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Auge Gottes (Kreuzung)

JoDo 24.03.2008
Wer weiß, ob die in Österreich gelegentlich verwendete ORTSBEZEICHNUNG "Auge Gottes" für eine Kreuzung mit drei zusammen/auseinanderlaufenden Straßen auch im restlichen Sprachraum so verwendet wird?

Beispiele:
Wien 13: Anna-Strauss Platz (beim "Dommayer"). Da gibt es noch die "Auge Gottes Apotheke".
Wien 9/19: Heiligenstädter Straße, Glatzgasse, Döblinger Hauptstraße > Das "Auge Gottes Kino" und die "Auge Gottes Apotheke" erinnern noch daran.
... Nicht zu vergessen das Etablissement zum "Auge Gottes". Dort war auch die "Bauernbühne Fischer" etabliert und alternierend mit dem "Theater Auge Gottes" unter der Direktion von Walter Keller sah man Operetten wie: "Blume von Hawaii", "Im weissen Rössl", "Der Rastelbinder"und viele andere Aufführungen. Auch Bälle und andere diverse Veranstaltungen wurden im Auge Gottes abgehalten. ...
http://www.daswienerlied.at/index_up.htm[http://www.daswienerlied.at/Content/110GesternHeute/WandelDerZeiten/110Wandel09.htm
Wiener Neustadt: Kreuzung Pottendorfer Straße, Fischauer Gasse, Grazer Straße / Wiener Straße (B17) > Da gibt´s auch die "Auge Gottes Apotheke".

vlG
JoDo

Re: Auge Gottes (Kreuzung)

Weibi 24.03.2008
Wie schön, JoDo, aber leider nie gehört.

Interessant wäre auch zu wissen, warum derartige Kreuzungen so genannt wurden. Vielleicht weil sie gefährlich waren. Die Leute preschten wohl, mangels einer Verkehrsordnung, dort oft aufeinander, mit ihren Fiakern? Daher musste Gott besonderes Augenmerkmal auf diese Knotenpunkte legen?
Dann war es nur hilfreich und nützlich, dort auch schon mal eine Apotheke stehen zu haben, wie umtriebige Geschäftsleute seinerzeit richtig erkannt haben werden.

lG, Weibi

Re: Auge Gottes (Kreuzung)

JoDo 24.03.2008
Hallo Weibi!
Aha! Also sind Triangelkreuzungen nicht allgemein als "Auge Gottes" im Sprachgebrauch.
Kommt einfach von der Dreiecks(platz)form, die an das
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:ChristianEyeOfProvidence.png
erinnert
Aber in Ostösterreich doch sehr häufig!
Gmünd, Hadersdorf am Kamp, Fischamend, Wien-Hietzing, Wien-Alsergrund,
und überall dort steht eine Apotheke! Vielleicht waren schon seit jeher Geisterfiaker mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs?
lG JoDo

Re: Auge Gottes (Kreuzung)

Weibi 25.03.2008
Hallo JoDo,

nach Durchforstung deines interessanten Links bin ich nun auf einen Satz gestossen, den ich hier weitergeben möchte, weil er gar zu schön ist:

„Wer also allgemeine Freyheit einführen will, der verbreite allgemeine Aufklärung: aber Aufklärung heißt nicht Wort- sondern Sachkenntniß, ist nicht Kenntniß von abstracten, speculativen, theoretischen Kenntnissen, die den Geist aufblasen, aber das Herz um nichts bessern.“
– Adam Weishaupt: Rede an die neu aufzunehmenden Illuminatos dirigentes. 1782.

Man kann von den Illumitis halten was man will, ich lass den Satz jetzt einfach einmal so stehen.

lG, Weibi

Re: Auge Gottes (Kreuzung)

9Hieb 23.04.2008
ich hab mal im web nachgesehen, zumal mir das bis dato nicht wirklich aufgefallen ist, dass es da einen connex mit Strassenkreuzungen gibt. Es heissen aber glaub ich , nie die Plätze so, sondern immer irgendwelche angrenzenden Gebäude bzw. Gebäudekomplexe (wie im 9., wo damal unmittelbar in enem Komplex nebeneinander, die "Auge Gottes Apotheke", Hotel Auge-gottes, Etablisement-Auge-Gottes, Restaurant-Auge-Gottes gab). dass es mehrfach Apotheken sind, die so heissen ist meines Erachtens, der Grund dieser Bezeichnung. In früheren JAhren wurden Apotheken häufig von kirchlichen- & Ordensmitgleicern betrieben und möglich, dass daher Das-Auge-Gottes als eine Art Zumpftzeichen galt - die Äskulap mit der Schale ist eher schwer mit der Kirche in Zusammenhang zu bringen, zumal die Schlange generell keinen guten Stand in der Kirche hat und die Symbolik aus der "heidnischen" griechischen Mythologie stammt - da lieber die Heilung unter göttliche Obhut stellen.
In Bezug auf die Kreunzungen muss man sich in Erinnerung rufen, dass es die Häuser meist schon lange gab und die Kreuzungen nicht einmal der Rede wert waren, zumal es ausschliesslich Pferdefurhrwerke waren die da langsam auf dem Kopfsteinpflaster unterwegs waren - gab auch keine (Rechts-)Fahrordnung, die erste Fahrordnung war übrigens eine Links-Fahrordnung.

in punkto Apotheken sie auf die Namensgebung noch eine interesante Anmerkung zu bemerken, speziell auf die häufig anzutreffenden http://209.85.129.104/search?q=cache:SLVksrAQF8IJ:www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_2412.html+%22Noch+im+19.+Jh.+geh%C3%B6rte+das+Einhornpulver+Alicorn+zum+Lagerbestand+jeder+gutgef%C3%BChrten+Apotheke.%22&hl=de&gl=at&strip=0 , http://209.85.129.104/search?q=cache:4hPFyV8QfjcJ:www.oeaz.at/zeitung/3aktuell/2004/02/haupt/haupt02_2004arzn.html+%22Das+Einhorn+ist+alle+Zeit+bey+hohen+Potentaten+in+grossen+Wert+gehalten+worden+/+ietzige+Zeit+aber+werden+solche+gar+gemein+/+und+in+geringem+Prei%C3%9F+gekaufft%22&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=at

Re: Auge Gottes (Kreuzung)

JoDo 23.04.2008
Du, Alsergrunder!
Da hast interessante Kombinationen angestellt, dafür seist Du ausdrücklich gelobt. Du mögest mir aber nicht böse sein, dass ich auf meiner "Triangelkreuzung" draufhockenbleib und sie mit Zähnen und Krallen verteidige. Deswegen muss das von Dir herausgefundene ja nicht falsch sein! Mir ist zum Beispiel die Gegend in Wiener Neustadt, die als Auge Gottes bezeichnet wird, ein Begriff.
Die heisst ganz amtlich: Am Auge Gottes
http://maps.google.at/maps?f=q&hl=de&geocode=&q=Am+Auge+Gottes,+2700+Wiener+Neustadt&sll=47.635784,13.590088&sspn=5.197291,10.568848&num=10&iwloc=addr&iwstate1=saveplace
Das bezieht sich NATÜRLICH auch auf bestimmte Gebäude, und das mit den Geisterfiakern war sowieso ein Schmäh.
Irgendwie muss mich da die vorangegangene Diskussion um den Ballhausplatz drauf gebracht haben. Der (Begriff) selbst bezieht sich ja auch nicht auf den Platz an sich sondern auf das dort befindliche Amt (und auch nur auf EINES der beiden).
vlG
JoDo

Re: Auge Gottes (Kreuzung)

9Hieb 24.04.2008
Danke der Lobpeisung man wirds eh nur schwer beweisen können woher es ursprünglich kommt, allerdings wie schon von Dir angesprochen ist eine Mehrfachlösung nicht unbedingt falsch. Ich hatte bis dato allerdings nie an einen Platz gedacht, wenn ich ganz ehrlich bin hab ich überhaupt noch nie darüber nachgedacht, aber auch so kommt zu Infos - ein wenig wie "Phänomene des Alltags" . Konnte auch nirgends eine historische Geschichte zu den Häusern, Plätzen finden, wo die ursprüngliche Widmung des Hauses und die Namensgebung erklärt wurde. Auch wikipedia hat mich im Stich gelassen.

Irgendwie muss mich da die vorangegangene Diskussion um den Ballhausplatz drauf gebracht haben.


hab zwar die angesprochene Diskussion "verpasst" aber meines Wissens nach, kommt das von einem beliebten Ballsport (angeblich ähnlich des Badmintons) die vom Adel im Barock gespielt wurde, und das -haus ist halt die Unterbringung dieses "Spielplatzes". bin Mir nicht sicher, glaube allerdings, dass die Ballgasse einen ähnlichen Hintergrund hat.

Re: Auge Gottes (Kreuzung)

JoDo 24.04.2008
Bingo!
@Ballhausplatz >
reise" target=_blank>http://reise
vlG
JoDo

Re: Auge Gottes (Kreuzung)

9Hieb 25.04.2008
AW: zu Ballhausplatz

hab ein Buch über ALLE Wiener Strassennamen und deren Namensherkunft, im 1. Bezirk steht halt zu jedem noch so kleinen Gasserl ein ganzer Absatz - glaub die kleinste gasse im 1. ist die Badgasse, weiss es aber nicht, und auf der anderen Seite, von der NAglergasse aus gibts ein Pendant, Namen fällt mir jetzt nicht ein, aber das Bockshorn ist/war? dort. beides sind Sackgassen

Ein neues Rätsel?

JoDo 25.04.2008
Du, 9Hieb!

Das wird ja ein ausgewachsenes Rätsel, das Du uns da aufgibst!

Eine Sackgasse von der Naglergasse heißt "Körblergasse"
seit 1862, ehemaliger Sitz der Korbflechter,
und die Badgasse ist doch im "Neunten Hieb"! und keine Sackgasse ...

Eine interessante Spurensuche!

vlG
JoDo

Re: Auge Gottes (Kreuzung)

9Hieb 25.04.2008
Danke für die Berichtigung Dojo, sehr aufmerksam "+" - mea culpa - gemeint war natürlich nicht die fälschlicherweise von mir genannta Badgasse, somdern die NEUBADGASSE, wahrscheinlich die meisten schon x-mal vorbeigegangen und nie aufgefallen, da gibts so grossartige Gassen- & strassennamen in der Innenstadt und nahezu alle weisen auf eine alte Geschichte zurück, die man kaum kennt und doch sehr interessant sind, ein paar Klassiker - Kühfussgasse, Blutgasse, Sterngasse (die mit dem Geschoss überm Hauseingang), die eigenwillige Kleeblattgasse, Kärntnerstrasse,...
für grossartige luftansichten/Vogelperspektive kann ich nur den plan/hybrid/satelite-viewer vom herold empfehlen http://www.herold.at/servlet/at.herold.sp.servlet.SPRPHomeServlet?context=RP&sd=AH2_12091355205310102&rd=&unid=ROOT-herold_main:4
einfach unten bei "Karte suchen" adresse eingeben und there u go, genial, besser als jene von google-earth oder von wiengv.at.

lg Alsergrund

Bravo!

JoDo 25.04.2008
Solltest Du vorhaben in unregelmäßigen Intervallen den einen oder anderen Stadtspaziergang hier zu dokumentieren - ich selbst hab mir das schon hundertmal vorgenommen - da steuere ich ich gerne was dazu bei!
JoDo




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

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Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.