass und Co schon getan.

Aber so wies' momentan ausschaut ist das die sprachliche Zukunft in Österreich. Ihr habt's es ja so haben wollen....

lg

Re: LECKER - Sagt´s einmal

System 14.04.2009
na, warum kommt jetzt keine antwort??

will mir denn niemand widersprechen

Re: LECKER - Sagt´s einmal

Weibi 20.04.2009
jaja liebe Eltern

Ihr habt's es ja so haben wollen....

lg


Hab mich nicht angesprochen gefühlt und fühl es mich auch jetzt noch nicht. Ich glaube, niemand in diesem Forum, sonst wären sie ja nicht hier.
Andererseits ist es ja wohl oft so, dass alles was von den Eltern kommt, oftmals unmodern, altmodisch, out und uncool ist. total daneben halt, und Kinder/Jugenliche wollen ihren Freunden ja nicht nachstehen und gar als ländliche Hinterwäldler "geoutet" werden, wie das halt leider oft der Fall ist.
Man kann es ihnen auch nicht verdenken, gerade in dem Alter, wo das Selbstbewusstsein mangelt, will man sich ja nicht ausgestossen fühlen.
Ich will nicht abschweifen, deshalb rede ich von Marken überhaupt nicht.

Wer die Schuld daran hat? Schwer zu sagen, aber die Schuld auf die Eltern zu schieben, ist gar zu einfach.

so, das war meine bescheidene Meinung.

Übrigens, schriebst du als Elternteil oder als Kind? Wenn Ersterer, fühlst du dich offensichtlich auch nicht betroffen. Wenn als Letzters - agierst du als Ankläger?

Wenn weder noch, von was redest du?

lg, Weibi

Re: LECKER - Sagt´s einmal

System 21.04.2009
@ weibi

Eher als Letzterer (bin jetzt 23) . Obwohl ich nicht als Ankläger agiere.
Ich habe mit meinen Eltern und Geschwistern immer Dialekt gesprochen. Und das mit dem Genieren kommt mir nur allzu bekannt vor (von früher wohlgemerkt).
Naja ich wohne auch in Klosterneuburg bei Wien (der Brutstätte der Gspritzten ). Da kannst die Leute in meinem Alter, die überhaupt noch einen richtigen Dialekt sprechen (können) wahrscheinlich auf zehn Fingern abzählen.

Und wenn ich z.B. Einkaufen gehe und da hör' wie die Eltern mit ihren Kindern reden, dann glaub ich schon.... naja wurscht....

lg

Re: LECKER - Sagt´s einmal

Weibi 22.04.2009
Hias,

viel Spass mit


Re: LECKER - Sagt´s einmal

System 24.04.2009
danke für den link

die what the fuck is bairisch reihe kenn ich. aber die folge habe ich noch nicht gesehn. is aber echt interessant.

und die ältere dame mit den kurzen haaren spricht mir teilweise aus der seele

Re: LECKER - Sagt´s einmal

zebra 28.04.2009
dazu möchte ich gerne auch was sagen.

es ist schon gut und wichtig, wenn man der deutschen schriftsprache mächtig ist.
ich habe beobachtet, dass es in manchen fällen so ist, dass sich eltern, die aus dem ländlichen raum kommen, einem goldenen handwerksberuf nachgehen und sich mitunter dafür schämen "nichts besseres" geworden zu sein, mit ihren kindern gerne hochdeutsch sprechen, es selbst aber nicht ausreichend können und dann wirklich "gschraubte" und sonstwie verdrehte dinge rauskommen.

ich kannte aber auch einen jungen burschen, der vor ca. 20 jahren in der volksschule so geschriebn hat wie er gesprochen hat, und sehr erstaunt darüber war, dass er alles falsch geschrieben hätte. Das ist das andere extrem.

Meine eltern und grosseltern hatten auch nur im Dialekt gesprochen, und das war auf einer grossmütterlichen seite die pulkautaler ui-mundart. ich war immer schwer enttäuscht, wenn ich ausdrücke aus diesem dialekt verwendet habe und jeder mich fragend angestarrt hat wovon ich da gesprochen habe.

ich finde es wirklich schade, dass immer mehr wert darauf gelegt wird "schön zu sprechen" anstatt seinen dialekt und somit gleichzeitig seine identität zu pflegen und darauf stolz zu sein.

und so geht es mir generell mit jedem dialekt, der "verschönt" wird. das tut doch richtig weh.

man kann ja beides können.

ich schreibe des öfteren gedichte und gedanken auf und tue das mit vorliebe in der mundart, weil die viel kräftiger ist und viel mehr nuancen und färbungen hat sich auszudrücken. hochdeutsch ist mir da zu steril. da kann ich das gar nicht rüberbringen, was mir so in tiefster seele brennt.

und ich finde eure seite wirklich toll!
danke und liebe grüsse
zebra

Re: LECKER - Sagt´s einmal

Koschutnig 27.09.2009
Wenn "lecker" "geschmacklos" ist:

Nachdem Bearbeiter des Karl-May-Verlags in der 1907 im März 1908 im Grazer Volksblatt - das ist der Österreich-Bezug! - erstmals veröffentlichten späten Karl-May-Novelle Abdahn Effendi das süße Fremdwort „deliziös“ durch das geschmacklose „lecker“ „ verdeutscht“ hatten (Bd. 48, „Das Zauberwasser“, Karl-May-Verlag Bamberg 1979, ISBN 33-7802-0048-1, S 324: „…Aber während sie kostete, sagte mir ihr Gesicht, dass ihr das Getränk überaus lecker vorkam“), hat bei der Verschiebung der Novelle in den Band 81 ein Bearbeiter mit mehr Geschmack den Text von Karl May wieder hergestellt („… in höchstem Grad deliziös vorkam“ ( K.M.’s Gesammelte Werke Bd. 81 „Abdahn Effendi“, Bamberg-Radebeul 2000, ISBN 3-7802-0081-3, S. 36,)

DANKE!

Der gesamte Originaltext im Grazer Volksblatt ist – in Fraktur-Reprint - nachzulesen auf
http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/primlit/erzaehl/sammlung/krumir/index.htm S. 278-303
oder leichter lesbar für Heutige:
http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/primlit/erzaehl/reise/abdahn/abdahn.htm als HTML-Datei, bzw.
http://www.karl-may-gesellschaft.de/kmg/primlit/erzaehl/reise/abdahn/abdahn.pdf als PDF-Datei

K. aus K. in K.

Re: LECKER - Sagt´s einmal

JoDo 30.09.2009
Was für eine wunderbare und hoffnunggebende (neudeutsch: Wunder bare und Hoffnung gebende) Nachricht!

deliziös

Re: LECKER - Sagt´s einmal

Koschutnig 01.10.2009
Dacht ich mir's doch, dass das Freude bereiten wird!
LG
K

Re: LECKER - Sagt´s einmal

takacsbecs 09.04.2010
Da wurde ja eine dufte Lawine losgetreten, mit dem "lecker".

Die hervorragende Übersetzung amerikanischer Serienfilme fürs Fernsehen (>Hast du Brüder und Schwestern?< anstelle von >Hast du Geschwister<) ist ein bezeichnendes Beispiel. Die deutsche Filmsynchronisation wurde zu Recht von einem Kabarettisten der Sechzigerjahre als "Deutschlands Rache an den Alliierten" bezeichnet.

Wir sollten glücklich sein, daß der ORF nur Sprecher (Moderatoren) und Redakteure einstellt, die unsere Sprache wirklich beherrschen. ("Heast, da Pepi hot a hockn beim radio, ois sprecha". "Owa der stottert jo". "Owa matura hoda")

Auch sollten wir dem ORF für die vielen Eigenproduktionen danken, mit denen der Kulturauftrag mehr als erfüllt wird, und mit denen vor allem die vielen schlecht synchronisierten Kinderserien ersetzt werden, die unseren Kindern beibringen, "kann ich mitkomm'" und ähnliches zu sagen.

Re: LECKER - Sagt´s einmal

Castor 14.06.2010
Das sind alles ganz leckere Gedanken, da im FORUM!

...

"Lecker" wurde in Österreich schon in den Fünfzigern im Sinn von "schmackhaft" verwendet, und ich empfand es nie als fremdartig, weil es auch andere Adjektiva/Adverbia auf -er gibt.

Als Erwachsener hörte ich es praktisch nie, bis es mir vor anderthalb Jahren besonders im mittleren Osten Österreichs wieder begegnete, wo es Kinder zu geben scheint, die kaum ein Synonym dafür kennen.

Re: LECKER - Sagt´s einmal

takacsbecs 22.06.2010
die österreichische form, die in den 50-er und 60-erjahren gebräuchlich war: "g'schmackig"...


Re: LECKER - Sagt´s einmal

Koschutnig 13.06.2012
Erworbenes Bleiberecht für "lecker"?

Am Hl. Abend 1918 erchien in der "Ostdeutschen Rundschau" in Wien ein Jubel-Poem eines Dr. Alfred Walheim, geb. in Ödenburg, der es später 2x zum Landeshauptmann des Burgenlandes bringen sollte, und darin verwendet dieser Mensch - o sadistische Grausamkeit: am HEILIGEN ABEND!!! - das Wort "lecker! Aber er war halt ein pangermanischer "Großdeutscher".

Heinzenland,
Burgenland,
kehrst du wiederum zu uns zurück?
Reich mir deine Hand, die deutsche Hand,
daß ich sie zum Willkomm faß und drück!

[...]

Wie des Märchens Fee
Hast aus Hof und Garten, Feld und See
Reichlich du den leckern Wiener Tisch beschickt,
hast aus deinem Stein,
massig, schlank und fein,
auch den Stephansturm uns himmelwärts gerückt

Den schauerlichen Rest hätt ich beinah unter "Kreatives" gestellt, doch da steht ja
"kreative Ausdrucksformen rund um/mit/über österreichischen Sprachgebrauch." `

Interessiert's wen trotzdem? Einen Heinzenländer vielleicht?

K-K-K

LECKER bei Grimm

System 14.06.2012
.

"LECKER, adj.
1) was zu lecken ist, köstlich, von vorzüglichem wolgeschmack, mhd. lecker: so mache zuom jüngesten ein klein lecker köstelîn. altdeutsches kochb. bei Haupt 5, 14; einem hungrigen, heiszhungrigen menschen einen leckern bissen dicht vors maul zu halten. Ebert bei Lessing 13, 173; man füttert ihn mit leckern speisen fast zu tode. Göthe 57, 231;
geh nun hin, und würge dir tauben, und hohle dir ferner
papageien zum leckernen (so) frühstück, nun seis dir erlaubet!
Zachariä Murner in der hölle (1757) s. 14; (...)"

http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&hitlist=&patternlist=&lemid=GL03114

Re: LECKER - Sagt´s einmal

JoDo 14.06.2012
Wenn ich mir diesen letzten link

http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&hitlist=&patternlist=&lemid=GL03114

genauer ansehe,
komme ich glatt auf die Idee, dass unser ´geliebtes´ LEKC(K)ER
gar nicht von ´lecken´, sondern von ´ locken ´ kommt!

leckerbrot, n. brot eines bösewichts (nach lecker 3):
leckerbube, leckersbube, m. böser bube (vergleiche lecker 3)
leckerei, f. , nach lecker und dem verbum lecken, in verschiedenem sinne;
• mutwilligkeit, wie sie ein junger laffe hat (nach lecker 3): das er die leckerei oder geilheit seines eignen fleisches mög undertrucken. Keisersberg seelenpar. 39a.
• niederträchtigkeit, gesinnung und aufführung eines buben oder nichtswürdigen (lecker 2 und 3)
lecker 3) übertragen, wählerisch in bezug auf andere sinnenreize und geistige nahrung


Demnach wäre ´lecker´ also: verlockend, appetitlich, verführerisch ...
... alles hübschere Adjektiva als ´lecker´.

Re: LECKER - Sagt´s einmal

JoDo 29.07.2012
Castor hat geschrieben:
"Lecker" wurde in Österreich schon in den Fünfzigern im Sinn von "schmackhaft" verwendet, und ich empfand es nie als fremdartig, weil es auch andere Adjektiva/Adverbia auf -er gibt.
Jetzt tät´s mich aber interessieren:
Welche anderen Adjektiva/Adverbien auf -er gibt es?

Re: LECKER - Sagt´s einmal

JoDo 30.07.2012
Also - beanworte ich meine Frage gleich selber:

Adjektiva auf -er sind einmal die Ortsadjektiva:
Der Wiener Wald, die Frankfurter Küche, ...
"Jeder der Interesse hat, sich für die Gemeinde Leck, die Lecker Wirtschaft und den Tourismus zu engagieren, kann sich gerne bei Sven Lück (04662 3508) melden und sein Interesse bekunden."
http://www.leck.de/

Überrascht hat mich die magere Ausbeute bei meiner Suche:
https://www.google.at/search?q=Adjektive+auf+-er&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t

Dann bekam ich unerwartete Hilfe von einem anderen Forumsleser:
"bitter, teuer, wacker, sauer, (un)sauber, geheuer, ungeheuer, düster, finster, heiser, heiter, (un)lauter, munter, hager, schwanger, tapfer, (un)sicher, nieder, unter, ober".

Ah ja! Da sind ja doch einige auf -er.
Aber welches davon stammt von einem Verb?

Kommt bitter von bitten, teuer von teuen, wacker von wacken, ...?
Ausgerechnet lecker sol von lecken kommen, das will ich nicht glauben.

Re: LECKER - Sagt´s einmal

Koschutnig 31.07.2012
Kommt bitter von bitten, teuer von teuen, wacker von wacken, ...?
Ausgerechnet lecker sol von lecken kommen, das will ich nicht glauben.
Nun, die Etymologie erforscht die Entwicklung der Wörter, und da findet sich dann mitunter Unerwartetes:

wacker“ ist mit „wach“ verwandt und kommt beinah wirklich von „wacken“, doch das sieht heut’ anders aus, nämlich „wecken“ (ein Kausativum „wach machen“). Ahd. bedeutete „wacker“ noch „wachsam“, mhd. dann „wachsam; frisch, hurtig“ (> "wacker an Werk"). Übrigens hat’s vom Ahd. bis ins 15. Jh. auch noch eine 2. Form davon gegeben: „wacher“.

Also ist „lecker“ tatsächlich nicht das einzige Adjektiv auf -er, das von einem Verb abgeleitet ist. Andere, die’s mhd. auch noch gegeben hat, sind inzwischen allerdings aus dem Sprachgebrauch verschwunden: Zu „kleben“ hat’s ein „kleber“ (= klebrig) gegeben und zu „schlüpfen“ ein „slipfer“ (= schlüpfrig)

Der inhaltliche Zusammenhang zwischen heutigem „lecker“ („schmeckt gut“) und „lecken“ ist , dass „lecker“ einst „zum Lecken reizend“ bedeutete – hmmm!

Re: LECKER - Sagt´s einmal

JoDo 31.07.2012
... Also ist „lecker“ tatsächlich nicht das einzige Adjektiv auf -er, das von einem Verb abgeleitet ist. Andere, die’s mhd. auch noch gegeben hat, sind inzwischen allerdings aus dem Sprachgebrauch verschwunden: Zu „kleben“ hat’s ein „kleber“ (= klebrig) gegeben und zu „schlüpfen“ ein „slipfer“ (= schlüpfrig) ...
Da habe ich gefunden:
mittelhochdeutsch kl ë ber »klebrig, klebend«
http://www.enzyklo.de/Begriff/Kleber
Mhd. slipfer , slipferic und slupfer, slupferig schlüpferig gehen auf verschiedene, wenn auch verwandte Wurzeln zurück.
http://home.us.archive.org/stream/deutschegrammat00wilmgoog/deutschegrammat00wilmgoog_djvu.txt

Meine Idee dazu wäre, dass es da ein ´missing link´ geben müsste, ein ´Ur´-Adjektiv
kl ë ber ist bereits ein solches, hergeleitet von klebend, klebig, klebrig, ...

noch einmal (Behauptung!)
lecker kommt nicht von lecken sondern von (ver)locken < verlockend < ´l ö cker´< lecker

Re: LECKER - Sagt´s einmal

JoDo 04.09.2012
Gefunden:

"Schade, dass das Wort „wacker“ (etymologisch mit „wach“ verwandt, aber nicht mit „Wackerstein“, der kommt vom süddeutschen „Wacke“=Stein) allmählich verschwindet! Warum der Siegeszug des klangähnlichen Wortes „lecker“ mich nicht darüber hinwegtröstet? Keine Ahnung. Ich weiß nur: Einen Karneval, dessen Hymne „ Lecker, lecker “ heißt, den würde ich durch Abwesenheit strafen."

http://diepresse.com/home/meinung/feuilleton/kramarmetware/572462/Wacker-wacker-Johannesburg




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.