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Das Schweizerhaus im Prater

JoDo 23.11.2007
Wie viele Geschichten aus dem alten Wien verlieren sich auch die Ursprünge des Schweizerhauses im Dunkel der Geschichte. Ein Gründungsmythos geht so: Vor Hunderten Jahren habe am Ort der heutigen Budweiserkathedrale ein "stiller Mann" Steckerlfische, Schwammerl und Bier an die rastenden kaiserlichen Jagdknechte verkauft. Die Knechte - so die lokale Mythologie - waren Schweizer aus dem Sundgau, gerühmt für die Qualität und Ausdauer ihrer Treibkünste. Aus dieser Zeit stamme der Name Schweizer Hütte.
Im 18. Jahrhundert übernahm ein gewisser Cajetan Gasperl, ein geschäftstüchtiger Wirtensohn aus Mitterndorf im Ausseerland die "Schweizer Hütte", taufte sie, dem Zeitgeist folgend, "Tabakspfeife" und huldigte damit den Freunden "des süßen Qualmens".
Nach Gasperls Tod verkaufte seine Witwe das Etablissement, das während des Wiener Kongresses "Zum russischen Kaiser" hieß.
Während der Weltausstellung 1873, als Themenrestaurants als letzter Schrei galten, erfand man den Mythos mit der Jausenstation der mittelalterlichen Schweizer Jagdknechte und taufte die im hochalpinen Helveterstil designte Gaststätte am linken Ufer der Prater Hauptallee Schweizer Meierei. Ein populärer Besitzer dieses ersten wirklichen Schweizerhauses war der Wirt vom Alten Kühfuß in der Habsburgergasse, Jan Gabriel, unter dem das Schweizerhaus ein Treffpunkt aller Freunde echten Pilsners wurde.
Zu dieser Zeit übertraf der Bierkonsum der Wiener jenen des Weines bei weitem. So mancher Firmgöd hat sich dort einen Rausch angetrunken. Einer, der nicht selber trank im Schweizerhaus, war der Wärter der Säugetierschaustellung im Aquarium: Er holte pünktlich um zehn Uhr vormittags drei Krügel für seine Affen, welche diese mit sichtlichem Behagen getrunken haben sollen.
1920 juckt einen jungen Wiener die geschäftstüchtige böhmische Nase. Der neunzehnjährige Sohn tschechischer Eltern, Karl Kolarik, mit seinem Vater eben noch selber Gast im Schweizerhaus, übernimmt den gerade zum Verkauf stehenden Betrieb als Konzessionär. Vater Kolarik, Fleischhauermeister, sieht in einem Wirtshaus einen willkommenen Absatzmarkt für die Würste und Schinken, die der Familienbetrieb zu Zeiten der Monarchie noch bis Prag geliefert hatte. Inflation und Wirtschaftskrise schütteln die junge Republik, und so manchem stillen Bierzecher ist ein Besuch im Biergarten die einzige Freude. Karl Kolarik hat ein G’spür fürs Geschäft. Der gelernte Fleischer und Selcher errichtet Wiens "Erste englische Fischbratküche" und einen Pavillon, "wo die berühmten Wiener Würsteln und Bratwürsteln vor den Gästen erzeugt werden", wie ein zeitgenössisches Inserat erklärt. So nebenbei führt Kolarik eine andere Spezialität ein: fein geschnittene Erdäpfel, die berühmten, in heißem Fett herausgebratenen Rohscheiben. Die dünnen Kartoffel-Chips waren ursprünglich nur dazugeschnitten worden, um in Ermangelung geeigneter Thermometer die Temperatur des heißen Fischbratfetts zu justieren. Jahrzehntelang prangte denn auch das Gütesiegel eines US-amerikanischen "Potato-Chip-Institute" auf den Zellophanpackerln, in denen die Rohscheiben verkauft wurden.
Die köstlichste Delikatesse aber, das berühmte Budweiser Budvar, verdankt das Schweizerhaus einer Reise Kolariks in die böhmische Heimat seiner Eltern. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg hatten die nationalistischen Tschechen als eine der ersten Maßnahmen ihrer jungen Republik den Bierexport verboten - weil sonst für die böhmischen und mährischen Arbeiter zu wenig übrig bliebe, wie es hieß. Dieser Bierverknappung fiel die Pilsner Bierklinik in der Innenstadt zum Opfer. Sie musste auf obersteirisches Bier umsteigen und ihren Namen in Gösser Bierklinik ändern.
Dem Verbot tschechischen Bierexports verdankt das als Bud bekannt geworden Budweiser der deutsch-amerikanischen Bierdynastie Anheuser-Busch seinen zweifelhaften Siegeszug durch die von der Prohibition geschüttelte Neue Welt. Mit dem echten Budweiser hat das Anheuser-Busch-Bud allerdings nur den abgekupferten Namen gemeinsam. Aber zurück ins Jahr 1926. Auf seiner Suche nach geeignetem Bier für sein Schweizerhaus stößt Kolarik auf das böhmische Budweiser, ein dunkelgelbes zwölfgrädiges Lagerbier. Das Wasser, mit dem es gebraut wird, stammt aus 312 Metern Tiefe. Es ist Tausende Jahre alt und seidenweich, wie Schweizerhausbesucher mit jedem Schluck bestätigen können. Kolarik gelingt es, einen ganzen Eisenbahnwaggon des böhmischen Bieres nach Wien zu bringen und damit einer alten Liebe neue Triebe zu verleihen. Der Liebe nämlich, die die Wiener - ob slawischer Herkunft oder nicht - seit alten Zeiten mit dem tschechischen Bier verbindet.
Von Krieg und Gefangenschaft kehrt der Wirt mit dem guten böhmischen Bier in ein völlig zerstörtes Schweizerhaus zurück. Zwei Bäume stehen noch im devastierten ehemaligen Gastgarten, mehr nicht. Die berühmten Nussbäume, in deren Schatten so mancher Sommertag seine lange Reise in die Nacht beginnt, pflanzt Kolarik 1947 mit eigenen Händen. Nussbäume, weil deren Geruch die Gelsen vertreibt. Lebenswichtig für einen Biergarten in den feuchten Praterauen. Karl Kolarik - mittlerweile zur Wirtslegende geworden - starb vor elf Jahren im 92. Lebensjahr.
Auszug aus:
http://www.falter.at/print/F2004_32_3.php




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