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Kuli = "Kugelschreiber"

Koschutnig 08.01.2009
Ich hab mich gefragt, ob das ugs. "Kuli" für den Kugelschreiber auch in Deutschland im Umlauf ist.
Der "Tintenkuli" ist ja ein weit älteres Schreibgerät als der Kugelschreiber - seit 1928 ein Füllhalter mit Röhrchenspitze statt Feder von der Fa. Rotring, ein "Synonym für problemloses Schreiben im Alltag", das in 34 Länder exportiert wurde, ein Füllhalter, der jedoch nichts mit "Kugel" zu tun hatte ( http://www.kulturgutschrift.de/Rotring ). Erst 1955 kam dann der Rotring Rollkuli auf den Markt - ebenfalls nachfüllbar und mit einer Spitze aus echtem Rubin. Doch da war der ordinäre Kugelschreiber ("ball point") längst schon auf dem Markt, den Lászlo Biró 1938 erfunden hatte und der daher ugs. "Biro" auf Englisch und Italienisch heißt (Frz. 'stylo' kommt from 'Stylographen', der noch ein wenig älter als der Tintenkuli ist).

"Tinten-Kuli" war eine Wortschöpfung von Max Harden 1891 für den hart arbeitenden "Lohnschreiber", den Journalisten, gewesen.
Der originale Tintenkuli (also der neuartige Tintenfüllhalter) sollte wohl die Kuli-Schwerarbeit des Schreibens übernehmen. Ich hab damit noch geschrieben, und es war viel bequemer als mit der Füllfeder, wenn er sich auch nicht für Schönschrift eignete.

Die neuartigen Kugelschreiber andererseits waren bei uns selten, und da bei den allerersten ("Go-Pen") die Schrift nach einiger Zeit verblasste und schließlich nicht mehr erkennbar war, waren hierzulande Kugelschreiber lange Jahre noch für den Dokumentengebrauch untersagt ! Wie aber dann jedoch die problemlosen Tintentod-Stifte auftauchten, wendete sich das Blatt. Die neue Vorschrift des Unterrichtsministeriums der Mitt-Sechziger Jahre dekretierte z.B., Zeugnisse seien "mit Kugelschreiber oder mit dokumentenechter Tinte" zu schreiben.

Dass die Bezeichnung "Kuli", die nichts mit "Kugel" zu tun gehabt hatte, auf den "Kugelschreiber" übergegangen ist, find' ich jedenfalls interessant. Aber das "Moped" (= "Motor und Pedal") hat ja auch keine Pedale mehr, die anfangs Vorschrift waren; jetzt muss man's schieben, wenn der Motor streikt.

Wir "drehen" auch noch das Licht an und ab/aus trotz aller Kippschalter seit über einem halben Jh. und grüßen - aber bitte ja nur - ausgerechnet ! - bei entsprechender Vertrautheit mit "servus" (= "Diener"!!).

Die zurückeroberte "Marmelade" kommt von portug. 'marmelo', und das ist die Quitte. Aber gerade bei der Quitte sprechen wir vom "Quittenkäs", nicht von der "Quittenmarmelade".
In England bestehen "marmelades" übrigens nicht ausschließlich aus Zitrusfrüchtenn, sondern auch (selten zu finden) aus Quitten.
"Dial the number" heißt's englisch jedoch immer noch auch bei den Tastentelephonen, obwohl sie kein "Dial" - die runde Wählscheibe - mehr haben, die ihren Namen aber wieder von der Zeitskala der (Sonnen-)Uhr geklaut hat (zu lateinisch 'dies' =Tag).

Wortbedeutungen... Nichts speziell Österreichisches außer'm Servus, ich weiß; aber fallen jemandem noch ein paar Bespiele für stehengebliebene Wörter ein, die von der Entwicklung überrollt worden sind?

Den Kärntner Reindling bäckt kaum mehr jemand in der Rein, sondern verwendet die Gugelhupfform,

die Taferlklassler schreiben längst nicht mehr auf jene Schiefertäfelchen, die am Schulranzen hingen.
Zu den Limonaden braucht's keine Limonen oder Zitronen, dazu zählen jetzt laut Lebensmittelcodex auch CocaCola und Almdudler,
und die Strohhalme dazu sind nicht aus Stroh, sondern aus Plastik.
In der Drogerie kriegst keine Drogen, sieht man von Aspro und Aspirin ab, und die Sandkastenspiele der Politiker und Armeeführer finden heutzutage am "grünen Tisch" statt. Möcht' jedoch umgekehrt einer im Sandkasten dann ein solcher Politiker werden, kichert ein ganzes Land...

Die Antwort auf meine Frage aber, ob "Kuli" auch in D üblich ist, hab ich übrigens gefunden: Sie ist Jawoll, und wie!!!


K.

Das Nomen 'Kuli' ist umgangssprachlich.

System 04.05.2009
Das Nomen 'Kuli' ist umgangssprachlich (nicht standardisiert).

der Kugelschreiber = Gemeindeutsch (Standarddeutsch in at, ch, de).

Re: Kuli = "Kugelschreiber"

Castor 08.03.2010
@ Koschutnig

Dern Bleistift hast du uns unterschlagen, du Schuftwuzl! Der hat auch längst keine Mine aus Blei mehr. http://us.i1.yimg.com/us.yimg.com/i/mesg/emoticons7/14.gif

Die Quitte auf Portugiesisch "marmelo", in Brasilien sagen sie "marmela" und "marmelada" das Quittengelee, woher sich natürlich der Ausdruck "Marmelade" ableitet. Die Briten aber verwenden "marmalade" für Marmalade aus Zitrusfrüchten und für andere Sorten "jam" (Zermatschkertes), weshalb man uns den Ausdruck "Marmelade" in der EU verbieten wollte, damit sich die Briten nicht gefrotzelt fühlen.

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Die spinnen, die Briten! [/list:u:1tcsf6dd][/list:u:1tcsf6dd]




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Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.