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Gemeindebau

Brezi 06.08.2008
In einem Thread, in dem es eigentlich um Remigius ging, hat Reini einen bedeutungsvollen Nebengedanken aufgeworfen, den ich hier, bei Wortbedeutungen weiter verfolgen will, weil es im Folgenden um eine Wortbedeutung geht und nicht mehr um das Thema des anderen Threads.

Der eigentlich gute Eintrag -Gemeindebau hat mit Kommunalwohnhaus eine der wohl unpassendsten Übersetzungen überhaupt, ein Ersatz oder eine Verbesserung biete ich nicht an, sie würde wieder zerrupft werden, wie das meiste hier.


Nachdem du mich zum Glück kennst und weißt, dass ich außer überheblichen und entsetzlich dummen Äußerungen nie etwas zerrupfe und daher noch nie einen Grund hatte, etwas von dir oder Meli zu zerrupfen, würde ich herzlich bitten, mir/uns uns doch deine Alternativen zu verraten. Man mag zu R. stehen, wie man will, aber die Übersetzung Gemendebau = Kommunalwohnhaus halte ich eigentlich für korrekt. Ich wohne in einem. Und da Kommune hier in der durchaus nicht seltenen Bedeutung (Stadt-)Gemeinde verwendet wird (vgl. kommunaler Wohnbau), weiß ich nicht ganz, warum du die Übersetzung schlecht findest.

Das Einzige, was im Wort Kommunalwohnhaus ist das besondere Feeling/Ambiente bzw. der Nimbus und der Ruf, der Wiener Gemeindebauten, den Leuten, die dort wohnen und der Wohnsituation dort anhaftet. Das habe ich aber schon irgendwo geschrieben. Private und kommunale Bauten in Wien sind zwei Welten und wer von einer in die andere überwechselt, muss eine unsichtbare Wand durchstoßen.

Und jetzt bitte, fürchte dich nicht vor Zerrupfungen und verrate uns deine Vorschläge. Ich bin gespannt wie ein Regenschirm.

Liebe Grüße an dich und deine bessere Hälfte!

Brezi

Kein aktuelles Interesse mehr gegeben.

Reinerle 08.08.2008
Daher Löschung. Reiner

Re: Gemeindebau

Brezi 09.08.2008
Lieber Reinerle!

Danke für die ausführliche Aufklärung. Für mich folgt daraus:

Eigentlich gehört dann 'kommunaler Wohnbau' als österreichisches Wort auf Ostarrichi eingetragen. Wenn ich alles geglaubt hätte, nur nicht das, dass man das Wort in Deutschland gar nicht kennt. Aber man lernt dazu. Dankeschön!

Wenn überhaupt es eine annähernd passende Übersetzung geben würde (meiner Empfindung) würde sie da lauten : Wohnung, mit öffentlichen Mitteln gefördert.


Nein, das wäre keine treffende Übersetzung, denn

Gemeindebau und sozialer Wohnbau sind zwei verschiedene Paar Sandalen. Die Begriffe überschneiden sich zwar, aber

Gemeindebau heißt, die Gemeinde ist alleinige Eigentümerin des Hauses und du wohnst bei ihr zur Miete.. Anmerkung: seit kurzem haben Mieter die Option, der Gemeinde die Wohnung abzukaufen. Meist ist das aber nur für die Gemeinde wirtschaftlich, weil die Kaufsumme + die bisher geleisteten Mieten mehr ausmachen als der Kaufpreis einer neuen Eigentumswohnung.

Aus öffentlichen Mitteln geförderter Wohnbau umfasst [u:nr3xe85t]auch andere Häuser [/u:nr3xe85t]als nur Gemeindebauten.

Gemeindebauten sind also eine Teilmenge der öffentlich geförderten Wohnhäuser. Es gibt neben Gemeinde- auch Genossenschaftswohnungen und sogar geförderte Eigentumswohnungen, die du als wenig Verdienender preisgünstig (weil eben gefördert) bekommst. Aber wie jede Eigentumswohnung gehört auch eine geförderte nach dem Kauf ausschließlich dir. Maximal gibt es Auflagen für die Weitergabe (damit du nicht billig eine Wohnung erstehst und eine Woche später für teures Geld an den Emir von Dubai oder an Anna Netrebko weiterverscherbelst).

Rein theoretisch könnte eine Gemeinde neban "Sozialbauten" auch andere Häuser bauen und vermieten.

Genossenschaften sind rechtlich gesehen nicht öffentliche Körperschaften, eine Art gemeinnützige Vereine, die aber in der Praxis oft Gemeinden, Ländern, oder dem Bund nahe stehen oder sich sogar teils in deren Eigentum befinden. "Vereinsziel" ist die preisgünstige Errichtung und Erhaltung von Wohnraum für Bedürftige auf der Basis, dass die Genossenschaft im Gegensatz zu priavaten "Wohnhaien" auf große Gewinne verzichtet.

Somit steht der soziale Wohnbau bei uns im Wesentlichen auf drei Säulen:

1) die Öffentliche Hand baut selbst und vermietet günstig (Gemeindebau, daneben gibt es auch (selten) Wohnungen die der Bund, also die Republik Österreich, errichtet).

2) die Öffentliche Hand schießt bei nichtöffentlichen Bauprojekten Baukosten zu, um die Wohnungen für die Mieter/Eigentümer erschwinglicher zu machen.

3) Du bekommst für das Wohnen direkt Geld von Staat oder Gemeinde (z. B. Mietzinsbeihilfen)

Gemeindebau (in Ö ) soweit ich weiß, war ursprünglich auch zum größeren Teil für Bedienstete der Gemeinde geplant und gebaut.


Das stimmt zumindest in Wien nicht. Hier hat die Stadt hat von Anfang an für alle "Werktätigen" mit geringem Einkommen gebaut, auch für kleine Handwerker, Freiberufler oder Geschäftsinhaber. Eher noch besteht in der Praxis ein gewisser Trend unter den Mietern, jeweils die zu wählen, die die betreffende Gemeinde oder das Bundesland regieren. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es je nach Bundesland/Gemeinde hilfreich sein, wenn man eine ähnliche "Farbe" hat wie diese.

Bediensteter der Gemeinde in D zu sein, hat keinen Anspruch jeglicher Art, eine geförderte Wohnung beziehen zu dürfen.


Ist bei uns genau so. Wenn du einen Cent über dem Limit verdienst, bekommst du nichts, auch nicht als Gemeindeangestellter oder Beamter. Da hierzu alles offen zu legen ist, kann man sich dabei auch mit Beziehungen nichts erschleichen. Etwas flexibler ist es natürlich bei den Wartelisten. Nicht nur bei euch gibt es Vitamin B.


Somit würde ich aufgrund deiner Antwort zusammenfassen:

Gemeindebau - Mietshaus im Besitz einer Stadt- oder Ortsgemeinde (Übersetzung ausbessern)

kommunaler Wohnbau - Wohnbau auf Kosten und Rechnung einer Stadt- oder Ortsgemeinde (neuer Eintrag)

Ich würde Meli bitten, die Übersetzung von "Gemeindebau" selbst auszubessern. Dann ist sicher gestellt, dass die Übersetzung korrekt und für deutsche Leser optimal ist.

Und noch einmal danke für den Hinweis.

Liebe Grüße

Brezi

Nachträge:

Ein sozial geförderter Mieter wohnt namentlich benannt nach dem "Block" wo er wohnt.


Interessant! Nein, bei uns haben manche besonders großen Siedlungen oder Komplexe zwar offizielle oder inofizielle Namen (Per-Albin-Hansson-Siedlung, Großfeldsiedlung, Siedlung Rennbahnweg, Fuchsenfeldhof, Robert-Blum-Hof), aber der Mieter hat nur eine Wohnadresse aus Straße und Hausnummer, wie jeder andere auch: Alaudagasse 9, Vorgartenstraße 75, Anton-Sattler-Gasse 115, ... (mit Stiegen- und Türnummer jeweils, selbstverständlich).

Blocknamen kenne ich bei uns nicht.

Persönlich wundert und verärgert es mich fast, das gutgemeinte ergänzende
Kommentare von "Ausländern" in Frage gestellt werden und scheinbar als negativ
aufgenommen werden. Eigene Übersetzungen ins Deutsche werden oft als perfekt angenommen ohne jede Akzeptanz von Gegenkritik oder Überprüfung


Das gefällt mir auch nicht. Umgekehrt fahren oft auch "Ausländer" einem Österreicher gleich über die "Schnute", wenn sie eine Übersetzung als nicht treffend erachten.

Ganz wie du sagst! Man sollte einander ergänzen und nicht befetzen. Und der Ton macht die Musik, sowohl beim Austeilen als auch beim Reagieren auf Kritik. Aber da sind wir eigentlich schon wieder bei der Erbfeindschaft Deutschland gegen Östereich.

Nochmals danke und ein schönes Wochenende

Kein aktuelles Interesse mehr gegeben.

Reinerle 09.08.2008
Daher Löschung. Reiner

Lob ganz meinerseits!

Brezi 09.08.2008
Reinerle, ich mach's auch kurz (etwas, das uns beiden manchmal Schwierigkeiten macht, aber was soll's). Freut mich, es mit meiner Info richtig getroffen zu haben. Und was die DÖF betrifft (nicht die Bands, nein, die gelebte Freundschaft): gibt nur aa Rezept: fuale'm, fuale'm und noamoe fuale'm. Was Deutsche und Franzosen geschafft haben, müsste doch auch zwischen unseren beiden Ländern klappen. Glaub nicht, dass das so vielen egal ist. Jeder ist lernfähig und kann es nach ungezählten Versuchen einmal begreifen, dass nicht alle Österreicher schleimig-schlampig und alle Deutschen militärisch-zackig sind. Habt ein feines Wochenende! Brezi.

Gemeindebau = ein gemeindeeigenes Wohnhaus

System 17.08.2008
.

STANDARDDEUTSCH:

Als Gemeindebau wird in Österreich ein Wohnblock des kommunalen sozialen Wohnungsbaus bezeichnet.

ein Gemeindebau (at) = ein Kommunalwohnhaus (de) = ein gemeindeeigenes Wohnhaus (ch, de)

der Gemeindebau (at, ch, de) = der Aufbau evangelischer Gemeinden

die Gemeindebauten (ch, de) = die gemeindeeigenen Bauten

der kommunale Wohnungsbau (ch, de) = die Wohnbauprojekte der Gemeinde


DIALEKT:

Gemäändebòò (Salzburg? Wien?, at)

.

Kein aktuelles Interesse mehr gegeben.

Reinerle 17.08.2008
Daher Löschung. Reiner

Hier noch Quellenangaben

System 03.10.2008
.



Hier noch Quellenangaben

STANDARDDEUTSCH:

Als Gemeindebau wird in Österreich ein Wohnblock des kommunalen sozialen Wohnungsbaus bezeichnet.


ein Gemeindebau (at) = ein Kommunalwohnhaus ( at , de) = ein gemeindeeigenes Wohnhaus (ch, de)


der Gemeindebau (at, ch, de) = der Aufbau evangelischer Gemeinden


die Gemeindebauten ( at , ch, de) = die gemeindeeigenen Bauten
http://deu.archinform.net/quellen/105324.htm

der kommunale Wohnungsbau (ch, de) = die Wohnbauprojekte der Gemeinde


DIALEKT:

Gemäändebòò (Salzburg? Wien?, at) ...


.

Kein aktuelles Interesse mehr gegeben.

Reinerle 03.10.2008
Daher Löschung. Reiner

Jeder hält sein Stroh für Heu und des andern Heu für Stroh

System 03.10.2008
.

1. Die offizielle Verwendung der Begriffe findet man durch Eingabe der entsprechenden Begriffe bei 'Google'; offizielle Verwendung = Standarddeutsch.

2. Ich trete hier unter dem Decknamen 'oberhaenslir' auf; es steht dir nicht zu, mich unter einem andern Namen anzusprechen.

3. „Jeder hält sein Stroh für Heu und des andern Heu für Stroh.“

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Re: Gemeindebau

Weibi 05.10.2008
Hab minen Beitrag nach "fischelnde Fische" verschoben. Passt dort irgendwie besser hin.




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.