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Keine eiskalte Geschichte zum Herzerwärmen

Brezi 03.08.2008

Re: Eine eiskalte Geschichte zum Herzerwärmen

JoDo 05.08.2008
Na - gaaanz lieb! - fast wie selbst erlebt ...

Autobiographie?

Brezi 05.08.2008
Gute Intuition von dir. Na fast so war's bei mir. Nur bei mir war's nicht die Barawitzkagasse, sondern der Reumannplatz, nicht Winter, sondern Sommer, es hat gleich der Erste hilfsbereit seine Karte gezückt, und ob am nächsten Morgen die Kassierin an der Filiale vorbeigekommen ist, weiß ich somit nicht. Da war ich schon zhaus.

Aber "meine" Kassierin heißt fast Fink: Funk.

Geschrieben habe ich die Geschichte aber deshalb, weil wir in einer Welt leben, wo uns jeder was reindrücken und kaum einer helfen will.

Wenn sie noch jemandem beim Wienerisch-Üben hilft, umso besser.

Re: Eine eiskalte Geschichte zum Herzerwärmen

Russi [Admin] 15.08.2008
Des is a Gschicht!

Richtig schön und erfrischend die Geschichte zu lesen. Man liest sich mit einem Lächeln durch die Zeilen und freut sich.

Danke Dir für diese Geschichte.

Konnte es fast flüssig lesen, nur hin und wieder musste ich "lautmalen" - wohl auch weil ein NÖer nicht alles genau so sagen würde

Gruß
Russi

Re: Eine eiskalte Geschichte zum Herzerwärmen

Weibi 23.08.2008
Brezi,

ich stimme überein: Deine Geschichte ist herzerwärmend, wenn auch am Ende etwas wehmütig.

Ich hätte mir (ich kann nichts dafür, ich bin nun mal als Weiblein geboren) ein Happy-End vorstellen können, ungefähr so:
„Zwei einsame Herzen kommen sich durch eine banale Begebenheit näher.
Sie trinken zusammen Kaffee und lernen sich kennen und schätzen.
Und wer weiss, vielleicht werden sie die vielen nutzlos verlorenen Jahre bedauern,
sie hinter dem Schalter, er davor, ohne jemals auch nur ein privates Wort gewechselt zu haben.“

Warum lächeln die beiden, als sie in entgegengesetzte Richtung auseinandergehen?
Frau Fink hat, wenn überhaupt, nur einen Grund: Sie hat die Gewissheit, altruistisch einem Menschen geholfen zu haben.
Ist sie eine Mutter Teresa? Ich glaube nicht.
Ihr Lächeln hat einen traurigen Beigeschmack.

Und was ist mit Markus? Nun ja: Er hat seine Kreditkarte wieder! Das ist Grund genug.
Oder lächelt er, weil es für ihn einen Anfang bedeutet? Ist er schüchtern?
Warum ergreift er die Gelegenheit nicht, wenn sie sich präsentiert?
Kaffee zu Hause als Wärmespender ist ein unbefriedigender Ersatz für menschliche Nähe.
Platt hin oder her: Er hat den Augenblick verpasst, das hier und jetzt.
Und was die Zukunft bringt .....
Schade. Mehr für Frau Fink als für Markus.

Nun ja, ich weiss natürlich, es ist eine Geschichte zum Wienerisch üben,
und als solche ist sie sehr einfallsreich und ganz einfach toll!

Ach Weibi!

Brezi 24.08.2008
Also vordergründig lächeln beide aus den Gründen, die du nennst. Aber ich glaube, Markus lächelt auch, weil er auf einmal merkt, wie nett er die Frau Fink findet. Und Brigitte? Weiss nicht, ich bin keine Frau. Aber die beiden werden sich ganz bestimmt wiedersehen, haben sie doch eine Bankfiliale in der Barawitzkagasse als etwas Gemeinsames in ihrem Leben. Aber wäre ich Markus gewesen, hätte ich der netten Frau Fink nicht unbedingt dann meine Herzenswünsche gestanden, wenn sie sich aus lauter Nettigkeit gerade so sehr angestrengt hat, um mir zu helfen. Das würde mich zu sehr an eine Begebenheit in Griechenland erinnern, wo eine attraktive Wienerin mir angeboten hat, den Rücken einzucremen und ein Mann gesagt hat: "Jetzt müssen Sie sich revanchieren und ihr anbieten, sie vorne einzuschmieren". Der Typ bin ich einfach nicht. Auch wenn ich es genossen hätte.

@Russi: Fein, dass du das auch verwenden konntest, um dein Wienerisch noch mehr zu verbessern. Ja, es ist halt so, dass man unseren Dialekt am besten lautmalerisch wiedergibt. Wenn ich den Strudl in Österreichs grösster (?) Tageszeitung lese, muss ich ihn auch laut vorlesen, um zu kapieren, was der meint.

Aber zuallerallererst ist die Moral dieser Geschichte, dass dir viele Leute was anbieten, aber nur selten, um dir zu helfen, sondern meistens, um dir etwas zu verkaufen. Ich sage immer: wenn wir Papier essen könnten und nur das Papier ässen, das bedruckt wurde, ohne dass es jemand anderen interessiert, gäbe es auf der Welt keinen Hunger. Aber leider ist Zellulose für Menschen unverdaulich. Ein Irrtum der Schöpfung, weil damals niemand eine Ahnung hatte, wie sich der Mensch entwickeln würde.

Re: Eine eiskalte Geschichte zum Herzerwärmen

Weibi 24.08.2008
Wie was wo warum? - Hab ich was von Sex gesagt?
Bitte nochmal genau lesen, wenn du Zeit dafür aufbringen kannst.

Ist aber auch nicht so wichtig - kanns nur nicht leiden, wenn ich falsch interpretiert werde.
Einladung zum Kaffetrinken als mehr oder weniger versteckte Aufforderung zum Sex -
das geht meistens von Männern aus. Tja, die kleinen Unterschiede ....

lG, Weibi

Ja natürlich.

Brezi 25.08.2008
Liebe Weibi!

Ich weiß, das von mir gewählte "griechische Beispiel" war dumm gewählt und gibt Anlass, den vollen Sachverhalt auf die Szene in der Bank zu übertragen. Ich habe aber nur so weit gedacht: die Frau macht sich an einem freien Tag erbötig, dem Mann einen Kaffee aufzubrühen. Er findet es schon genug, dass sie ihm vorher aus der Patsche geholfen hat. Und weil ihm auffällt, dass er die Frau auch ein bisschen gern hat, flüchtet er lieber, bevor sich (vielleicht einseitig) etwas anbahnt. Ich habe (zumindest bewusst) nicht gemeint, dass sich Markus von der hilfsbereiten Kassiererin Samstagvormittagsex in einer Döblinger Bankfiliale erwartete.

Im übrigen (auch meine Beiträge kann man evtl. mit mehr Aufmerksamkeit lesen) habe ich den im wahrsten Sinne des Wortes schmierigen Vorschlag des Wiener Touristen damals spontan verworfen, weil mir (und das ala Mann!!!) klar war, dass das freundliche Angebot der netten Frau am Strand nicht mehr war als das, was sie tatsächlich zu mir sagte. Was sich die Teile von mir gewünscht hätten, die der Ratio nicht direkt unterliegen, während sie sich mir näherte, schaffte mein Großhirn in einer bravourösen AKtion zu unterdrücken, auch wenn das bei dem Outfit, in dem sie sich mir näherte, eine gar nicht leichte Aufgabe war (ihr Outfit war nämlich, dass sie gar kein Ourfit anhatte). Aber so sind Männer. Solche Nebensächlickeiten vergessen sie auch nach 20 Jahren nicht (um genau zu sein: 20 Jahren und 2 Monaten). Wie sonst hätte sich diese anzügliche Assoziation sonst in dieses Thema geschlichen?

Und da ich Thematiken wie dieser mental nicht gewachsen bin, werde ich das nächste Mal wieder über Eiswürfel, kaltes Wasser und warme Hände (mit und ohne Glühweinglas) schreiben. Auch so kann man Wienerisch vermitteln, falls das überhaupt jemand will. Wie die Fakten zeigen, kann ich so viel in ostarrichi gar nicht mithelfen, die anderen österreichischen Dialekte moralisch zu unterstützen, dass nicht alle Menschen westlich von Purkersdorf und südlich von Mödling zu mir sagen würden, ich sei ein arroganter Hauptstädter, einfach weil alle Wiener arrogante Hauptstädter sind, auch wenn sie - wie ich - schon 46 Jahre im Favoritner Exil leben. Vielleicht fahre ich deswegen so viel ins Ausland auf Urlaub. Im Inland (und natürlich auch in Altbayern) haben selbst die rechts Wählenden nur mehr chinesische Angestellte (oder noch besser einen Roboter oder Hausschimpansen), damit sie sicher gehen, es ist kein Wiener.

Klingt alles sehr ernst und verbittert. Ist es auch.

Grüße, auch an alle hier Mitlesenden.

Brezi

Land: Österreich
Bundesland: Wien
Sprachvarietät: nicht vollkommen standardisierte Schriftsprache.

Re: Eine eiskalte Geschichte zum Herzerwärmen

Weibi 25.08.2008
Mein Lieber,
mit dem letzten Absatz fühl ich mich gar nicht angesprochen.

Weisst du, wenn du Monologe halten willst bzw. wenn du dir als Antwort lediglich erwartest "Ach wie nett", "Phantastisch", "Hat mir gut gefallen" oder ähnlichen Schmus, dann muss ich leider passen. Das langweilt mich. Hier sollten wir doch interaktiv sein, oder seh ich das falsch? Wenn ja, steig ich lieber in Wikipedia ein und/oder in eine Seelsorgeseite. Diese dürften alle Bedürfnisse eines normalen Menschen abdecken.

Bis jetzt war es schon so, dass gerade du mich zu vielen meiner Beiträge hier angeregt hast.

Und da ich Thematiken wie dieser mental nicht gewachsen bin, werde ich das nächste Mal wieder über Eiswürfel, kaltes Wasser und warme Hände (mit und ohne Glühweinglas) schreiben. Auch so kann man Wienerisch vermitteln,...
Wenn du jedoch nicht mehr meine "Muse" sein willst, dann schreib halt über Eiswürfel, kaltes Wasser ....

So, das Pulver ist verschossen, und wenn sich der Rauch verzogen hat, was dann?

Liebe Grüsse, Weibi

Re: Eine eiskalte Geschichte zum Herzerwärmen

Brezi 25.08.2008
mit dem letzten Absatz fühl ich mich gar nicht angesprochen


Ich beteure, dass ich damit auch nicht dich ansprechen wollte. Das ist mir nur gerade eingefallen, weil ich mich über etwas Bestimmtes geärgert hatte, das nichts mit dir zu tun hat, und war dafür gedacht, wenn vielleicht jemand anderer hier liest. Nachträglich muss ich zugeben, dass das leicht zu missverstehen war. Entschuldige!

Hier sollten wir doch interaktiv sein, oder seh ich das falsch?

Ich sehe es zumindest genau so. Ob wir beide es richtig sehen, weiß ich natürlich nicht Aber sag, was ist der prinzipielle Unterschied zwischen deiner und meiner "Interaktivität"?

Wenn du jedoch nicht mehr meine "Muse" sein willst, dann schreib halt über Eiswürfel, kaltes Wasser ....


Dass ich jemandes Muse bin, ehrt mich und ist mir noch nie passiert. Aber "inspieriert" würde ich das nicht nennen, was ich bei dir ausgelöst habe. Eher habe ich da ein schlechtes Gewissen. Und weil deine Antwort ein wenig eine alte Wunde von mir aufgestierlt hat, habe ich ebenfalls nicht schmuseweich reagiert, also so, wie du es angeblich magst.

So, das Pulver ist verschossen,


Meines ist wirklich ganz verschossen, aber nicht wegen dieser Geschichte. Ich bin aus anderen Gründen ausgepowert und könnte darüber auch mehr schreiben. was aber ebenfalls demZweck dieser Seite nicht gerecht würde. Seelsorgeseite ist gut. Leider ist es mit Seelsorgeseiten generell so wie mit den Menschen, die Markus aus der Geschichte in jener Freitagnacht "helfen" wollen. Aber sag mir einen Geistlichen, egal welcher Religion, der wirklich das Wohlergehen der Ratsuchenden als oberstes Ziel hat und nicht das Anwerben neuer Seelen. und ich schreib dem.

und wenn sich der Rauch verzogen hat, was dann?


Keine Ahnung. Derzeit bin ich krank und nur dreimal zum Ostarrichischauen aufgestanden. Und ich fühle mich generell traurig und denke viel über das Leben nach. Das sehe ich aber positiv, denn dabei bewegt sich was. Bei Depressionen hingegen ist man gelähmt und hat Angst. Wie aber immer, das ist nicht der geeignete Ort, um darüber zu schreiben. Außerdem denkt es sich ohne Bildschirm und Tastatur leichter nach. Du hab jedenfalls weiter viel Spaß und Freude hier. Wenn ich mich hier vielleicht zu oft für den Wichtigsten gehalten habe, dann tut es mir (für alle) leid. Auf jeden Fall bin ich es nicht. Ich glaube auch nicht dass dir deine zwei tief gehenden Liebesgeschichten aufgrund meiner Inspiration eingefallen sind. Die sind dir allein eingefallen. Wenn du mich also fragst, wie es weitergehen soll, dann antworte ich: dass wir beide das machen, was uns gerade das Wichtigste ist. Es mus nicht immer dasselbe sein.

Einen schönen Abend.

Brezi




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Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

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Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.