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Imperativ

JoDo 31.08.2008
Liebe Forumsleser!

Eine PN hat mich auf einen Fehler aufmerksam gemacht, den ich aber auch bei genauerer Betrachtung subjektiv nicht als falsch empfinde:

Ich sage nämlich als Imperativ von "lesen": les´! - richtig wäre, so die Nachricht: lies!

Gut, ja, das weiß ich schon, dass das so heißt, aber in Wirklichkeit, draußen auf der freien Wildbahn sag´ich´s nicht.

Auch habe ich in einer Blitzrecherche im Netz

http://www.google.at/search?hl=de&client=firefox-a&rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&hs=lwL&q=les%2Bdir%2Bdas&btnG=Suche&meta=lr%3Dlang_de

feststellen können, dass ich da gar nicht alleine bin mit meiner Fehlleistung.

Bitte sagt mir Eure Meinung und beteiligt Euch an der Umfrage

[code:31fkppda]Anmerkung zur Umfrage:
Ich hätte sie gerne ein bisserl ausführlicher formuliert, allein das Programm begrenzt die Eingabe mit 100 Zeichen, da war nicht mehr drinnen![/code:31fkppda]
vlG JoDo

Abgeleitet von der 2. Person Singular des Indikativs

System 31.08.2008
.

... Ich sage nämlich als Imperativ von "lesen": les´! - richtig wäre, so die Nachricht: lies!


Der Modus 'Imperativ' von 'lesen' lautet im Standarddeutsch:

Lies! (2. Person Singular)
Lesen Sie! (2. Person Singular, Höflichkeitsform)

Lesen wir! (1. Person Plural)
Lest! (2. Person Plural)
Lesen Sie! (2. Person Plural, Höflichkeitsform)

Die 2. Person Singular des Imperativs wird abgeleitet von der 2. Person Singular des Indikativs, indem die Endung gekappt wir: "Du liest." > " Lies!"

http://www.dsporto.de/Ubungen/imperativregeln.htm

Dies ist die korrekte Antwort. Es gibt nichts zu diskutieren.

.

Re: Imperativ

JoDo 31.08.2008
Das ändert aber nichts an der TATSACHE, dass sich eine große Zahl von Sprechern/Schreibern nicht um die standarddeutsche Korrektheit schert und unbekümmert
LES´
sagt und schreibt.

Das ist die sogenannte
NORMATIVE KRAFT DES FAKTISCHEN
darüber gibt es auch nichts zu diskutieren!

Hier einige Ergebnisse meiner Recherche:

Gut gemerkt !
Jetzt geht‘s weiter im Stoff
-
Leider falsch !
Les dir den Text nochmals genau durch!
weiter
-
Sehr gut!
weiter
http://www.e-teaching-austria.at/02_cont/03content/03_biologie/Haltung/01_wirbeln/haltung01.pps

Das Lesen:
Lese jeden Tag.
• Niemand versteht sofort. Nimm dir also Zeit und lies besser
einen Text in der Woche richtig. Stelle beim Lesen eine Frage
an den Text.
http://fachschaftdesign.panicpixel.com/lesen_schreiben.pdf?675297bfce5ea7408a86cc64a92e8601=de2e39528ac2490a8ef89c360b168cf9

Marcus les dir das mal durch jetzt weist wie ich lebe
Sonstiges · 19. Juli 2008 10:19
http://www.spin.de/hp/~Andrea~@spin/blog/id/3146647

steffi les dir des bitte durch...bitte..!!
Sonstiges · 18. August 2008 19:31
http://www.spin.de/hp/!Chaotic_Dreams!/blog/id/3379558

LeS DiR DaS BiTtE GaNz DuRcH!
http://alenababe123.piczo.com/Lesen.Bitte?cr=5&linkvar=000044#

infos findest du bei den links, die ich gepostet habe. les dir das am besten mal durch, ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen
http://www.univie.ac.at/studieren/forum/viewtopic.php?p=3089&sid=d2aaaa2ba43584a9839a1cafce4aaa28

les dir das mal durch, wenn du unsicher bist
http://www.netdoktor.at/debatte/boards/index.php?list,364,template=nd_frames&read,364,412686,412810,template=nd_frames

aber wie gesagt, les dir einfach mal den Creatin Thread durch!
http://www.bodybuilding-forum.at/archive/index.php/t-38168.html

Der Hund wurde nicht gekauft, les dir alles genau durch...
http://www.kaninchen.at/smf/index.php?topic=22661.msg368302

Re: Imperativ

Amalia 31.08.2008
Kurz und bündig: I les! ob und zu a do.

Vertrete eher das andere Extrem

Brezi 31.08.2008
Ich gehöre eher zu denen, die in der Alltagssprache sagen: ich lies das. Das bedeutet genau den umgekehrten Trend wie von JoDo beschrieben. Die meisten meiner Kollegen sagen dafür: er lest, besonders wenn mit 'er' der Computer bzw. das Programm, das dort läuft, gemeint ist.

Re: Imperativ

JoDo 01.09.2008
Da kann ich "Brezi" nur beipflichten, ich sag´s zwar nicht gar zu oft, es kommt mir aber durchaus auch über die Lippen:

I lies - du lest - er lest - ...
Da ist noch gar kein Imperativ involviert.

Für "oberhaenslir" und alle weiter entfernten:
Das ist (ostösterreichische ?) Umgangssprache und unterliegt hiemit nicht der Grammatik des Standarddeutschen.

Re: Imperativ

Halawachl 01.09.2008
Interessant!
Ich les mir des jetzt alles noch amal durch.
Und Du, der's noch nicht gl'esn hat: Les des doch bitte auch!
Hlw.

Re: Abgeleitet von der 2. Person Singular des Indikativs

Koschutnig 02.09.2008
.

Die 2. Person Singular des Imperativs wird abgeleitet von der 2. Person Singular des Indikativs, indem die Endung gekappt wird.

Dies ist die korrekte Antwort. Es gibt nichts zu diskutieren.

.


Nun, gar so simpel, wie hier behauptet wird, ist's mit dem Imperativ Sg. doch nicht.

Da gab's einen Mann names Angelus Silesius, der seinen Mitmenschen empfahl.
"Mensch, werde wesentlich!" (Epigramme)
und einen gewissen Grillparzer, der wünschte
"Werde, was du noch nicht bist,
Bleibe, was du jetzt schon bist;
In diesem Bleiben und diesem Werden
Liegt alles Schöne hier auf Erden"
( Gedichte 1873, In ein Stammbuch)

Nach oberhaenslirs Regel "Sg.Imp. = 2.Sg.Ind minus Endung" hätten die beiden statt werde doch wir (von du wirst ) sagen müssen.
Gut, sind recht alte Leute (17. bzw. 19.Jh.), die kannten die Regel noch nicht. Doch auch heut kläng's irgendwie komisch, würd' jemand sagen: "Wir, was du noch nicht bist" oder "Mensch, wir wesentlich".

Bei bleib(e)! ärger(e)! verlang(e)! u.v.a funktioniert die Regel auch nicht mehr richtig, denn du verlangest etc. ist definitiv veraltet.

Und wie steht's mit du trägst/trag(e)!, du lässt/lass(e)! u.a.?
Nach der "Regel" wär's träg! und läss!"

Und was ist mit du weißt/wisse! ?

"Wisse, dass mir sehr missfällt, wenn so viele singen und reden!
Wer treibt die Dichtkunst aus der Welt -
die Poeten" (Goethe,West-östlicher Divan)

Und da ist
du hast/hab! ( Hab Geduld! nicht: Ha Geduld! )
und da ist
du bist /sei! ( Sei still! nIcht: Bi still - im Englischen allerdings: Be quiet )

Mit Regeln ist es halt so eine Sache - die Ursache für all diese Formen liegt nämlich ganz wo anders, auch jene für das heute hochsprachlich nicht korrekte i(ch) lies und das hochsprachlich sehr wohl korrekte lies!

Re: Vertrete eher das andere Extrem

JoDo 03.09.2008
Ich gehöre eher zu denen, die in der Alltagssprache sagen: ich lies das.

Du, Brezi!
Da könnte man, wenn man wollte, noch eine ganze Reihe von vokalveränderten Worten aufstellen! Påckma´s?

ich lese - i liis
ich sehe - i siich
ich werde - i wia (neben i wea: i wia´r a Lawal - i wea narrisch)
...

Mit der Bitte um weitere Beispiele
JoDo

Bei den starken Verben wird der Imp. vom Konjunktiv abgeleit

System 03.09.2008
.

Meine Antwort galt für die schwachen Verben.

Bei den starken Verben wird der Imperativ der 2. Person Singular im Standarddeutsch vom Konjunktiv Präsens der 2. Person Singular abgeleitet:

dass du habest – habe!
dass du lassest – lass!
dass du seist – sei!
dass du tragest – trage!
dass du werdest – werde!

Zur Ableitung des Imperativs in nicht standardisierten Sprachvarietäten gibt es keine Regeln, weil diese eben nicht standardisiert sind.

.

Re: Bei den starken Verben wird der Imp. vom Konjunktiv abgeleit

Koschutnig 03.09.2008
.

Meine Antwort galt für die schwachen Verben.

Bei den starken Verben wird der Imperativ der 2. Person Singular im Standarddeutsch vom Konjunktiv Präsens der 2. Person Singular abgeleitet.
Zur Ableitung des Imperativs in nicht standardisierten Sprachvarietäten gibt es keine Regeln, weil diese eben nicht standardisiert sind.

.


Aber, aber oberhaenslir, bei dir gibt's beträchtliche Konfusion

1. Jetzt sagst du, deine Antwort gelte für die schwachen Verben
Ausgangspunkt war jedoch das Verb lesen .
Das aber ist ein Verb der Ablautklasse V, also nach Jakob Grimm ein starkes Verb .
Und für lesen / lies! trifft deine 1. "Regel" "2.Sg.Indikativ minus Endung" ja ziemlich zu (wenn wir das Zusammenfallen von Stamm-s und Endungs-s außer Betracht lassen).

2. Jetzt sagst du plötzlich, bei den starken Verben werde der Imperativ vom Konjunktiv abgeleitet. - Der 2.Sg.Konjunktiv I von lesen ist jedoch "du lesest". . Wie kämst du da auf den Imperativ Sg. "lies" ???

3. Von Sprachvarietäten, standardisiert oder nicht, war überhaupt nie die Rede.

Re: Nationalratswahl

JoDo 03.09.2008
Nationalratswahlen (zu Nationalrat) [ von Koschutnig am 2008-09-03 18:26:35 ]
stehn vor der Tür, doch auch JoDo lässt abstimmen.
FORUM - Grammatik - Grammatik in Österreich -Umfrage Imperativ.
Bisher ist die Wahlbeteiligung erbärmlich!

Danke, Koschutnig, für die Werbung!

Mittlerweile beschleichen mich allerdings Zweifel wegen der Abstimmung.

Ursprünglich wollte ich ja herauskriegen, WO die jeweiligen Varianten gesprochen werden. Wenn jetzt 50% so und 50% so abstimmen, erkenne ich daraus gar nichts, außer, dass beide Formen vorkommen.

Nett wäre daher auch ein kurzer Kommentar - danke Halawchl, Brezi und Amalia - mit vielleicht einem kurzen Beispiel. Das kann man dann leichter örtlich zuordnen.

Außerdem: Es ist löblich an dieser Stelle die Regeln für die Herleitung des Imperativs aus der Grammatik zu wiederholen, aber, Herrschaften, das ist ja nie angezweifelt worden, wie die hochsprachlich korrekte Form lautet.
Mir ist eben aufgefallen, dass außerhalb des streng regelkonformen Bereiches, in der Alltags- und Umgangssprache, aber - da schau her - auch in der hohen Dichtung bei den Klassikern, Freiheiten gelten, die die bekannten Herleitungsregeln aushebeln.

Noch was: I les´und i lies sind nette Nebenprodukte, mein Hauptinteresse gilt aber dem Imperativ.
lG JoDo

Re: Vertrete eher das andere Extrem

Koschutnig 03.09.2008


ich lese - i liis
ich sehe - i siich
ich werde - i wia (neben i wea: i wia´r a Lawal - i wea narrisch)
...

Mit der Bitte um weitere Beispiele
JoDo

Derf i a mittuan?


i(ch) befiehl, bewirb mi , brich, drisch, empfiehl, erschrick, iss, flicht, friss, gib, gilt, hilf, kimm (Oberkärnten, Tirol*)), miss, nimm, (schilt), schmilz, schwill an, schrick, sieg, sprich, stich, stiehl, stirb, triff, tritt, verdirb, vergiss, wirf, wirb...

+) kommen von mhd. quemen - wo sich die Betonung aufs u verlagert hat, entstand "kummen", dann kommen;
in den anderen Gebieten wurde [kw] zu k , daher "kemmen/kimm"

Du, JoDo!

Brezi 03.09.2008
Ist eine 50-zu-50-Verteilung etwa kein Ergebnis? Ich finde es interessant, dass sich beide Sprechweisen in Österreich die Waage halten (sofern man das bei der mageren "Wahlbeteiligung" als repräsentativ werten kann).

Zu den Beispielen, die ich gemeinsam mit dir påckn soi, muss ich Feststellen, dass wegen eines technischen Gebrechens Koschutnig mir zuvor gekkomen ist. Ich halte den aber ohnehin und nicht nur aus Gründen der Höflichkeit für den Berufeneren. Aber vorher habe ich gefunden:

Meistens sind von diesem Dualismus Verben betroffen, die im Hochdeutschen einen Vokalwechsel von e zu i (ie) zwischen 1. P. Sg und 3. P. Sg haben.

I wirf, i wir, i stirb, i gib, i brich, i siech, i bewirb mi, i triev (ich treffe). Hier gibt es z. Gl. keine Differenzen zwischen allen Sprechern des Ostmittelbairischen.

Gerade bei 'lesen' tritt partiell der umgekehrte Fall ein, aber eben nur partiell - und gleich wird es zum Zankapfel:

lesen - liest --> dennoch er lest, les! Oder aber (anderes Extrem) i lies.

Ich würde sürde sagen: ist halt so.

Zu kompliziert scheint Dialekt-"Usern" das Wort fechten. Was macht ein echter Wiener, wenn ihm die Konjugation eines Zeitwortes zu blöd ist? Genau: er weicht auf den Infinitiv aus, vor dem wie vor Gott alles gleich ist: i tua fechten, sie tuat fechten.

Noch einfacher ist die Lösung beim Wort treten, denn da sagen wir

i steig, sie steigt



JoDo, ich finde, ein interessanteres Ergebnis hättest du gar nicht bekommen können. Ich erinnere mich an die allererste PN von dir, am Ostersonntag vorigen Jahres, wo du mir zur weisen Diplomatie beim Streit um das Paar Wuserl / Buserl gratuliert hast. Ich meine, hier verhält es sich genauso. Die Kluft zwischen les! und lies! dringt bis ins Schreiben von Programmcode vor, wie die Namenswahl bei Objekten belegt. Alles drei kann man lesen(!):

DECLARE LES_WORT CURSOR FOR SELECT * FROM OSTARRICHI.WOERTER WHERE WORT IN ('BANKERT', 'BANGERT', 'BANGAT') AND SPRACHEBENE = 'UGS';

DECLARE LIES_WORT CURSOR FOR SELECT * FROM OSTARRICHI.WOERTER WHERE WORT IN ('BANKERT', 'BANGERT', 'BANGAT') AND SPRACHEBENE = 'UGS';

DECLARE LESE_WORT CURSOR FOR SELECT * FROM OSTARRICHI.WOERTER WHERE WORT IN ('BANKERT', 'BANGERT', 'BANGAT') AND SPRACHEBENE = 'UGS';

Zu Variation 3: das ist eine Kompensationsreaktion der vermeintlich Gebildeteren. Da sie wissen, dass ich gib dir das auf Hochdeutsch falsch ist, gehen sie so weit, auch das richtige: gib mir das zu gebe mir das werden zu lassen.

Gut erinnere ich mich an einen Beitrag in "Achtung, Sprachpolizei", in dem es hieß: Bewerbe dich rechtzeitig, denn sonst kann es sein, dass du sterbst, eh' du dich bewerbst.

Zum Wort werden: auch hier gibt es nebeneinander zwei "Lies-Arten"

Ich sage zum Beispiel: i wir narrisch. Dass Edi Finger anders sagte, wissen sie sogar in Argentinien. So darf ich dir zur Beteiligung an der Umfrage zwar mein Beileid aussprechen, aber dich gleichzeitig zu dem aufschlussreichen Ergebnis der Erhebung beglückwünschen.

Lass mich mit Paul McCartney und Stevie Wonder schließen!

Ebony and ivory
Live together in perfect harmony
Side by side on my piano keybord
Oh Lord, why don't we?

Alles Liebe Euch allen.

Brezi (the one and only)

UM AUF EINE BERECHTIGTE BITTE JODOs EINZUGEHEN:
Dies hier ist ein Seitenthema zur eigentlichen Fragestellung (siehe Kopf des Threads). Es geht hier primär um den Imperativ von "lesen". Alle anderen Beisteuerungen sind nett (auch meine natürlich ), beantworten aber JoDo's explizit und klar gestellte Frage nicht. Da ich der bin, der das "Nebengleis" (Zitat JoDo) drangebaut hat, muss ich wenigstens ein Hinweisschild anbringen, wo die Hauptstrecke weitergeht. Das habe ich hiermit getan. Und achtet bitte auch darauf! Danke

Re: Imperativ

Koschutnig 08.09.2008
Auslandsösterreicher sind zum Mitabstimmen herzlich eingeladen. Elektronisch - one large step vor der Politik.
EU-Bürger nur mit österr. Meldenachweis??? Und andere???

Re: Imperativ

Koschutnig 09.09.2008
@Shadow: U m g i b t Niederösterreich dieses Wien nicht? Ist doch rundherum.
Lies das WU doch so !
K

Re: Imperativ

Koschutnig 10.09.2008
Also, i nimm/ich nehme alle WU-Schuld auf mich. Als JoDo schrieb, er sei mit seinem Abstimmungsmodus nicht glücklich, hab ich ihm eher überhaps den Vorschlag gemacht, lies!/les! eher nach Gegenden abzufragen - 1. Einfall, "vielleicht so, nicht sehr durchdacht", wie ich ihm allerdings auch geschrieben hab.

Das Ganze ist von mir ausgegangen. Mir war die Verwendung von "les'!" aufgefallen, eine Form, die nicht nur im deutschen Standard unkorrekt ist, sondern auch der Mundart-Entwicklung völlig widerspricht.
Ich hab da angenommen, das sei die Folge einer gewissen Unsicherheit im Auseinanderhalten von Dialekt und Standard, was in einem (groß)städtischen Raum sehr häufig ist und auch zu "hyperkorrekten" Fehlleistungen führt ("Nehme drei, zahle zwei!", "Gebe dann das Eigelb dazu").
Abgesehen von dem LES-sing-Zitat, das seinen Beiträgen anhängt, zeigen das ja die zahlreichen Beisspiele für "les!", die JoDo aus allen möglichen Gegenden deutscher Muttersprache ergoogelt hat.

Nun hat's mich interessiert, ob diese neue Form "Les!" von Wien aus auch ausgestrahlt hat So ist mir "WU" eingefallen, an NÖ hab ich nicht weiter gedacht, tut mir leid! Dabei wär' ja grad der Radius einer evtl. Ausstrahlung das für mich Interessanteste. In der Vergangenheit haben sich sprachliche Neuerungen entlang der Verkehrswege augebreitet; das Wiener Wort "Obers" für den Rahm z. B. ist auf die Art langsam donauaufwärts gewandert, bis sogar ein Richard Strauss ein Ballett mit dem Titel "Schlagobers" geschrieben hat. Jetzt aber geht alles viel schneller mit Radio, TV und Kronenzeitung.
Alsdann -tschüss und ciao!
K

Sachlicher Einwand

Brezi 11.09.2008
Jetzt, wo alles sich in heiteres Wohlgefallen auflöst, kann ich ja Folgendes einbringen:

WU steht für mich für den Bezirk Wien Umgebung (gemäß den Autokennzeichen mit WU). Somit habe auch ich zunächst den Rest Niederösterreichs in der Aufzählung vermisst, aber dann angenommen, dass JoDo mit WU wirklich das gesamte kleine "Restl" oder "Randl" gemeint hat, das da um Wien herum liegt, wobei Wien nicht einmal annähernd den Mittelpunkt dieses ausgefransten Dalkens bildet.

Aber da ihr euch eh schon geeinigt habt, hätte ich das gar nicht schreiben müssen.

Einen schönen Tag allen Beteiligten. Meine Stimme habe ich übrigens schon abgegeben.

Brezi

Re: Imperativ

JoDo 12.09.2008
Alle Ihr Lieben miteinander!

Ein paar Tage konnte ich mich nicht so um "ostarrichi" kümmern, schon rächt sich diese Unachtsamkeit!

Also, das mit der Formulierung der Abstimmung ist so zustandegekommen, dass ich mich erst an die guten Tipps von Koschutnig halten wollte, der die Sache ja nicht nach Verwaltungseinheiten, sondern nach sprachlichen Gesichtspunkten einteilen wollte. An dieser Stelle einmal ein HERZLICHES DANKESCHÖN!

Dann hat mich aber das Programm in die Schranken gewiesen. 100 Zeichen und nicht mehr, Punkt, basta. Vielleicht zehnmal habe ich alles zusammengekürzt und gestrichen, bis zuletzt nur mehr Abkürzungen und im Endeffekt Bundesländer übriggeblieben sind. DASS ICH DABEI AUF NIEDERÖSTERREICH VÖLLIG VERGESSEN HABE, IST EIN UNVERZEIHLICHER FEHLER, für den ich nachträglich aus ganzem Herzen um Entschuldigung bitte.

Das Ganze ist also nach wie vor eine unvollkommene Angelegenheit, also nehmt es bitte nicht tirisch ernst mit den Zuordnungen, es wäre halt interessant, wer wo wie sagt.

LG
JoDo

Re: Imperativ

Russi [Admin] 26.09.2008
Na wenn das so ist, mache ich auch mit:

Ich (erzogener Mostviertler) würde sagen:

I beföh, bewiab mi , brich, drisch, empfö/(ü), erschrick, is[s], fris[s], gib, hüf [hilf], kim[m], ...

Ach so, und dann noch: Les !

und "I les", "er/sie lest", "wir lesn", "ihr lests"
Ob richtig oder falsch, so würde ich es sagen wenn ich nicht nachdenke - und zu Hause bin

@Brezi: ist das eine Bewerbung als Programmierer für Ostarrichi ?

Gruß
Russi

Re: Imperativ

JoDo 27.09.2008
Ihr Lieben!

Brezi hat da elegant eine Weiche eingebaut, und (fast) alle befahren das Nebengleis ...

Nur kurz zur Erinnerung:
In der Grammatik bezeichnet Imperativ die Befehls- oder Aufforderungsform.

Meistens lässt sich der Imperativ in der Standardsprache von der vekürzten "Zweiten Person Einzahl" herleiten, siehe weiter oben.
Brezi hat den Spieß umgedreht und gemeint: Dieselbe Form, die gemeinhin für den Imperativ verwendet wird, muss bei ihm (und vielen anderen) für die erste Person Einzahl herhalten.

Das allerdings ist ein ganz anderes Paar Kakaohäferln, und wenn auch reizvoll zu diskutieren (Danke allen für Eure zahlreichen Beispiele), so doch nicht das eigentliche Thema.

Also, ich sag:
L ie s mir was vor! (Standarddeutsch)
L e s´mia was voa! (Umgangssprache)
L e es mia wås fua! (Verkehrsdialekt)
L e esma wås fua! (Basisdialekt)

Um weitere rege Anteilnahme bittet Euch
JoDo

Danke für den Hinweis, JoDo!

Brezi 27.09.2008
JoDo hat recht. Ich habe da ohne böse Absicht, aber mit enormen Auswirkungen, einen Nebenschauplatz eingerichtet und vom Hauptthema abgelenkt. Das muss ich wieder gut machen und werde an wirksamer Stelle das Nebengleis als solches deutlich kennzeichnen. Schließlich soll es dir mit deiner Umfrage anders ergehen als mit meinen beiden, wo außer dir niemand bemüßigt war, eine Antwort abzustellen. Also, nix für ungut, und ich entschuldige mich.

@Russi: interessant! Mostviertlerisch unterscheidet sich schon in kleinen Details erheblich von Wienerisch. Bei uns heißt es nicht "i beföh" sondern "i befüh", wass nebenbei homophon zu unserer Dialektversion von "ich befülle" ist. Und es heißt: i daschrick. Schöne, repräsentative Beispiele hast du da übrigens ausgesucht.

Beiden einen schönen Samstag. Allen anderen auch.

Brezi

Nochmals @JoDo: Das Hinweisschild von mir ist jetzt hoffentlich gut sichtbar angebracht. Das ist ein Service, gell? Bei den ÖBB (und auch bei der Deutschen Bahn) hättest du das auch in der zehnfachen Zeit noch nicht bekommen. Danke, dass sie Brezi's Railways Ltd. gewählt haben.

Re: Imperativ

JoDo 27.09.2008
Für die Klarstellung danke ich recht schön,
Entschuldigung ist in dem Fall nicht notwendig (wofür? - wenn´s alle interessiert, warum nicht)
... wollt´ halt nur, dassma über das andere Thema auch reden.

vlG
JoDo




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.