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Empfehlung an Wien-Besucher,

Weibi 15.10.2008
sich in den dortigen Benimmregeln vorab einzuüben. Sonst ergeht es Euch wie in der nachfolgenden Geschichte :

Wiener Titelwalzer (Geschichte von Ephraim Kishon)

Kaum war unser Flugzeug auf dem Wr. Flughafen zum Stillstand gekommen, als über den Lautsprecher die folgenden Worte hörbar wurden:
„Professor Kishon wird höflich gebeten, sich beim Informationsschalter melden zu wollen. Vielen Dank im voraus“.
Während der Zollformalitäten erklang die einladende Stimme zum zweiten Mal: „Herr Doktor Kishon wird beim Ausgang erwartet. Wir bitten Herrn Professor Doktor Kishon zum Ausgang. Danke schön.“
Ich habe für öffentliche Scherze solcher Art keine Verwendung und gab das den Herrn am Empfangskomitee, die mich am Ausgang erwarteten, zu verstehen: „Fein, daß ihr da seid, Jungens!“ sagte ich ungezwungen, „übrigens bin ich weder Professor noch Doktor.“
„Gewiß, gewiß.“ Der Führer der Delegation, ein vornehmer Gentleman-Typ mit grauen Schläfen, nickte verständnisvoll. „Darf ich Sie jetzt mit meinem Assistenten bekannt machen, lieber Professor ....?“
Damit bekann er, meine tapfere kleine Frau und mich die Empfangsreihe entlang zu führen, die sich mittlerweile mit lässiger Eleganz formiert hatte: „Doktor Kishon, das ist Hofrat Professor Manfred Wasserlauf... Gestatten Sie, Professor Koshon, daß ich Ihnen Herrn Kommerzialrat Professor Doktor Steinach-Irding vorstelle... und hier, Professor Kishon, ist unser Stadtverkehrsexperte, Parkrat Doktor Willy....“
Dr. Willy war, wie sich alsbald herausstellte, der Fahrer unseres Wagens, präsentierte sich aber wie alle anderen in dunklem Anzug mit silbergrauer Krawatte. Er grüßte uns mit einer untadligen Verbeugung, ehe er sich über die Hand meiner errötenden Ehefrau neigte und seinem wohltönenden „Küß die Hand, Gnädigste“ die dazugehörige Aktion folgen ließ.
„Die sind meschugge“, raunte ich meiner Gefährtin zu, „das kann doch unmöglich ernst gemeint sein.“
„Sie irren“, äußerte Kommerzialrat Prof. Dr. Steinach-Irdning in fließendem Hebräisch. „So macht man das hier in Wien. Daran werden Sie sich gewöhnen müssen.“
......
Wie er uns weiter belehrte, bestand seit dem Tag, an dem Österreichs barocke Feudalmonarchie sich in eine gemäßigt demokratische Republik verwandelt hatte, unter den Einwohnern des Landes eine unstillbare Sehnsucht nach den klingenden Titeln der verklungenen Zeit.
„Hierzulande gibt es z.B. keine Briefträger, sondern Postoberoffiziale“, erklärte uns der Kommerzialrat Professoer Doktor. „Keine Kellner, sondern Ober. Keine Beamten, sondern Kanzleiräte. Und jeder führt außer seinem Amtstitel noch mindestens einen Doktor oder einen Professor.“
„Und wo sind diese Titel erhältlich?“
„Es gibt mehrere Quellen. Ganz am Anfang wurde der Professortitel vom Staatspräsidenten verliehen, auf Grund der Empfehlung einer öffentlichen Körperschaft oder einer der beiden Koalitionsparteien. Später begannen die Bürgermeister der größeren Städte auf eigene Rechnung Doktortitel zu verteilen. Und heute gibt es auf der Kärntner Straße bereits eine Buchhandlung, wo man ohne große Mühe den Titel eines Privatkonsulenten für Literatur erwerben kann.“
„Aber diese Titel werden doch vollkommen wertlos, wenn sie jeder trägt! Ist Ihnen das noch nicht aufgefallen, lieber Herr?“
„Damit mögen Sie nicht ganz unrecht haben. Trotzdem darf ich Sie bitten, mich mit Professor anzureden.“
Im Hotel angelangt, füllte ich den Meldezettel aus. Der Amtierende Verwaltungsrat für Hotelangelegenheiten, in manchen rückständigen Ländern „Portier“ genannt, nahm mir das Formular aus der Hand, streifte mich mit einem tadelnden Blick und schrieb „Professor“ vor meinen Namen. Nachdem er die ebenso vorsorglich wie nonchalant hingehaltene Hand meiner Gemahlin geküßt hatte, wies er zum Lift.
„Pardon, Exzellenz – welches Stockwerk?“ fragte der Liftboy.
„Dritter Stock, Professor“.
Wir glaubten, bereits annähernd im Bilde zu sein, aber gleich darauf unterlief mir ein schwerer Schnitzer. Als wir wieder in die Halle zurückkamen, traten wir auf eines der wartenden Mitglieder des Empfangskomitees zu: „Gestatten Sie, Professor“, sagte ich, auf meine Gattin deutend, „daß ich Sie mit meinem persönlichen Sekretariatsvorstand bekannt mache.“
Zu meiner Überraschung ließ es der Angesprochene bei einem sehr flüchtigen Handkuß bewenden und wandte sich sichtlich verärgert ab.
Empfangsrat Stein, der die kleine Szene bemerkt hatte, eilte herbei: „Haben Sie den Herrn vielleicht mit Professor angesprochen?“ fragte er aufgeregt.
„Ja“
„Um Himmels willen“ Damit haben Sie ihn tödlich beleidigt.“
„Aber wieso?“
„Weil er wirklich ein Professor ist...“
Offenbar hatten wir uns zu rasch an den österreichischen Lebensstil gewöhnt und gar nicht mehr bedacht, daß es irgendwo noch Menschen geben könnte, die an Universitäten lehrten und wirkliche Professoren waren.
„Wie hätte ich ihn denn anreden sollen?“ erkundigte ich mich zaghaft.
„Mindestens mit Hofrat Universitätsprofessor Privatdozent Doktordoktor. Das ist das absolute Minimum.“
Ich begab mich sofort zu dem von mir so schwer Getroffenen zurück und verbeugte mich: „Hochverehrter Herr Hofrat Universitätsprofessor Privatdozent Doktordoktor¨- wie geht es Ihnen?“
„In Ordnung“, nickte der Angesprochene, und seine Stimme lockerte sich wohlwollend. „Danke, Professor, Sie sind offenbar erst vor kurzem hier angekommen, wie?“
„Allerdings, Herr Hofrat Universitätsprofessor Privatdozent Doktordoktor....“

Jetzt hatte ich den Ton heraus. Es war ein wenig ermüdend, aber nicht ohne Reiz, und ich begann zu verstehen, warum die Österreicher heute um so viel glücklicher sind als vor dem Krieg. Nach zwei Tagen ertappte ich mich bei deutlichen Gefühlen der Abneigung gegen Leute, die mir meinen Doktor- oder Professortitel verweigerten. Jedem das Seine, wenn ich bitten darf. Auch meine Ehefrau, die beste von allen, machte sich’s zur Gewohnheit, wann immer das Gespräch auf mich kam, ein unauffälliges „mein Mann, der Oberliteraturrat“ einzuflechten. Ich nannte sie dafür „Doktorin der Musikologie“ (sie spielt ein wenig Klavier).
Titel haben etwas für sich, es läßt sich nicht leugnen. Man sitzt beispielsweise in der Hotelhalle, sieht einen sehr jungen Professor in Liftboykleidung mit einer Namenstafel herankommen und hört ihn rufen: „Professor Doktor Ephaim Kishon zum Telefon, bitte!“ Dagegen ist nichts einzuwenden. Man läßt ihn mehrmals die ganze Hotelhalle durcheilen und freut sich des Rufs. Wenn man gerade Lust hat, kann man sich auch selbst anrufen, damit man ausgerufen wird.
Kein Wunder, daß uns beinahe das Herz brach, als wir die gastliche Hauptstadt der Republik Österreich verlassen mußten.
„Professor“, sagte meine Frau, während wir in die el-Al-Maschine kletterten, „hier war es wirklich schön.“
„Wunderschön, Frau Doktor“, sagte ich und küßte ihre Hand.
„Küß die Hand“.
Über dem Mittelmeer verfiel ich in einen tiefen, levantinischen Schlummer. Im Traum erschien mir die erlauchte Gestalt des Kaisers Franz Joseph I. in strahlender, ordensgeschmückter Uniform.
„Majestät“, stotterte ich erschauernd, „Kaiserlich-Königlich Apostolische Majestät....Allergnädigster Herr....“
„Laß den Unsinn“, unterbrach mit der Gesalbte. „Sag Franzl zu mir.“
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Nun, ganz so schlimm ist es mit dieser kleinen Eigenheit heutzutage nicht mehr. Aber man kann nie wissen, oder?

Re: Empfehlung an Wien-Besucher,

9Hieb 31.12.2008
super

nachdem das Erbe des k & K - Beamtentums hier in Wien immer noch voll aktiv ist, ist ein Titel hier immer noch das non plus ultra, wenn auch nicht mehr in dem Ausmass wie es noch vor rund 30 Jahren war. Selbst heute gibt es noch genug Menschen die sich einen Mag. oder Dr. "leihen" - deswegen gabs in der Politik und Wirschaft schon Rücktritte.
Bei hohen Politikern ist es die Regel, dass sie ein Doktorratsstudium absolvierten, wobei jene NIE mit einem Doktor-Titel angesprochen werden, vielmehr ist es so, dass solchige, die KEINEN Doktorentitel innehaben, stets mit dem niedrigeren Grad angesprochen werden, wie zB der "Magister Klima" oder der "Ingeneur Peter Westentaler" der "Magister Faymann"....dh man werwirb sich mit dem abgeschlossenen Doktorrat die Ehre in der Politik OHNE Titel angesprochen zu werden auch ein wenig absurd.

In den Kaffeehäusern, wurde man auch selbst (oder besonders) als Teenager als Magister oder Studienrat betitelt eine gern akzeptierte Bauchpinselei. und im Domeyer ist bis vor das Handyzeitalter ein Page oder der Kellner mit einer Tafel unter der sich eine Glocke befand durch das Lokal gegangen und hat den Herrn Doktor Sowieso zum Telefon gebeten

....ich komm mir gerade mit 32 Jahren SEHR alt vor

Re: Empfehlung an Wien-Besucher,

wuppl 07.01.2009
fühl mich auch gerade sehr alt....werde mich wohl eher dem beamteten mittagsschlaferl zuwenden um das zu verdauen....

lg
wuppl, der sein hendi abdreht....

Re: Empfehlung an Wien-Besucher,

System 23.03.2009
Empfehlung an Wien-Besucher und alle die mit Östereichischen Beamten zu tun haben.
Also das mit den Titeln ist mir erst so richtig aufgefallen, als ich einen neuen Pass brauchte. Ganz abgesehen davon, dass die Botschaft Haufenweise Dokumente haben wollte um mir einen neuen Pass auszustellen, es reichte nicht, dass ich anrief und bestätigte, dass ich sehr wohl am Leben sei, dass ich immer noch verheiratet sei und dass ich nicht im Traum daran denken würde meine Staatsbürgerschaft zu ändern, also mein alter Pass nur durch einen neuen ersetzt werden sollte, keinesfalls geändert. Nein, Geburturkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis, Heiratsurkunde sollten im Original (schon leicht bejährt und völlig verstaubt) eingereicht werden. Dann das Problem, irgenwo schien auf, dass ich vor 10 Jahren ein Studium mit einem Dipl.Ing abgeschlossen hatte. Also Diplomurkunde her oder kein Pass. Ich musste das ganze Haus auf den Kopf stellen, meine Verwandtschaft in Ö bemühen und fand endlich den Wisch in einer Schuhschachtel mit alten Briefen. Was für ein Glück, ohne einen neuen Pass wär ich als Auslandsösterreicher aufgeschmissen gewesen und das alles wegen einem lächerlichen DI für den ich in meinem Leben noch nie Verwendung gehabt habe.

/irni




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.