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Der Westen ist blau

Brezi 03.08.2008
Hallo Freunde!

Viel habe ich in letzter Zeit darüber gelesen, wie unlustvoll es geworden ist, hier seiner ehemals so fröhlichen Arbeit nachzugehen.

Da ich nicht zum x-ten Mal aufzählen will, was wir eh alle wissen, komme ich ausnahmsweise schnell zum Kern.

Ich frage mich: ist denn das wirklich so schlimm?

Bevor ihr verständnislos die Köpfe schüttelt, falle ich gleich mit meiner Erklärung ins Haus:

Ja, es ist lästig, was da alles an Schrott abgeworfen wird. Aber ist das nicht endlich der Punkt, wo wir Moderatoren uns aus dem Loch trauen und zu der uns anvertrauten Tat schreiten sollten? Wir dürfen eine Menge. Also tun wir es doch auch! Wenn wir noch länger nur einander etwas vorsäuseln, wie dumm doch manche Einträge sind, dann wird nie etwas daraus.

Wir haben zwei Möglichkeiten, von denen wir uns nach sinnvollem Abwägen für eine Möglichkeit entscheiden sollten (und zwar Wort für Wort, Eintrag für Eintrag).

A) Wir finden ein Wort einfach unter unserer Würde und lassen es (wie allen anderen auch) weiß. Das wird in den meisten Fällen helfen, notorische Schrottlieferanten die Lust verlieren zu lassen. Wer keinen Widerhall findet, geht meistens

B) Wir finden ein Wort eliminierenswert oder zumindest so falsch, dass wir nur einschreiten können, wollen wir nicht ein schlechtes Gewissen bekommen. Einmal habe ich uns gefragt, wie übergriffig wir sein sollen/dürfen. Wir waren alle ziemlich der gleichen Meinung: erst mahnen, dann selber handeln. Ich glaube, es hat sich gezeigt, dass bei vielen das Mahnen nichts nützt. Ausnahmen gibt es immer wieder. Von den zuletzt Hinzugekommenen ist dylanaufdeitsch eine solche Ausnahme. Und fassen wir uns doch ans Herz: wer von uns Moderatoren selbst hat nicht auch, zum Teil ziemlich heftig, am Anfang gekleckert und wurde letztlich dennoch von der Moderatorenmehrheit in unseren Kreis aufgenommen? Fazit: Dort korrigieren, wo es nottut (und zwar höflich und nicht nach der R-Methode). Wer sich einen Schrottplatz mit sprachlich irrelevantem Unflat und untragbar falschen Vokabeln anlegen will, soll es tun. Auf einer anderen Domain. Hier sollten wir auf Hygiene achten und uns auch im Rausschmeißen üben. So viel, wie wir Zeit und Lust haben, nicht mehr. Aber wenn wir nur so viel pro Tag handeln, wie wir klagen, geht es uns und dem Buch in kürzester Zeit besser.

Überarbeiten sinnlos und auch ganz und gar nicht nötig. Es genügt pro Unwort zumeist ein "Eingriff" von starker Hand. Wenn wir uns diese Arbeit nach Zeit und Kraft aufteilen, können wir locker alle schwarzen Schafe loswerden.

Und was gute, aber unkorrekte Wörter angeht: hier sollten wir m. M. n. nicht mehr so viele "Vorschläge" machen wie bis jetzt, sondern öfter direkt auf den grünen Ordner klicken. Russi hat das bei einem Wort von mir gemacht, bevor er es ins Büchl übernommen hat. Und ihr seht, ich lebe immer noch. Es wird von vielen gar nicht bemerkt werden, wenn wir z. B. Groß- und Kleinschreibefehler korrigieren oder inkonsietente Übersetzungen wie 'Fetzn' = 'einen Rausch haben' richtig stellen. Was hier nach mehr Arbeit aussieht, ist in Wirlichkeit das Gegenteil: Ordner auf, Fehler raus, Ordner zu. Das ist wesentlich kürzer als Romane mit wohlmeinendern Worten zu schreiben.

Und was ist die schlimmste Konsequenz, wenn es bei dieser Vorgehensweise bei so vielen Eintragungsleichen bleibt? Ja, was ist eigentlich die Konsequenz? Für uns sehe ich keine, außer dass wir von einem zum nächsten guten Wort länger Blättern müssen. Die Nachschlagenden hier werden sich auch kaum dran stören, denn sie suchen ein Wort und finden schlimmstenfalls mehrere, von denen aber nur eins oder zwei gut bewertet sind. Den Rest können wir getrost ihrer eigenen Intelligenz überlassen. Und dem Buch? Schadet es überhaupt nicht. Wenn sich heute tausend Unfähige neu anmelden und jeder von ihnen tausend Müllwörter einträgt, kommt deswegen kein einziges dummes Wort mehr ins Buch.

Ich hoffe, damit konnte ich euch ein klitzekleines Bisschen optimistischer stimmen. Wir sollten die meisten Möchtegern-Sprachexperten so behandeln wie die Tauben auf dem Markusplatz, wenn wir ein Foto von der Kirche machen.

Warum aber die seltsame Überschrift?

Das ist eigentlich schon ein zweites, ganz neues Thema. Die Überschrift ist eine Entlehnung aus einer der zentralen Hymnen des mir so verhassten Maoismus, der in weniger als einer Woche zu ungeahntem und unverdiente Ruhm gelangen wird. Die Hymne heißt "Der Osten ist rot". In Anlehnung daran bekunde ich meine Freude, dass immer mehr weiße Flecken im Westen unserer Österreichkarte blauer und blauer werden, weil immer mehr neue Ostarrichianerinnen und Ostarrichianer unsere Seite entdecken und erkennen, dass Pinzgauer, Tiroler, Kärntner und Vorarberger Wörter hier nur Eingang finden können, wenn sie auch jemand einträgt. Das sollte uns eingentlich enormen Anlass zur Freude geben. Zwar ist vorübergehend einiges unübersichtlicher geworden (und die von JoDo lange vorgeschlagenen und nie beherzigten Richtlinien zu mehr Ordnung im Saustall werden wichtiger denn je). Aber insgesamt können wir uns bald zu Recht eine gesamtösterreichische Gemeinschaft nennen.

Wie sinnvoll es zum Beispiel einmal werden wird, sprachliche Sonnerregionen wie z. B. das alemannische Vorarlberg (samt dem zu Tirol gehörigen Außerfern, dessen Dialekt durch das nahe bairische Resttirol und den niederalemannischen Allgäu nicht so krass ist) in Sonderkapiteln zu behandeln bzw. überhaupt regionale Wörter von gemeinösterreichischen zu scheiden, ist noch offen und kann es getrost noch lange bleiben.

Sicher müssen wir uns einmal fragen: wie hilfreich ist denn, wenn ein Suchender in einem ungegliederten Verzeichnis ein Schildläuble neben einem Grammlsterz vorfindet oder ein kärntnerisches 'lei' neben dem Sölktaler Adjektiv/Adverb 'hasen'? Das können wir aber ruhig noch auf die lange Bank schieben. Der Durchbruch ist da. Unser Aufwand hat sich gelohnt. Verteidigen wir ihn nun und greifen wir öfter als bis jetzt zu unseren Schiedsrichterkarten (Daumen, rote Bewertung, grüner Ordner) als bisher. Spornen wir umgekeht namentlich die wertvollen Lieferanten aus den westlichen Bundesländern an, indem wir ein paar wenige, dafür umso nettere Worte für sie übrig haben.

Alles in allem ist der von mir vorgeschlagene Weg (den auch ich nicht alle Tage im Jahr mit gleichem Eifer und Vehemenz gehen werde) doch eigentlich in zwei Hinsichten gut: wir ersparen uns Arbeit und Ärger und kommen gleichzeitig zu einem effizienteren und motiverenderen Ergebnis.

Ich muss daher nicht großartig "Auf ans Werk!" rufen. Im Gegenteil: "Los ma's laafn" und uns die immer mehr reifenden Früchte genießen und mit den ernst zu nehmenden Neuankömmlingen teilen. Wir haben viel wertvolles gepflanzt. Fangen wir an und reiß ma 's Unkraut mit Lust, aber ohne uns zu überanstrengen, aus.

Schönen Sonntag!

Brezi

Re: Der Westen ist blau

Halawachl 04.08.2008
Bravo Brezi,

Dein optimistischer Aufruf sollte uns allen Mut machen, und kommt -zumindest was mich selbst betrifft- zum richtigen Zeitpunkt (Ende des Sommerurlaubs). Die vorgeschlagene Linie finde ich richtig, auch wenn ich (grüner Ordner !?? - aha - keine Ahnung! - muss einmal schau'n, was ich da offenbar alles tun dürfte...) das Instrumentarium offenbar noch nicht voll beherrsche. Also Brezi, ich bin dabei!

Übrigens: Wer Deinen Antwort-Kommentar zu "Wirbel + Wirtschaft" im Forum Wortbedeutungen noch nicht gelesen hat, dem empfehle ich dies nachzuholen. Der Vergleich mit dem Kaffeehausober und dem weichen Ei in diesem Zusammenhang ist ja nicht nur treffend sondern garantiert auch einen Riesenlacher!

Besten Gruss an Euch alle
aus Sommer-Stockholm,

Halawachl

Re: Der Westen ist blau

JoDo 05.08.2008
Leider gibt´s für Beiträge wie diesen - bis jetzt noch - keinen ´Daumen hinauf´ Knopf!!!
Brezi: des iss´s!
vlG JoDo

Lieber Halawach! Lieber JoDo

Brezi 05.08.2008
Es ist schön, Freunde zu haben, die einen so tragen! Übrigens habe ich das von mir hier Vorgeschlagene auch schon ein bisserl in die Tat umgesetzt und zum Beispiel ein paar Jandl'sche Kleinschreibungen ohne viel Fragen durch Kapitalien ersetzt. Und Rot habe ich auch schon verteilt. Und viel einfach weiß gelassen. Damit es nicht heißt, ich sage "Es gibt viel zu tun. Packtsas bitte an . Danke

Brezi




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.