Ja, aber, und doch... [ von Koschutnig am 2012-03-30 14:11:15 ]
Obgleich es sehr wienerisch klingt, ist das ugs. Wort keineswegs auf Österreich beschränkt, s. http://tinyurl.com/bnop8fw
[
Zur Grammatik s.unten!]
*
"Der Kriminaler.de" ist die Homepage eines "Büros für operative und strategische Aufklärung (BOSAS)" in München
* FOCUS Magazin titelt
Elektronischer Personalausweis -
Kriminaler nennt Technik Elektroschrott (30.10.2010)
* Im Augustinum Hamburg bloggt Uwe Neumann:
Sie wissen, was ein „Kriminaler“ und was ein „Krimineller“ ist? Umgangssprachlich ist ein Kriminaler derjenige, der den Kriminellen fangen und überführen soll.("Neumanns Welt", 7.4.11 http://tinyurl.com/bodmarv
)
Beträchtliche Bedenken allerdings kommen mir ob der stark/schwach-Deklination ("substantiviertes Adjektiv" - offenbar nach dem Modell 'ein Beamter/der Beamte') auf DUDEN online:
der Kriminale/ein Kriminaler; des/eines Kriminalen; die Kriminalen/zwei Kriminale
Dementsprechend auf 'news.de':
Der kriminelle Kriminale.
Ein Kriminaler muss kriminell denken können, meint Schauspieler Christian Berkel.... (19.2.10)
Mir scheint, dass für Österreich der Eintrag "Krimininale
r, der" (wie er so ja nicht vorgenommen wurde) tatsächlich zutrifft.
Wird unser "Kriminaler" nicht nach dem Muster "Schuster", "Tiroler", "Lehrer", "Gärtner" gebildet:
der Kriminaler, die Kriminaler?
Doch auch in Deutschland findet es sich so:
* In den
Westfälischen Nachrichten z.B. denkt man ebenfalls so : "
Lange Jahre gab es für die „Kriminaler“ nur wenige Mittel zu helfen. 26.2.12, über den Weißen Ring) und auch
* der Düsseldorfer Rechtsanwalts Udo Vetter hält sich in seinem "law blog" nicht an DUDEN:
"Remix der Kriminaler"
(7.4.2010, http://tinyurl.com/7hr59kl
), ebenso wie
* www.tz-online.de :
Zwei Kriminaler schreiben über ihre Fälle (4.1.10) oder
* www.aktivnews.de:
Kriminaler untersuchen Brandort nach Großbrand im ZIB (24.10.2011 12.00 Uhr )
Aus den Beispielen ist also ersichtlich, dass "Kriminaler" im deutschen Sprachgebrauch offenbar überwiegend als Nomen wie in Österreich ("der Kriminaler") und nicht als substantiviertes Adjektiv ("der Kriminale") nach Duden verwendet wird.
Bedeutende Schriftsteller hielten es ebenso:
* Leonhard Frank:
Hans Lux, der noch von seiner Kindheit her gegen alle Kriminaler und Polizisten der Welt eine unausrottbare Feindschaft im Herzen hegte ("Das Ochsenfurter Männerquartett", 1951, S. 66)
* Heinrich Mann:
"Du hast recht, der Kriminaler bleibt dann weg, aber auch Kurt; und das weißt du" ("Ein ernstes Leben", 1932, 7. Kap., S. 305)
* Ludwig Renn:
Der Zivilist sah nicht aus wie andere Kriminaler. ("Vor großen Wandlungen", 1936, S. 48)
* Hans Fallada:
Aber wenn einer vorbestraft ist wie ich, dann ist es ihm ungemütlich, wenn er mit 'nem Kriminaler redet. ("Wer einmal aus dem Blechnapf frißt", Berlin 1934, S. 113 ) und
die musternden Blicke der beiden Kriminaler (S. 198) oder
das weiß er genau, daß er außer Herrn Specht keinen Hamburger Kriminaler kennt(S. 200) - Fallada kann's aber auch anders und wechselt mehrmals zwischen Nomen und subst. Adj.:
Der Kriminale nickt, sieht Freese, dessen Augen vor Spannung und Vergnügen funkeln, bedeutungsvoll an und sagt... (S. 110) oder
wenn die Kriminalen diesmal nicht einen Bummel gemacht haben, frißt er einen Besen! (S. 112) und
der Kriminale sagt mit Bedeutung..(S. 115)
DWDS hält sich aber nicht an DUDEN: "Kriminạle
r, der; -s, - 〈lat.〉 landsch. umg. Kriminalbeamter"