O, diese Rechtschreibreformer! [ von Koschutnig am 2012-02-11 15:49:49 ]
Das Verb „schneuzen“ wird nun „schnäuzen“ geschrieben, da man es an die Schnauze angepasst hat (mit der es gar nicht direkt zusammenhängt, da es von ,snuz’, dem Nasenschleim kommt ) .
Übersehen hat man allerdings, dass „schneuzen/schnäuzen“ neben dem Naseputzen seit über 1000 Jahren auch eine 2., übertragene Bedeutung hat, „den Kerzendocht beschneiden“, und dass dazu das Nomen
„die Schneuze“, eine Dochtschere, existiert, ein Wort, dessen Schreibung - nach Duden online zumindest - nicht geändert wurde! – s. http://www.duden.de/rechtschreibung/Schneuze.
Canoo.net erklärt allerdings:
"Schneuze: Nomen, feminin. Alt, nach Reform ungültig.
Schnäuze: Nomen, feminin. Neu, nach Reform einzige Variante http://tinyurl.com/7g3haxn
Man hätte eigentlich die beiden Bedeutungendes Verbs orthografisch trennen können in „sich schnäuzen“ zur „Schnauze“
und „schneuzen“ zur
„Schneuze“ ( die ‚Dochtschere’ oder ‚Lichtputzschere’ – schon im 9. Jh gab’s ja
snuzza, snuzzil ‚Lichtputze’ ), eine Trennung, so wie sie im 18. Jh. auch mit dem Adverb „wider“ geschah, das in „wieder“ (= ‚nochmals’) und „wider“ (= ‚gegen’) getrennt wurde.
Aber nein: Auch bei der Kerze soll man an die Schnauze denken! Warum bloß?