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Worum geht es? Um Begriffe aus der Standardsprache in Dialek

System 28.08.2008
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Worum geht es? ...

Bei uns geht man nicht auf 'Bsuach', sondern (hochdeutsch!) auf Besuch ...


Ja, worum geht es? Um Begriffe aus der Standardsprache in Dialekten? Um das Dialekt-Standard-Kontinuum? Um 'Fremdwörter' geht es offensichtlich nicht ...

Wo ist 'bei uns'?

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Re: Hochdeutsche Fremdwörter in deutschen Dialekten

JoDo 28.08.2008
Zur Begriffsbestimmung:

http://www.ostarrichi.org/forum/viewtopic.php?f=6&t=423&p=1818&hilit=Halle#p1818

http://de.wikipedia.org/wiki/Dialekt-Standard-Kontinuum

Die Diglossie (griechisch διγλωσσία, diglossía, „Zweisprachigkeit“) ist eine besondere Form der Zweisprachigkeit (oder der Mehrsprachigkeit): Sie beschreibt die Zweisprachigkeit einer ganzen Gesellschaft, bei der es eine klare funktionale Differenzierung zwischen zwei eng verwandten Sprachvarietäten gibt.
Insbesondere wird so die Koexistenz von Dialekt und Standardsprache oder von gesprochener Volkssprache zu geschriebener Hochsprache bezeichnet. In der Deutschschweiz zum Beispiel werden lokale Dialekte und die deutschschweizerische Standardsprache nicht als Dialekt-Standard-Kontinuum verwendet, sondern man trennt die beiden Sprachvarietäten und wechselt je nach Situation von der einen in die andere.
http://de.wikipedia.org/wiki/Diglossie

"oberhaenslir" spricht zwar vom Dialekt-Standard-Kontinuum, meint aber wahrscheinlich so was ähnliches wie Diglossie, Brezi hingegen versucht hier (wie ich meine schlüssig) zu belegen, dass in weiten Teilen Österreichs hochdeutsche Einsprengseln quasi als Fremdworte solitär auftauchen, ohne dass deswegen die Sprachebene als ganzes sich verschöbe.

S´is asoo, glaubtsma´s
JoDo

JoDo

sweet16 28.08.2008
Super! So stelle ich mir das Beisteuern von Wissen vor! Außerdem grenzt es für mich an ein Wunder, wie du aus der verfahrenen Situation, wie du sie vorgefunden hast, noch eine Synthesis herausschinden konntest. Danke auch dafür. Und da ich glaube, deinen Beitrag verstanden zu haben, erlaube ich mir die Äußerung: "Ja, ich glaube, es ist tatsächlich so".

Vielleicht können wir nun, da das Begriffliche geklärt ist, mit dem kleinen Spiel, wie Brezi es angeregt hat, beginnen bzw. fortfahren.

À propos Begriffsklärung. Du als Akademiker weißt natürlich, dass streng wissenschaftliche Wissensvermittlung nach dem Prinzip der Deduktion abläuft, d. h. "von oben nach unten", vom allgemeinen Fall auf den besonderen schließend. Das Gegenteil, die Induktion, ist meistens logisch unzulässig (kenn als Ausnahme eigentlich nur die "vollständige Induktion" in der Mathematik , o Graus - bis ich die kapiert habe!!!) und daher verpönt. Der Jammer ist nur, dass unser Gehirn zum Lernen nach dieser akademisch korrekten Methode überhaupt nicht gebaut ist. Dessenungeachtet verfassen manche Projektteams zu einem neu geschaffenen EDV-Produkt ein Skriptum, das im Ersten Drittel einmal aus Begriffserläuterungen besteht, und sodann die einzelnen Elemente, beginnend auf einer abstrakten Ebene immer tiefer bis zu den anzuwendenden Elementen behandelt. Im besonders günstigen Fall gibt es Beispiele. Erfolg: bis man durch Lesen von A bis Z die Funktionsweise und Anwendung des Produkts begriffen hat, gibt es schon ein neues. Deswegen sind Firmen, die auch zufriedene Kunden wollen, zu leicht fasslichen, wenn auch im akademischen Sinn sachlich angreifbaren Gebrauchsanleitungen übergegangen. Die auch nicht wenigen Ausnahmen, die weder fasslich, noch akademisch korrekt sind, seien hier einmal außer Acht gelassen.

Hier, in dem Fall, wie du ihm zu Leibe gerückt bist, war die Begriffsklärung eine echte Bereicherung und hat zudem einen drohenden Konflikt elegant und sauber bereinigt.

Dennoch bleibe ich dabei, dass auch zukünftige große Mathematiker erst einmal intuitiv erfassen, was eine natürliche Zahl ist. Danach lernen sie erst den Begriff "natürliche Zahl". Und zuallerletzt lernen sie die fünf Axiome von PEANO. Bis dahin verwenden sie natürliche Zahlen, ohne den Begriff überhaupt definiert zu haben, und machen Aussagen über sie. Dennoch werden viele, die bis dorthin gelangen, gute Mathematiker, auch wenn sie alle das Wissenspferd beim Schwanz aufgezäumt vorgesetzt bekamen. Du weißt, was ich meine. Ich weiß, was ich meine. Hoffen wir, alle wissen es irgendwann (und sei es über den Weg der Induktion )

Noch einen schönen Abend und nochmals danke!

Marga

P. S.: Wie ich gerade nachgelesen habe, wurden die PEANO'schen Axiome erst 1889, im Entstehungsjahr der Eiffelturmes(!), aufgestellt. Wer bis dahin Hendln, Bäume, Münzen gezählt, Buchseiten nummeriert oder als Dorfschullehrer Schülern selbst einfachste Rechenaufgaben beigebracht hatte, hatte dies im definitionsfreien Raum getan!!!

Re: Danke - Marga - für die Blumen

JoDo 28.08.2008
kriegst gelegentlich zurück, vielleich auch nur virtuell, bis ins Bregenzerische ist´s halt doch ein "breiter" Weg, wie wir hier (wo? - welches Land? - welche Sprache? ... egal) zu sagen pflegen.
Und Danke für die Nachhilfe in Mengenlehre und Logik, ohne die ich die längste Zeit eigentlich auch gut ausgekommen bin.
Was in der Mathematik die Induktion ist wird in anderen Geisteswissenschaften oft als Extrapolation formuliert, und die ist tatsächlich, wenn auch von Natur aus spekulativen Charakters, so doch weitaus am häufigsten anzutreffen, sonst gäbe es gar keinen Fortschritt in der Wissenschaft.
Die allermeisten Sachverhalte, die sich hoffentlich im späteren Verlauf als richtig herausstellen mögen, werden zuerst als Vermutung, Hypothese, These in den Raum gestellt, bewahrheiten sie sich, dann gut, dann gilt das Ganze als Gesetz, solange bis neue Erkenntnisse daran rütteln. War das nicht bei der NEWTON-schen Mechanik so, bis zur Teilchenphysik galt die doch als das Maß aller Dinge.
Ich schweife ab.
Gott sei Dank befinden wir uns hier auf einer Spielwiese, wo Ernst und Heiterkeit ganz nahe beieinanderstehen, das Eine schließt das Andere - hoffentlich - nicht aus.
Marga:
Mach weiter so, und stehe dem Brezi - in welchem ungeklärten Verhältnis ihr zueinander auch stehen möget - tüchtig bei, er kann´s sicher brauchen.
Viele Grüße aus Wien
JoDo

Wenn ich 'Dialekt-Standard-Kontinuum' sage, meine ich dies s

System 29.08.2008
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"oberhaenslir" spricht zwar vom Dialekt-Standard-Kontinuum, meint aber wahrscheinlich so was ähnliches wie [b]Diglossie ...


Nein, wenn ich 'Dialekt-Standard-Kontinuum' sage, meine ich dies und nicht etwas anderes ...

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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.