Ergänzende Infos: [ von shadow am 2008-10-20 14:36:09 ]
Sicher ist der Verweis auf Wikidia informativ, jedoch nicht ausführlich genug in Bezug
auf das Wort Kurrent und dessen Wertigkeit.
Da ich auch einen Daumen vergab, begründet sich nicht mit den dort vorhandenen Informationen.
Wikipedia, es sei von mir einmal angemerkt, ist nach wie vor ein Werk von vielen Fachleuten. Aber ebenso wirken viele halbprofessionelle mit und vergleichbar mit
Ostarrichi wird auch dort nie die endgültige Weisheit zu finden sein.
Als Infoquelle, Nachschlagewerk gerne.
Kurrentschrift, zum Anliegen und Begründung meines Daumens :
Ursprung des Wortes currere=laufen, also eine Laufschrift ist logisch und auch gut
nachvollziehbar.
Die Verdeutschung Kurrent folgte im Laufe der rechtschreiblichen Veränderungen.
Kurrentschrift prägte eine lange Zeit den gesamten deutschen Sprachraum und war die
übliche Verkehrsschrift. Sogar als Amts-und Protokollschrift etablierte sich Kurrent auch in Österreich. Bis 1952 gab es noch die „Schulschrift Kurrent, schöne Schreibschrift, mit Feder“ parallel zu erlernen.
Die entscheidende Veränderung im Kurrent wurde durch den Grafiker Ludwig Sütterlin
eingeleitet. Er entwickelte 1911 eine sehr ähnliche, aber eigenständige Schriftart.
Diese Neuerung, eine eigenständige Schrift, zog in Deutschlands Schulen ein und in
Österreich konnte Kurrent lange Zeit überleben.
Allerdings kam es 1941 durch den Normaschrifterlass dazu, das im großdeutschen Reich
beide deutsche Schriften zugunsten der lateinischen Schrift abgeschafft wurden.
Durch Bormanns Erlass vom 3. Januar 1941 wurden zunächst nur die gebrochenen Druckschriften verboten. Mit einem zweiten Rundschreiben vom 1. September 1941 wurde auch die Verwendung der deutschen Schreibschriften untersagt. Damit war auch die bis dahin übliche deutsche Kurrentschrift verboten, sowie die erst in den 1920ern eingeführte Sütterlinschrift. Seit Beginn des Schuljahres 1941/42 durfte an den deutschen Schulen nur noch die so genannte "Normalschrift" verwendet und gelehrt werden, die bis dahin als "lateinische Schrift" zusätzlich zur Sütterlinschrift unterrichtet worden war.
Ein Teil österreichischer Bibliographie z.B. aus dem Jahr 2003 noch ist teilweise in
Kurrentschrift gehalten.
http://allegro.onb.ac.at/biblio/content/200323/Bibliographie200323.pdf.
Der „Führer“ soll diese ehemals „deutschen“ Schriften schwer abegelehnt haben und
sie gar dem Judenvolk, dem „Abschaum“ zugeordnet haben. Mir liegen noch Dokumente
vor, in denen Sütterlin als die „gute deutsche Schrift“ bezeichnet werden. Die Umwandlung
in Sütterlin, einem deutschen ! Grafiker also, wurde in Deutschland sehr forciert und
recht bald war der Begriff Kurrent – bis zum heutigen Tage nicht mehr in Gebrauch und
Umlauf.
Die Erste Republik (1918–1938) überstand ohne große Umstände dies alles und
hielt an Kurrent fest. Die zweite, wie oben schon beschrieben lehrte gar bis 1952, regional und an bestimmten Schulen.
Damit dürfte zumindest für mich der Daumen berechtigt und begründet sein.
LG -shadow-