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Apostroph

Brezi 07.08.2007
Neulich habe ich in "Wer wird Millionär" Günter Jauch sagen hören: "das Apostroph". Das ÖWB gibt aber (so wie mir auch plausibler) zu "Apostroph" lediglich den männlichen Artikel (also "der") als einzig richtigen an. Jetzt meine Frage: sagt man in Deutschland wirklich "das Apostroph" und nicht "der Apostroph", oder hat sich da ausnahmsweise Günter Jauch vertan? Was weiß man schon? Ich habe drüben auch "das Radler" für jenes relativ junge Bier-Limonade-Mischgetränk gehört. Umgekehrt: wer sagt bei uns wirklich "das Ammoniak" und "die Soda" (für das Natriumcarbonat, nicht für das Kohlensäurewasserl), so wie es korrekt wäre?.

Tnx, dear shadow!

Brezi 09.09.2007
Na das ist aber eine engagierte Recherche von dir gewesen, für die ich mich herzlich bedanken möchte. Da scheint es also, dass ausnahmsweise nicht die Deutschen mit den Österreichern im Streit liegen, sondern der sonst so souveräne RTL-Moderator ein ganz individuelles Problem hat. Natürlich könnten theoretisch auch 8 teutonische Arbeitskollegen falsch liegen, aber nachdem es in Österreich dezidiert "der Apostroph", ohne Alternativen, heißt, dürfte es tatsächlich so sein. Nochmals vielen Dank! Ich wollte diese Antwort schon früher loswerden, aber da hat die Datenbank mich nicht gelassen!

Brezi

Re: Apostroph . Grammatikalisches Geschlecht

Koschutnig 13.05.2008
Spät bin dran mit meinem Senf, aber ich hab O s t a r r i c h i erst gestern entdeckt - Kärnten war halt auch kein Gründungsmitglied von Österreich und ist auch spät, erst 1335, durch irgendwelche Erbschachereien dazugeschlagen worden. Der Ober-Österreicher Hajder (so nennen die Slowenen ihre 2-Cent-Münze mit dem Kärntner Fürstenstein drauf, gegen die unser Herr LH so wütend protestiert hat) macht uns das immer mehr bewusst. Doch ich schweife ab...

Also: auch ein Jauch kann sich irren, obschon ihn viele Bundesbürger gerne als ihren Bundespräsidenten sehen tateten. Aber auch Bundespräsidenten gelten ja nicht mehr als unfehlbar. Und:
'd a s Apostroph' reiht sich doch prächtig ein in die Reihe 'd a s Monat', 'd a s Prospekt', 'd a s Tunnel', 'd a s Teller' und auch - ich kann's mir einfach nicht verkneifen - der Satz hier in OSTARRICHI : "Sollten Sie e i n Kommentar zu diesem Wort haben..." passt dazu. Fairerweise geb ich zu, drüber steht "Neu e r Kommentar". Aber d a s Kommentar erscheint noch 2x: "Hier können Sie noch e i n Kommentar abgeben" sowie "Wollen Sie d a s Kommentar wirklich löschen?". Mir tut das schon sehr weh, und jeder Lehrer würde die 2x rot anstreichen1
Doch vielleicht sind wir auf jenem Weg, den das Englische schon vor einem Millenium beschritten hat: weg mit maskulin und feminin, wenn's nicht Manndl oder Weibl ist! Am besten fängt man dann dort an, wo die Verwendung des Wortes ohnehin meist Glücksache ist: bei den Fremdwörtern. Dagegen spricht allerdings bei uns der Gebrauch von 'd e r Radio', 'd e r Liter', 'd e r Meter'. Ich würd mir sehr schwer tun, etwa zu sagen:"D a s letzte Kilometer war besonders anstrengend", wie' korrekt wär' - doch was heißt schon "korrekt". Schließlich wurden in der deutschen Sprache die männlichen 'massage, visage, garage' etc. ja (willkürlich) verweiblicht.
Und nun zum Apostroph zurück.
Früher war d e r Apostroph im Deutschen ein reines Auslassungszeichen, nach neuer Rechtschreibung darf er aber auch vor manchem Genitiv-s stehn: Visconti's Film z.B., was die Definition in nicht brandneuen Fremdwörterlexika einfach falsch macht, jedoch zu einer krankhaften Apostrophitis geführt hat: über's, für's, auf's usw., usf. - alle falsch.
Ei n e Apostrophe gibt's übrigens auch: Anrede an eine abwesende Person, daher heißt's 'jemanden apostrophieren"- Na, Herr Jauch, passen S' doch besser auf bei Ihren Artikeln!"
'nen schön' Gruß von 'n Karawanken,
Koschutnig

Re: Apostroph

Brezi 10.06.2008
Erst amal schönen Dank! Und so spät (gemessen an deinem Beitrittsdatum) finde ich deinen Senf erstens nicht und zweitens hat der Zeitpunkt der Erzeugung ja nichts mit der Qualität zu tun (na ja, beim Senf schon, wenn man ihn übers Ablaufdatum hinaus genießen will. Du siest, auch ich schweife ab - und habe deine Exkurse über Kärnten sehr genossen).

Das Kommentar, das stört mich auch sehr, doch wollte ich es nicht vielen anderen gleich tun und gleich als Erstes über dies und jenes lautstark meckern. Irgendwann habe ich vergessen, dass es längst an der Zeit wäre, ein 'der' einzureklamieren. Russi, vielleicht liest du das hier jetzt. Dann kannst du ja frisch und unverdrossen wie immer zur Tat schreiten.

Weil wir schon dabei sind: die Deutschen sagen (regelmäßig) das Prospekt. Ist das eigentlich korrektes Bundesdeutsch oder ebenfalls falsch?

Zum eigentlichen Gegenstand dieses Artikels: ich habe nicht gezweifelt, dass auch Jäuche sich irren können. Ich wollte nur wissen, ob er es in diesem speziellen Fall getan hat. Und nun habe ich die Gewissheit: er hat. Aber er braucht sich deshalb nicht zu kränken. Er weiß trotzdem bei weitem noch mehr als viele andere, die tatsächlich einmal Präsident eines Landes geworden sind oder es werden wollten. Warum sollen die Deutschen also keinen Jauch wollen? Wir wollten ja auch einmal einen Portisch.

Die Apostrophe. Wieder etwas dazu gelernt. Kannte nur das Verb und kannte mich nie aus, wie sich das herleitet. Ich hatte Altgriechisch leider nie auf der Schule, habe mir als spät Berufener die LEXIS gekauft, aber feststellen müssen: die ist zum selber Lernen genau so ungeeignet wie der Liber Latinus, denn in keinem Kapitel wird die neu hinzugekommene Grammatik erklärt. Das muss der Lehrer oder die Lehrerin tun, denn selbst mit einer vollständigen Grammatik in der Hand tut man sich schwer, weiß man doch nicht, wo man das neu Hinzugekommene suchen soll, denn es steht ja in dem Paragraphen nicht drinnen, was das Neue, Unbekannte ist. Und Schliemann war nie mein Name.

Das Meter usw., das würde ich nicht so eng sehen, denn mit sächlichem Artikel sagen das selbst die Naturwissenschaftler nur dann, wenn es um das Aufzählen oder Definieren der Maßeinheiten geht. Sonst fährt auch ein Ordinarius für Physik "einen halben Kilometer" und sein Chemikerkollege spritzt "einen Kubikmillimeter" Probe in den Massenspektrographen. Zu 'Ammoniak' und 'Soda' habe ich mich, wie ich gerade sehe, schon geäußert.

"Das Monat" sagen und schreiben um mich herum inzwischen alle, aber in der geschriebenen Sprache vermeide ich es.

Nun ist viel Beiwerk in meine Antwort eingeflossen. Ich hoffe, es macht nichts. Vielen Dank und - spät aber doch - Willkommen bei uns.

Brezi

Re: Apostroph

Brezi 10.06.2008
Wie ich sehe, fehlt mindestens ein Posting zu diesem Artikel und zwar jenes von shadow, zwischen dem ersten und dem zweiten Gsatzl von mir. Hast du das selbst gelöscht, shadow? Oder hat es wer anderer getan?

LG Br

Österreichisches Standarddeutsch: der Apostroph?

System 21.07.2008
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[quote]Neulich habe ich in "Wer wird Millionär" Günter Jauch sagen hören: "das Apostroph". Das ÖWB gibt aber (so wie


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Deutschländisches Standarddeutsch: der Apostroph
Deutschschweizerisches Standarddeutsch: das Apostroph
Österreichisches Standarddeutsch: ?

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Re: Apostroph

Russi [Admin] 21.07.2008
Freunde, Freunde, Freunde,

wie oft wurde ich schon wegen meinem Kommentar gerügt

Sagt mir wo es noch falsch ist und ich werde es korrigieren - auch wenn sich mir "das Kommentar" wohlig an die Zunge schmiegt und "der Kommentar" ungewöhnlich hochgestochen klingt, habe ich doch wohl unrecht. Ich werde es mir einbrennen ins Hirn - und ich bin auch ein Sprecher von "das Apostroph" - jetzt habe ich mich komplett geoutet, macht aber nix.

Gruß
Russi

Re: Apostroph

Brezi 03.08.2008
Lieber Russi!

Gern komme ich deinem Wunsch nach. Wo es mir noch aufgefallen ist: wenn man bei seinem eigenen Kommentar 'Vorschlag' oder 'leer' ancklickt. Da kommt nachher noch immer ein Schirm mit dem Hinweis: "Das Kommentar wurde markiert".

Ein paar Worte noch. Fast jeder lernt im Leben mindestens ein Wort, das ihm selber geläufig und vertraut ist, andere hingegen verwirrt oder gar abstößt. Ich zum Beispiel habe das Wort 'Kolibri' von meiner sonst sehr netten Verwandtschaft völlig entstellt gelehrt bekommen. Besagte Verwandtschaft hat es nämlich auf dem i in der Mitte betont. Kolliiiiebri. Es fällt mir heute noch schwer, diesen fest eingebrannten Irrttum zu vermeiden, wenn es drauf ankommt. Ebenso ging es mir mit dem wort 'Topas', das meine liebe Verwandtschaft wie 'Thomas' betonte. Dafür lernte ein Mitschülervon mir nie die richtige Aussprache von 'Pegasus' und 'Dezibel' und wir beide lernten vom Englischlehrer höchstderoselbst, wie man 'amateur' falsch ausspricht. Er faselte immer was von 'ämmatjuhr'. So etwas prägt sich so fest ein, dass man jahrelang glaubt, die anderen irren sich.

Ähnlich dürfte es dir mit 'das Kommentar' ergangen sein. Umsomehr freuen wir uns, dass du unseren Protesten stattgegeben hast.

Vielen Dank, auch für alles Übrige, was du Nimmermüder für uns tust!

Brezi




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Das österreichische Wörterbuch stellt eine Sammlung von österreichischen Wörtern dar um die Unterschiede des österreichischen Deutsch am Leben zu halten.

Derzeit sind über 1300 Wörter ins Wörterbuch aufgenommen wobei es weit mehr eingetragene Wörter gibt.

Die Ursprünge des Wörterbuches entstanden vor etwa 15 Jahren als ich von Österreich nach Deutschland gezogen bin und mehr mit hochdeutsch sprechenden Menschen zu tun hatte.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

Das vom österreichischen Unterrichtsministerium mitinitiierte und für Schulen und Ämter des Landes verbindliche österreichische Wörterbuch dokumentiert das Vokabular der deutschen Sprache in Österreich seit 1951.

Teile des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache sind, bedingt durch das bairische Dialektkontinuum, auch im angrenzenden Bayern geläufig.

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind durch Verträge mit der Europäischen Gemeinschaft geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache.